So funktioniert der Entnahmeplan-Rechner
Der Rechner kennt drei Rechenrichtungen – du wählst, was du wissen willst. Richtung eins: Du gibst Startkapital, Rendite, Laufzeit und gewünschtes Restkapital ein und erhältst die mögliche monatliche Entnahme.
Richtung zwei: Du gibst die Entnahme vor und erfährst, nach wie vielen Jahren und Monaten das Kapital aufgebraucht ist. Richtung drei: Du gibst alles vor und siehst, welches Restkapital am Ende übrig bleibt.
Die Eingaben im Detail: Startkapital (Euro), angenommene Rendite pro Jahr (Prozent, nach Kosten), monatliche Entnahme (Euro), Dynamik (jährliche Steigerung der Entnahme in Prozent – wichtig für den Inflationsausgleich), Laufzeit (Jahre), Ziel-Restkapital (Euro, null bedeutet vollständiger Verzehr) und die Entnahmeart: vorschüssig (zum Monatsanfang) oder nachschüssig (zum Monatsende). Der Unterschied klingt klein, summiert sich aber über Jahrzehnte.
Die Mathematik dahinter ist die Rentenrechnung: Bei nachschüssiger Entnahme ohne Dynamik gilt für das Endkapital nach n Jahren: Endkapital = Startkapital × (1 + i)^n − Entnahme_jährlich × ((1 + i)^n − 1) / i. Daraus leitet der Rechner je nach Fragestellung die Entnahme, die Laufzeit oder das Restkapital ab.
Mit Dynamik wird die Formel um den Wachstumsfaktor der Entnahme erweitert.
Was ändert sich 2026?
An der Steuer hat sich für Entnahmepläne 2026 nichts Grundlegendes geändert – und genau das ist die Nachricht: Kapitalerträge werden weiter pauschal mit 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (ggf. plus Kirchensteuer) besteuert; der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 Euro pro Person und Jahr (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung, § 20 Abs. 9 EStG). Stelle einen Freistellungsauftrag bei deiner Bank, sonst zieht sie die Steuer automatisch ab.
Frisch ist die Debatte um die Entnahmerate: Eine Studie von Retire Capital (September 2026, auf Basis von 75 Jahren Kapitalmarktgeschichte) zeigt, dass bei statischer Entnahme nach der bekannten 4-Prozent-Regel aus 300.000 Euro Startkapital über 35 Jahre im Schnitt rund 609.000 Euro entnommen werden können – und am Ende trotzdem über eine Million Euro übrig bleibt. Die Lehre: Wer stur 4 Prozent entnimmt, vererbt oft mehr als nötig und lebt sparsamer als möglich.
Dynamische Strategien, die die Entnahme an die Marktlage anpassen, nutzen das Kapital effizienter. Der Rechner zeigt dir beide Welten: stur oder flexibel.
Beispielrechnung
Ein durchgerechnetes Beispiel, Schritt für Schritt. Startkapital: 200.000 Euro. Angenommene Rendite: 4 Prozent pro Jahr. Entnahme: 12.000 Euro pro Jahr (1.000 Euro monatlich), nachschüssig, ohne Dynamik. Laufzeit: 20 Jahre. Die Frage: Wie viel bleibt übrig? Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Erst die Lücke schließen: Rentenlücke berechnen heranziehen.
Schritt 1: Aufzinsungsfaktor für 20 Jahre: 1,04^20 = 2,1911. Schritt 2: Das Kapital ohne Entnahmen wäre 200.000 € × 2,1911 = 438.224,59 €.
Schritt 3: Der Rentenbarwertfaktor: (2,1911 − 1) / 0,04 = 29,7781. Schritt 4: Der Verzehr durch Entnahmen: 12.000 € × 29,7781 = 357.336,72 €.
Schritt 5: Restkapital = 438.224,59 € − 357.336,72 € = 80.887,87 €.
Ergebnis: Nach 20 Jahren sind rund 80.888 Euro übrig – die Entnahmerate von 6 Prozent lag über der Rendite, trotzdem reicht das Kapital, weil der Verzehr langsam erfolgt. Genau diese Schrittfolge rechnet dir der Entnahmeplan-Rechner für deine eigenen Zahlen vor.
Zum Vergleich die ewige Rente: 200.000 € × 4 % = 8.000 € pro Jahr (667 € monatlich) lassen das Kapital unangetastet. Und der volle Verzehr: 200.000 € über 20 Jahre auf null verbrauchen erlaubt 14.716 € pro Jahr (1.226 € monatlich) – berechnet über die Rentenformel.
