So funktioniert die Berechnung
Die Rechnung hat zwei Bausteine. Baustein eins ist das Startkapital: Es wird für die gesamte Laufzeit verzinst.
Bei 10.000 Euro, 7 Prozent und 10 Jahren (monatliche Verzinsung) sind das 20.096,61 Euro – eine Verdopplung ohne einen einzigen zusätzlichen Euro Einzahlung. Baustein zwei ist die Sparrate: Jede einzelne Monatsrate wird vom Einzahlungszeitpunkt bis zum Ende verzinst und aufaddiert.
Mathematisch ist das die Summe einer geometrischen Reihe, die Formel dafür lautet: Sparrate × ((1 + Monatszins)^Monate − 1) / Monatszins.
Der Rechner arbeitet mit monatlicher Verzinsung: Der Jahreszins wird durch zwölf geteilt, jede Monatsrate wird am Monatsende eingezahlt und ab dem Folgemonat verzinst. Das entspricht der Praxis der meisten Sparpläne.
Wichtig zu verstehen: Der Zinseszins ist kein Bonus und keine Sonderverzinsung – er entsteht automatisch, sobald Zinsen dem Kapital zugeschlagen statt ausgezahlt werden. Tagesgeldkonten mit monatlicher Zinsgutschrift erzeugen ihn genauso wie thesaurierende ETFs, die Erträge automatisch wieder anlegen.
Die 72er-Regel gibt dir eine Kopfrechnung für die Verdopplung: 72 geteilt durch die Rendite in Prozent ergibt ungefähr die Jahre bis zur Verdopplung. Bei 7 Prozent sind das 72 / 7 ≈ 10,3 Jahre, bei 3 Prozent dagegen 24 Jahre.
Sie ist eine Näherung, aber sie zeigt sofort, warum kleine Renditeunterschiede über Jahrzehnte riesige Unterschiede machen.
Was ändert sich 2026 und 2027?
An der Zinseszins-Mathematik ändert sich nie etwas – sie ist zeitlos. Was sich ändern kann, ist der Rahmen: Steuern, Inflation und Kosten nagen am Bruttoergebnis.
Für klassische Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) gilt weiterhin die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer; für 2027 ist keine Änderung dieses Satzes für normale Sparer angekündigt.
Aufpassen solltest du bei einer aktuellen Schlagzeile nicht durcheinanderkommen: Das Bundesfinanzministerium hat am 30. September 2026 einen Referentenentwurf vorgelegt, nach dem Kryptogewinne ab 2027 unabhängig von der Haltedauer mit der Abgeltungsteuer belegt werden sollen. Das betrifft ausschließlich Kryptowerte – für dein Tagesgeld, deinen Sparplan oder dein ETF-Depot ändert sich dadurch nichts.
Ein praktischer Hinweis zur Inflation: Der Rechner zeigt Nominalbeträge. Bei einer Inflation von beispielsweise 2 Prozent pro Jahr hat ein Euro in 20 Jahren nur noch etwa 67 Prozent seiner heutigen Kaufkraft.
Für deine Planung zählt deshalb die reale Rendite – also Nominalrendite minus Inflation. Und ein Kostenhinweis: Jeder Prozentpunkt Verwaltungsgebühr (TER) pro Jahr frisst über Jahrzehnte einen erstaunlichen Teil des Zinseszinses auf; kostengünstige Produkte sichern dir mehr vom Effekt. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Sparplan berechnen heranziehen.
Beispielrechnung: der zinseszins-rechner über 30 Jahre
Nehmen wir an: 10.000 Euro Startkapital, 200 Euro Sparrate im Monat, 7 Prozent Rendite pro Jahr (Annahme als Rechenbeispiel, keine Prognose), Einzahlung jeweils am Monatsende. So entwickelt sich das Vermögen:
- Nach 10 Jahren: 54.713,58 Euro. Eingezahlt hast du 34.000 Euro, der Zinseszins hat 20.713,58 Euro beigesteuert.
- Nach 20 Jahren: 144.572,72 Euro. Eingezahlt: 58.000 Euro. Zinseszins-Anteil: 86.572,72 Euro – er überholt hier erstmals deutlich deine eigenen Einzahlungen.
- Nach 30 Jahren: 325.159,17 Euro. Eingezahlt: 82.000 Euro. Zinseszins-Anteil: 243.159,17 Euro – fast drei Viertel des Endvermögens kommen aus dem Effekt, nicht aus deiner Tasche.
Drei Beobachtungen stecken darin. Erstens: Das Wachstum beschleunigt sich – die zweiten zehn Jahre bringen mehr Zuwachs als die ersten zehn, die dritten mehr als die zweiten.
Zweitens: Der Kipppunkt, ab dem die Erträge deine Einzahlungen überholen, liegt hier zwischen Jahr 10 und Jahr 20. Drittens – und das ist die eigentliche Lektion des zinseszins-rechner: Hättest du zehn Jahre später angefangen (also nur 20 statt 30 Jahre gespart), hättest du bei gleicher Sparrate nur 144.572,72 statt 325.159,17 Euro.
Zehn Jahre Warten kosten in diesem Beispiel über 180.000 Euro.
