So funktioniert der daemmung-rechner
Der Rechner arbeitet in zwei Richtungen – vorwärts (Aufbau → U-Wert) und rückwärts (Ziel-U-Wert → nötige Dämmdicke).
Vorwärts: U-Wert aus dem Schichtaufbau. Du gibst jede Schicht deines Bauteils von innen nach außen ein: Material (oder direkt dessen Lambda-Wert) und Dicke in Zentimetern.
Für jede Schicht berechnet der Rechner den Wärmedurchlasswiderstand R = d / λ (Dicke in Metern geteilt durch die Wärmeleitfähigkeit). Dazu addiert er die Wärmeübergangswiderstände innen (R_si = 0,13) und außen (R_se = 0,04 m²K/W bei Wänden).
Der Kehrwert der Summe ist der U-Wert. Beispiel: 25 cm Beton (λ = 2,1) + 16 cm Mineralwolle (λ = 0,035) → R = 0,13 + 0,25/2,1 + 0,16/0,035 + 0,04 = 0,13 + 0,12 + 4,57 + 0,04 = 4,86 → U = 1/4,86 = 0,206 W/(m²K).
Das erfüllt die GEG-Anforderung von 0,24 für die Außenwand.
Rückwärts: Dämmstärke aus dem Ziel-U-Wert. Du wählst das Bauteil (Außenwand, Dach, oberste Geschossdecke, Kellerdecke) und den Dämmstoff.
Der Rechner kennt den geforderten U-Wert aus GEG Anlage 7, zieht den vorhandenen Aufbau (ohne neue Dämmung) ab und löst die Formel nach der Dämmdicke auf: d_erf = λ × (1/U_ziel − R_rest). So erfährst du zum Beispiel, ob 14, 16 oder 20 cm nötig sind – und wie sich das mit einem besseren Lambda-Wert (z. B. PU statt Mineralwolle) verkürzt.
Lambda-Wert-Datenbank. Der Rechner enthält die Rechenwerte der gängigen Dämmstoffe nach DIN 4108-4: Mineralwolle λ = 0,035–0,040, EPS λ = 0,032–0,040, Holzfaser λ = 0,040–0,045, Polyurethan (PU/PIR) λ = 0,024–0,028.
Zum Vergleich: Beton λ = 2,1 (dämmt praktisch gar nicht), Holz λ = 0,13. Merksatz: Lambda beschreibt das Material (dickenunabhängig), der U-Wert das fertige Bauteil (dickenabhängig).
Was ändert sich 2026 / 2027?
Die gute Nachricht zuerst: An den U-Wert-Anforderungswerten hat sich nichts geändert – sie sind langjährig stabil:
GEG-Anlage-7-Werte (unverändert). Bei Erneuerung, Ersatz oder erstmaligem Einbau von Außenbauteilen gelten weiterhin: Außenwände U = 0,24, Dachflächen und oberste Geschossdecken U = 0,24, Dachflächen mit Abdichtung (Flachdach) U = 0,20, Wände gegen Erdreich bzw. Decken nach unten U = 0,30 W/(m²K).
Auch die Nachrüstpflicht für die oberste Geschossdecke (U höchstens 0,24) besteht fort.
Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Seit Sommer 2026 führt das GModG das GEG fort – die U-Wert-Höchstwerte der Anlage 7 bleiben bestehen.
Für die Förderung ist strenger: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) verlangt bei Einzelmaßnahmen für die Außenwand bereits U = 0,20 statt 0,24. Wer Förderung will, muss also dicker dämmen als das Gesetz mindestens verlangt – der daemmung-rechner zeigt dir beide Zielwerte. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den heizkosten-rechner heranziehen.
2027: keine Änderungen angekündigt. Zum Recherchestand (Oktober 2026) sind keine Verschärfungen der U-Wert-Anforderungen angekündigt.
Was sich 2027 fortsetzt: die Bio-Treppe bei Heizungen (steigende Anteile klimaneutraler Brennstoffe) – das erhöht den Wert jeder eingesparten Kilowattstunde, ändert aber nichts an der Dämmstärken-Rechnung selbst.
Beispielrechnung
Außenwand eines Einfamilienhauses, Baujahr 1975: 24 cm Mauerziegel, beidseitig Putz, bisher ungedämmt. Ziel: GEG-Anforderung U ≤ 0,24 mit Mineralwolle (λ = 0,035, WLG 035) erfüllen. Eigene Modellrechnung, Schritt für Schritt:
Bestand (ohne neue Dämmung): Schichten: Innenputz 1,5 cm (λ = 0,70), Mauerziegel 24 cm (λ = 0,50 – Rechenwert für älteres Ziegelmauerwerk), Außenputz 2 cm (λ = 0,87). R_schichten = 0,015/0,70 + 0,24/0,50 + 0,02/0,87 = 0,021 + 0,480 + 0,023 = 0,524 m²K/W.
R_T = 0,13 + 0,524 + 0,04 = 0,694 → U_alt = 1/0,694 = 1,44 W/(m²K). Typischer Altbau-Wert – und weit über den geforderten 0,24.
Nötige Dämmdicke (Rückwärtsrechnung): Ziel-U-Wert 0,24 → R_T,ziel = 1/0,24 = 4,167. Abzüglich Bestand und Übergangswiderstände: R_Dämmung,erf = 4,167 − 0,694 = 3,473 m²K/W. d_erf = λ × R = 0,035 × 3,473 = 0,1216 m → 12,2 cm.
Nächste handelsübliche Dicke: 14 cm (mit Reserve für Wärmebrücken und Putzaufbau eher 16 cm in der Praxis).
