So funktioniert die Berechnung: der rentenluecke-rechner vom Bedarf zur Monatsrate
Der Rechner arbeitet in drei Schritten. Schritt eins: dein Bedarf.
Die ehrlichste Methode ist die Ausgabenmethode: Was gibst du heute aus, was davon fällt im Alter weg (z. B. Sparraten, berufsbedingte Kosten) und was kommt hinzu (mehr Freizeit, Gesundheit)? Wer das nicht aufschlüsseln will, nutzt die Faustregel: 80 % des heutigen Nettoeinkommens.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, mit 70 bis 80 % zu planen – nimm den oberen Wert, wenn du Wohneigentum noch abzahlst oder keine weiteren Einkünfte hast.
Schritt zwei: deine sicheren Einkünfte. Hier gehört die gesetzliche Rente netto hinein – also nach Abzug von Krankenversicherung (rund 8,75 % als Rentner), Pflegeversicherung (3,6 % mit Kind, 4,2 % ohne) und Einkommensteuer.
Rechne grob mit 70 bis 80 % des Bruttobetrags aus deiner Renteninformation. Dazu kommen weitere Einkünfte netto: Betriebsrente, private Renten, Mieteinnahmen.
Die Lücke ist dann:
Monatliche Rentenlücke = Bedarf − gesetzliche Rente (netto) − weitere Einkünfte (netto)
Schritt drei: von der Lücke zur Sparrate. Eine Monatslücke von 900 € sind 10.800 € im Jahr.
Bei einer Entnahmerate von 3,5 % brauchst du dafür ein Kapital von 10.800 € ÷ 0,035 = 308.571 €. Dieses Ziel übersetzt der Rechner mit der Rentenformel der Zinseszins-Mathematik in deine Monatsrate:
Monatsrate = Zielkapital × Monatszins ÷ ((1 + Monatszins)^Monate − 1)
Bei 32 Jahren Ansparzeit und 5 % Jahresrendite ergibt das 308.571 € × 0,004167 ÷ ((1,004167)^384 − 1) = rund 327 € im Monat. Diese Zahl ist der eigentliche Wert des Rechners – sie sagt dir, was heute zu tun ist.
Was ändert sich 2026 / 2027?
2026 steigen die Rechengrößen, mit denen deine Lücke kleiner oder größer wird: Der Rentenwert liegt seit Juli 2026 bei 42,52 €, das Durchschnittsentgelt bei 51.944 € – deine projizierte gesetzliche Rente rechnet der Rechner mit diesen aktuellen Werten. Neu 2026 ist die Aktivrente: Wer nach der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, kann bis zu 2.000 € monatlich steuerfrei hinzuverdienen – das kann deine Lücke im Übergang deutlich verkleinern, wenn du den Ruhestand hinauszögerst. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Schätze deine gesetzliche Rente als Basis heranziehen.
Für 2027 angekündigt, aber noch nicht endgültig beschlossen (Stand Oktober 2026): die Mütterrente III (mehr Entgeltpunkte für vor 1992 geborene Kinder) und die Rentenanpassung zum 1. Juli 2027 – beide erhöhen tendenziell deine gesetzliche Rente und damit sinkt die Lücke leicht. Das Rentenpaket II sichert außerdem die Haltelinie von 48 % Rentenniveau bis mindestens 2039 – eine Untergrenze, auf die du dich in der Planung verlassen kannst.
Unabhängig davon gilt: Die Lücke wird nicht kleiner, indem du wartest – sie wird kleiner, indem du früher anfängst.
Beispielrechnung: 900 € Lücke schließen
Rechnen wir eine typische Situation vollständig durch. Du bist 35, verdienst netto 3.000 €, gehst mit 67 in Rente (32 Jahre Ansparzeit).
Schritt 1 – Bedarf: 80 % von 3.000 € = 2.400 € netto im Monat.
Schritt 2 – sichere Einkünfte: Deine Renteninformation prognostiziert 1.900 € brutto. Netto bleiben davon nach Kranken-, Pflegeversicherung und Steuer rund 1.500 €. Weitere Einkünfte: keine.
Schritt 3 – Lücke: 2.400 € − 1.500 € = 900 € monatlich, also 10.800 € jährlich.
Schritt 4 – Kapitalbedarf: 10.800 € ÷ 0,035 = 308.571 €. So viel Vermögen musst du bis 67 aufgebaut haben (in heutiger Kaufkraft).
Schritt 5 – Monatsrate bei 5 % Rendite: 308.571 € × 0,004167 ÷ (1,004167^384 − 1) = 327 € pro Monat.
Schritt 6 – Sensitivität: Bei 7 % Rendite statt 5 % sinkt die Rate auf 216 € im Monat – über 110 € weniger für dieselbe Lücke. Startest du dagegen erst mit 45 (22 Jahre Zeit), brauchst du bei 5 % satte 612 € monatlich.