Typische Fehler
Fehler 1: Auf die Rendite starren, die Zeit vergessen. Ein Prozentpunkt mehr Rendite klingt nach viel, zehn Jahre früher anfangen ist fast immer mehr wert.
Wer mit 25 statt mit 35 anfängt, kann sich bei gleicher Sparrate eine deutlich niedrigere Rendite „leisten" und landet trotzdem vorne.
Fehler 2: Brutto mit Netto verwechseln. Der Rechner zeigt das Vermögen vor Steuern. Von den Zinserträgen gehen noch Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer ab – plane deshalb immer mit der Nettorendite, nicht mit der Bruttorendite.
Fehler 3: Die Inflation ignorieren. 325.000 Euro in 30 Jahren klingen nach viel – bei 2 Prozent Inflation pro Jahr entsprechen sie nur noch etwa zwei Dritteln der heutigen Kaufkraft. Rechne große Ziele immer auch in heutigem Geld.
Fehler 4: Kosten unterschätzen. Ein aktiv gemanagter Fonds mit 1,5 Prozent Kosten pro Jahr gegenüber einem ETF mit 0,2 Prozent: Die Differenz von 1,3 Prozentpunkten kostet dich über 30 Jahre leicht ein Fünftel deines Endvermögens.
Kosten sind der sicherste Renditekiller, weil sie jedes Jahr garantiert anfallen.
Fehler 5: Zinsen entnehmen statt wiederanzulegen. Wer sich die Zinsen jährlich auszahlen lässt, zerstört den Zinseszins – dann wächst das Kapital nur noch linear. Der Effekt braucht thesaurierende Anlagen oder die bewusste Wiederanlage jeder Ausschüttung.
Fehler 6: Mit unrealistischen Renditen planen. 7 Prozent pro Jahr entsprechen grob der langjährigen Durchschnittsrendite breit gestreuter Aktienmärkte – aber Durchschnitte sind keine Garantien, und einzelne Jahre können deutlich negativ ausfallen.
Plane lieber konservativ und freue dich über mehr.
Sonderfälle und Ausnahmen
Einmalanlage ohne Sparrate: Dann vereinfacht sich die Formel auf das verzinste Startkapital allein. Beispiel: 10.000 Euro zu 7 Prozent über 30 Jahre (monatlich verzinst) werden so zu 81.164,97 Euro – eindrucksvoll, aber weit entfernt von den 325.159,17 Euro mit Sparrate.
Die Kombination aus Startkapital und laufender Rate ist der wahre Turbo. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer ETF-Sparplan.
Unregelmäßige Einzahlungen: Wer mal mehr, mal weniger einzahlt, kann die geschlossene Formel nicht direkt anwenden. Der Rechner löst das, indem er jede Einzahlung einzeln bis zum Laufzeitende verzinst und aufaddiert – das Ergebnis ist exakt dasselbe wie bei der Formel, nur flexibler.
Jährliche statt monatlicher Verzinsung: Bei jährlicher Zinsgutschrift fällt der Effekt etwas schwächer aus als bei monatlicher – der Unterschied liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich und ist vernachlässigbar gegenüber der Wahl von Rendite und Laufzeit. Achte trotzdem auf die Gutschrift-Intervalle, denn jeder Monat früher mitverzinst zählt.
Negative Jahre und schwankende Renditen: Die Formel rechnet mit einer Durchschnittsrendite. In der Realität schwanken Aktienmärkte – die Reihenfolge der Renditen (Sequence Risk) spielt kurz vor dem Ziel eine Rolle.
Für die Entnahmephase im Alter ist das wichtiger als für die Ansparphase.
Steuerstundungseffekte: Bei thesaurierenden ETFs fällt die Steuer auf die Vorabpauschale jährlich an, die volle Steuer auf Kursgewinne aber erst beim Verkauf. Dieser Stundungseffekt verstärkt den Zinseszins zusätzlich – ein Detail, das simple Bruttorechner unterschlagen.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Der zinseszins-rechner zerlegt dein Endvermögen in zwei Zahlen: deine eigenen Einzahlungen und den Zinseszins-Anteil. Daraus liest du drei Dinge ab.
Erstens: Reicht das Ergebnis für dein Ziel? Wenn nicht, hast du drei Hebel – früher anfangen (stärkster Hebel), Sparrate erhöhen (sicherster Hebel), Renditeerwartung anpassen (riskantester Hebel).
Zweitens: Wie weit bist du vom Kipppunkt entfernt, ab dem die Erträge deine Einzahlungen überholen? Danach arbeitet dein Geld härter als du.
Drittens: Was bleibt nach Steuern, Kosten und Inflation real übrig? Ziehe von deiner Bruttorendite grob 2 Prozentpunkte Inflation und die Steuerlast ab, dann siehst du die ehrliche Zahl.
Der nächste Schritt ist ein ehrlicher Sparplan: Richte einen monatlichen Dauerauftrag ein – am besten direkt nach Gehaltseingang, damit du dich nicht jeden Monat neu entscheiden musst. Wähle kostengünstige, breit gestreute Anlagen und lasse Erträge automatisch wieder anlegen.
Und fange an, bevor du dich „bereit" fühlst: Jeder Monat früher ist ein Monat mehr Zinseszins, den dir niemand mehr nehmen kann.