Typische Fehler
Der teuerste Fehler ist, die Rendite mit der Entnahmerate gleichzusetzen und die Inflation zu ignorieren. Vier Prozent nominale Rendite bei zwei Prozent Inflation sind real nur zwei Prozent – wer vier Prozent entnimmt, verzehrt Kapital, ohne es zu merken.
Zweitens: Steuern vergessen. Die Beispielrechnungen vieler Tools – auch die auf dieser Seite – rechnen zunächst ohne Steuern.
In der Realität mindert die Abgeltungsteuer deine Erträge Jahr für Jahr; plane sie ein oder nutze den Sparer-Pauschbetrag konsequent über Freistellungsaufträge.
Drittens: vorschüssig und nachschüssig verwechseln. Wer zum Monatsanfang entnimmt, entzieht dem Kapital einen Monat Zinseszins mehr – über 30 Jahre ein spürbarer Unterschied. Prüfe, was dein Anbieter tatsächlich tut.
Viertens: keine Dynamik einplanen. Eine starre Entnahme von 1.000 Euro ist in 20 Jahren deutlich weniger wert. Zwei Prozent Dynamik pro Jahr halten die Kaufkraft stabil – verkürzen aber die Laufzeit.
Fünftens: die Lebenserwartung unterschätzen. Mit 67 noch 25 Jahre zu planen ist keine Pessimismus-, sondern eine Wahrscheinlichkeitsfrage. Ein Entnahmeplan, der mit 85 auf null steht, ist mit 86 ein Problem.
Sechstens: die 4-Prozent-Regel als Garantie lesen. Sie stammt aus einer US-Studie zu einem anderen Markt und einer anderen Zeit – als Daumenregel nützlich, als Versprechen gefährlich.
Sonderfälle und Ausnahmen
Die ewige Rente ist der konservativste Sonderfall: Du entnimmst nur die Zinsen, das Kapital bleibt dauerhaft erhalten – ideal, wenn Vererben das Ziel ist. Die Formel ist simpel: Jahresentnahme = Kapital × Rendite. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Zinseszins-Wirkung verstehen.
Der Bankauszahlplan ist das starre Gegenstück: feste Laufzeit (typisch zehn oder 25 Jahre), dafür oft etwas höhere Verzinsung – aber du bist an die vereinbarte Laufzeit gebunden und weniger flexibel als mit einem Fondsentnahmeplan.
Steuerlich gibt es einen Sonderfall, den viele übersehen: Liegt dein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, kannst du über die Günstigerprüfung in der Steuererklärung die Abgeltungsteuer auf deinen Satz drücken. Und: Entnahmen selbst sind kein steuerlicher Vorgang – besteuert werden nur die Erträge (Zinsen, Dividenden, realisierte Kursgewinne), nicht die Rückzahlung deines eingesetzten Kapitals.
Bei der Dynamik gilt: Sie wirkt wie eine zweite Entnahme – jede Steigerung heute frisst überproportional Laufzeit morgen. Der Rechner zeigt dir diesen Zielkonflikt in Zahlen.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Der Entnahmeplan-Rechner gibt dir eine Zahl mit Datum: Entweder deine mögliche Monatsentnahme – oder den Monat, in dem dein Kapital aufgebraucht wäre. Beide Antworten sind Planungsgrundlagen, keine Prophezeiungen: Sie stehen und fallen mit deiner Renditeannahme.
Rechne deshalb immer zwei Szenarien: ein realistisches und ein vorsichtiges (ein bis zwei Prozentpunkte weniger Rendite).
Liegt deine gewünschte Entnahme über dem, was der Rechner als tragfähig ausweist, hast du drei ehrliche Optionen: länger arbeiten und mehr Kapital aufbauen, die Entnahme senken oder dynamisch entnehmen – in guten Börsenjahren mehr, in schlechten weniger. Was du nicht hast, ist die Option, die Mathematik zu ignorieren: Der Zinseszins arbeitet in der Entsparphase gegen dich, nicht für dich.
Und ein letzter praktischer Schritt: Verteile deinen Sparer-Pauschbetrag per Freistellungsauftrag auf deine Banken, bevor die Abgeltungsteuer automatisch abgezogen wird – das ist der einfachste Steuergewinn in der gesamten Entsparphase.