Kontrolle (vorwärts): 14 cm Mineralwolle: R = 0,14/0,035 = 4,00; R_T = 0,694 + 4,00 = 4,694 → U = 0,213 W/(m²K). Erfüllt die GEG-Anforderung (0,24) mit Reserve – und läge sogar nah am BEG-Förderwert von 0,20 (dafür wären 16 cm nötig: U = 0,196).
Heizleistungsvergleich: Bei 20 K Temperaturdifferenz und 100 m² Wandfläche sinkt der Wärmeverlust von 1,44 × 100 × 20 = 2.880 W auf 0,213 × 100 × 20 = 426 W – eine Einsparung von rund 2,45 kW Dauerleistung.
Typische Fehler
Lambda und U-Wert verwechseln. Der häufigste Fehler: "Mein Dämmstoff hat 0,035, also ist mein U-Wert 0,035." Falsch – Lambda beschreibt das Material pro Meter Dicke, der U-Wert das fertige Bauteil. Erst d/λ über alle Schichten plus Übergangswiderstände ergibt den U-Wert.
Die Übergangswiderstände vergessen. R_si (0,13) und R_se (0,04) wirken klein, machen aber bei dünnen Aufbauten bis zu 30 % des Gesamtwiderstands aus. Wer sie weglässt, rechnet den U-Wert systematisch zu gut.
Mit dem falschen Lambda-Wert rechnen. Hersteller werben mit Bestwerten (z. B. 0,032), die Rechenwerte nach DIN 4108-4 liegen oft höher (0,035–0,040). Für den Nachweis zählt der Rechenwert, nicht der Prospekt.
Nur die Dämmung betrachten, den Bestand ignorieren. Eine 24-cm-Ziegelwand bringt bereits R = 0,48 mit – das sind fast 15 % des Zielwiderstands. Wer den Bestand mit null ansetzt, dämmt dicker (und teurer) als nötig.
Wärmebrücken vergessen. Sparren, Dübel, Fensterlaibungen und Anschlüsse verschlechtern den realen U-Wert gegenüber der reinen Schichtrechnung. Die Faustformel-Rechnung ist eine Planungshilfe – der Energieberater rechnet die Wärmebrücken detailliert.
GEG-Wert mit Förder-Wert verwechseln. Das Gesetz verlangt für die Außenwand 0,24 – die BEG-Förderung aber 0,20. Wer nur auf 0,24 dämmt und dann Förderung beantragt, fällt durch. Immer zuerst klären: mit oder ohne Förderung? Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer kfw-foerderung-hausbau-rechner.
Sonderfälle und Ausnahmen
10-%-Regel und Bagatellgrenzen. Das GEG nimmt kleine Maßnahmen aus: Werden nicht mehr als 10 % der gesamten Außenwandfläche geändert, greift die U-Wert-Anforderung der Anlage 7 nicht.
Auch Putzreparaturen ohne Abschlagen des Altputzes sind keine "Erneuerung" im Sinne des Gesetzes.
Bestandsschutz für jüngere Bauten. Außenwände, die nach dem 31. Dezember 1983 unter Einhaltung energiesparrechtlicher Vorschriften errichtet oder erneuert wurden, sind von der Nachrüstpflicht ausgenommen – hier musst du bei kleinen Änderungen nicht auf 0,24 nachdämmen.
Innendämmung. Wenn Außendämmung nicht möglich ist (Denkmal, Grenzbebauung), bleibt die Innendämmung – bauphysikalisch anspruchsvoller wegen Tauwasser-Risiko (Dampfbremse bzw. kapillaraktive Systeme wie Kalziumsilikat nötig). Der U-Wert rechnet sich gleich, die Ausführung nicht.
Zwischensparrendämmung. Im Dach liegt die Dämmung zwischen den Sparren – die Sparren selbst sind Wärmebrücken und verschlechtern den U-Wert gegenüber der reinen Dämmstoff-Rechnung.
Faustregel: Der reale U-Wert liegt 10–20 % über dem reinen Schichtwert; eine zusätzliche Untersparrendämmung schließt die Lücke.
Kellerdecke von unten. Hier gelten R_se = 0,04 nicht – für Wärmestrom nach unten werden andere Übergangswiderstände angesetzt, und die GEG-Anforderung liegt bei 0,30 statt 0,24. Der Rechner unterscheidet die Bauteiltypen automatisch.
Feuchte Dämmstoffe dämmen schlechter. Der Lambda-Rechenwert gilt für trockene, fachgerecht verbaute Dämmung. Durchfeuchtete Dämmung (undichte Dampfbremse, Schlagregen) verliert massiv an Wirkung – ein weiterer Grund, warum die Ausführung mindestens so wichtig ist wie die Dicke.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Du weißt jetzt, welche Dämmstärke dein Bauteil auf den geforderten U-Wert bringt – und ob das Angebot deines Handwerkers dazu passt. Weicht das Angebot nach unten ab (z. B. 10 cm statt der errechneten 14 cm), frag nach: Wurde mit einem besseren Lambda-Wert gerechnet, oder unterschreitet das Angebot schlicht die Anforderung?
Der nächste Schritt: Kläre, ob du Förderung nutzen willst – dann plane gleich auf den BEG-Wert (Außenwand 0,20) statt nur auf den GEG-Mindestwert (0,24). Danach rechne die Wirtschaftlichkeit durch: Die Dämmstärke bestimmt die Kosten, die Kosten bestimmen die Amortisation.
Und beauftrage bei Innendämmung, Denkmal oder komplizierten Anschlüssen unbedingt einen Energieeffizienz-Experten – die U-Wert-Rechnung ist nur ein Baustein des Wärmeschutznachweises.