Die beiden größten Hebel deiner Altersvorsorge sind also nicht geheim: früh anfangen und die Rendite über die Anlageform steuern.
Typische Fehler
Fehler eins: Mit der Bruttorente planen. Die Renteninformation nennt brutto – nach Kranken-, Pflegeversicherung und Steuer bleiben 70 bis 80 %.
Wer mit brutto rechnet, unterschätzt seine Lücke um mehrere hundert Euro. Ein rentenluecke-rechner, der nur Bruttowerte vergleicht, lügt dich an.
Fehler zwei: Die 80-%-Regel blind übernehmen. Sie ist ein Startwert, kein Naturgesetz. Mit abbezahltem Eigenheim brauchst du weniger, als Single in der Großstadt mit Miete eher mehr. Nimm dir zehn Minuten für deine tatsächlichen Ausgaben.
Fehler drei: Inflation ignorieren. 900 € Lücke in heutiger Kaufkraft sind bei 2 % Inflation in 32 Jahren nominal rund 1.700 €. Der Rechner arbeitet deshalb konsequent in heutiger Kaufkraft – vergleiche Äpfel mit Äpfeln, nicht mit Birnen.
Fehler vier: Die Entnahmerate zu optimistisch wählen. 3,5 % pro Jahr ist die vorsichtige Seite; wer mit 5 % plant, riskiert, dass das Kapital vor dem Lebensende aufgebraucht ist. Plane die Entnahme mindestens bis 90. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Was ein früherer Rentenbeginn die Lücke kostet.
Fehler fünf: „Später spare ich mehr" als Strategie. Zehn Jahre späterer Start verdoppelt bei gleicher Rendite fast die nötige Monatsrate – siehe Beispielrechnung. Zeit ist der billigste Rohstoff der Vorsorge.
Fehler sechs: Weitere Einkünfte vergessen – in beide Richtungen. Betriebsrente und Mieten verkleinern die Lücke; vergiss aber auch nicht, dass Kapitaleinkünfte und Mieten selbst wieder Steuern kosten.
Sonderfälle und Ausnahmen
Selbstständige ohne gesetzliche Rente haben keine Renteninformation – ihre „Lücke" ist praktisch der volle Bedarf. Trage deine bereits erworbenen Ansprüche ein (z. B. aus früheren Angestelltenjahren) und plane den Rest privat.
Für freiwillig Versicherte gilt: Jeder eingezahlte Euro erhöht die gesetzliche Rente, konkurriert aber mit privater Anlage.
Beamte rechnen anders: Ihre Pension folgt eigenen Regeln (Ruhegehaltssatz je Dienstjahr), die Lücke entsteht hier eher durch Versorgungsabschläge oder Teilzeit. Nutze deine Versorgungsauskunft als Basis.
Paare sollten gemeinsam rechnen: Zwei Renten, ein Haushalt, ein Bedarf. Oft ist eine Lücke beim einen Partner durch Überschüsse beim anderen gedeckt – getrennt gerechnet überschätzt du den Sparbedarf.
Immobilienbesitzer haben einen doppelten Effekt: Abbezahltes Wohneigentum senkt den Bedarf (keine Miete), vermietete Objekte liefern Einkünfte. Rechne beides ein – aber vorsichtig: Mieteinnahmen sind steuerpflichtig und nicht garantiert.
Kurz vor der Rente (55+)? Dann ist die Ansparzeit kurz und die Monatsrate hoch. Alternativen: länger arbeiten (jedes zusätzliche Jahr senkt Lücke und erhöht Rente), Teilzeit-Übergang mit Aktivrente ab 2026 oder vorhandenes Vermögen umschichten statt neu sparen.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis sind zwei Zahlen, die dir der rentenluecke-rechner getrennt ausweist: die Lücke in Euro pro Monat und die Sparrate, die sie schließt. So nutzt du sie: Erstens, prüfe die Annahmen – vor allem Rendite und Entnahmerate.
Eine ehrliche 5 % ist mehr wert als eine erhoffte 8 %. Zweitens, automatisiere die Rate per Dauerauftrag direkt nach Gehaltseingang – was nicht da ist, wird nicht ausgegeben.
Drittens, wiederhole die Rechnung einmal im Jahr mit deiner neuen Renteninformation; Gehaltserhöhungen und Rentenanpassungen verändern die Lücke. Und viertens: Wenn die Rate unrealistisch hoch wirkt, justiere an den drei Stellschrauben – späterer Rentenbeginn, höherer Sparanteil durch Ausgabenkürzung oder renditestärkere Anlage.
Der Rechner zeigt dir für jede Variante sofort die neue Zahl.