So funktioniert die Berechnung – der qtc-rechner im Detail
Die QT-Zeit hängt von der Herzfrequenz ab: Je schneller das Herz schlägt, desto kürzer ist das QT-Intervall. Um Werte vergleichbar zu machen, normieren beide Formeln auf eine Frequenz von 60 pro Minute.
Du gibst die QT-Zeit in Millisekunden ein (typischer Messwert aus dem EKG, z. B. 400 ms) und entweder die Herzfrequenz oder direkt das RR-Intervall — also den Abstand zweier R-Zacken — in Sekunden. Der Rechner bestimmt daraus zuerst das RR-Intervall (RR = 60 ÷ Herzfrequenz), rechnet dann beide Formeln parallel und gibt beide QTc-Werte in Millisekunden aus.
Bazett teilt durch die Quadratwurzel aus RR, Fridericia durch die dritte Wurzel. Bei genau 60 Schlägen pro Minute (RR = 1,0 s) liefern beide Formeln denselben Wert wie die gemessene QT-Zeit — je weiter die Frequenz davon abweicht, desto stärker unterscheiden sich die Ergebnisse.
Genau dieser Unterschied ist der Grund, warum der Rechner beide Formeln zeigt statt nur eine.
Was ändert sich 2026 / 2027?
An den Formeln ändert sich nichts: Bazett publizierte seine Formel 1920, Fridericia im selben Jahr — beide gehören seit über einem Jahrhundert zum kardiologischen Standardwerkzeug. Auch die klinischen Grenzwerte sind stabil und an keine Gesetzgebung gebunden; Referenz bleiben die ESC-Leitlinien zu ventrikulären Arrhythmien und die klinische Praxis.
Für 2027 sind keine Änderungen an Formeln oder Grenzwerten bekannt oder absehbar. Der Abschnitt bleibt als Update-Haken bestehen: Sollten Fachgesellschaften ihre Empfehlungen anpassen, werden sie hier ergänzt. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Blutdruck-Rechner heranziehen.
Beispielrechnung: QT 400 ms bei 75 Schlägen pro Minute
Nehmen wir einen EKG-Befund mit QT = 400 ms und einer Herzfrequenz von 75/min. Schritt eins: Wandle die QT-Zeit in Sekunden um — 400 ms = 0,400 s.
Schritt zwei: Bestimme das RR-Intervall — RR = 60 ÷ 75 = 0,800 s. Schritt drei: Bazett — QTc = 0,400 ÷ √0,800.
Die Wurzel aus 0,8 ist 0,8944, also 0,400 ÷ 0,8944 = 0,4472 s = 447 ms. Schritt vier: Fridericia — QTc = 0,400 ÷ ∛0,800.
Die dritte Wurzel aus 0,8 ist 0,9283, also 0,400 ÷ 0,9283 = 0,4309 s = 431 ms. Dieses Beispiel rechnet der qtc-rechner automatisch für deine Werte nach.
Einordnung für einen Mann: Bazett 447 ms liegt im grenzwertigen Bereich (431–450 ms), Fridericia 431 ms gerade noch im normalen Bereich (≤ 430 ms gilt als normal, 431–450 als grenzwertig). Das Beispiel zeigt zweierlei: Erstens können beide Formeln zu leicht unterschiedlichen Bewertungen führen, zweitens liegen die Werte nahe beieinander, solange die Herzfrequenz nicht extrem ist.
Typische Fehler
Erstens: Millisekunden und Sekunden werden vermischt. In die Formeln gehören QT und RR in Sekunden — 400 ms sind 0,400 s, nicht 400.
Zweitens: Das RR-Intervall wird in Millisekunden in die Wurzel gesteckt. Auch hier gilt: erst in Sekunden umrechnen (800 ms = 0,800 s).
Drittens: Bazett wird bei sehr hoher oder sehr niedriger Herzfrequenz blind vertraut. Die Formel überschätzt das QTc bei schnellem Puls und unterschätzt es bei langsamem — bei extremen Frequenzen ist Fridericia die stabilere Wahl.
Viertens: Das QT wird falsch abgelesen. Das Intervall reicht vom Beginn der Q-Zacke bis zum Ende der T-Welle; gerade das T-Wellen-Ende ist bei flachen T-Wellen schwer zu bestimmen und die häufigste Messfehlerquelle.
Fünftens: Ein einzelner Wert wird überinterpretiert. Das QTc schwankt über den Tag, zwischen Ableitungen und Geräten — eine Zahl allein ist keine Diagnose.
Sechstens: Einflussfaktoren werden ausgeblendet. Elektrolytverschiebungen, viele Medikamente und Vorerkrankungen können das QT verändern — deshalb gehört jeder auffällige Wert in ärztliche Hände, nicht in die Selbstdeutung.
Sonderfälle / Ausnahmen
Bei Vorhofflimmern schwankt das RR-Intervall von Schlag zu Schlag — hier mittelt man über mehrere Intervalle, statt einen einzelnen Herzschlag zu nehmen. Bei Schrittmacherträgern und Schenkelblockbildern ist das QT oft technisch verlängert; die Standardformeln und -grenzwerte gelten dann nur eingeschränkt und die Deutung gehört zum Kardiologen.
Für Kinder gelten eigene Referenzbereiche — dieser Rechner bildet die Erwachsenen-Grenzwerte ab, bei Kindern ist der Kinderkardiologe zuständig. Auch ein verkürztes QT-Intervall kann klinisch relevant sein; auch dafür gilt: keine Selbstdiagnose, sondern ärztliche Abklärung.
Und bei Sportlern mit sehr niedrigem Ruhepuls unterschätzt Bazett systematisch — ein Grund mehr, beide Formeln zu vergleichen und das Ergebnis ärztlich einordnen zu lassen. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Herzfrequenz-Rechner.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Der Rechner ordnet dein QTc in drei Bereiche ein: normal (bis 430 ms bei Männern, bis 450 ms bei Frauen), grenzwertig (431–450 bzw. 451–470 ms) und verlängert (über 450 bzw. über 460 ms) — die in klinischen Übersichtsarbeiten gängigen Schwellen. Werte ab 500 ms gelten als besonders auffällig: Mit jeder 10-ms-Zunahme steigt das Risiko für Torsades de pointes, eine gefährliche Kammerrhythmusstörung, um etwa 5 bis 7 %.
Der qtc-rechner zeigt dir beide Formelwerte nebeneinander, damit du siehst, wie robust die Einordnung ist. Was er nicht kann: eine Diagnose stellen.
Ein grenzwertiger oder verlängerter Wert ist ein Anlass für ein Arztgespräch — nicht für Panik und nicht für eigenmächtige Medikamentenentscheidungen. Nimm deinen EKG-Ausdruck zum Termin mit; dort lässt sich klären, ob und was zu tun ist.
Als Ergänzung zur Herz-Kreislauf-Einordnung verlinken wir den Blutdruck-Rechner.