GFR-Rechner: So funktioniert die Berechnung
Der Rechner nutzt drei etablierte medizinische Gleichungen — alle arbeiten mit deinem Serum-Kreatinin aus dem Blutbefund:
- CKD-EPI 2021 (Standard): 142 × min(Kreatinin/κ; 1)^α × max(Kreatinin/κ; 1)^−1,200 × 0,9938^Alter × 1,012 bei Frauen.
Dabei ist κ = 0,7 (Frauen) bzw. 0,9 (Männer) und α = −0,241 (Frauen) bzw. −0,302 (Männer). Die Fassung von 2021 wurde ohne den früheren Faktor für schwarze Hautfarbe neu berechnet — sie ist seit der KDIGO-Leitlinie 2024 der empfohlene Standard.
- CKD-EPI 2009 (Vergleichswert): 141 × min(Kreatinin/κ; 1)^α × max(Kreatinin/κ; 1)^−1,209 × 0,993^Alter × 1,018 bei Frauen (α = −0,329 bzw. −0,411).
Viele Labore haben jahrelang diese Fassung gemeldet; deshalb zeigt der Rechner beide Werte nebeneinander, damit du deinen Befund einordnen kannst. 3.
Kreatinin-Clearance nach Cockcroft-Gault: (140 − Alter) × Gewicht in kg ÷ (72 × Kreatinin), bei Frauen 15 % weniger (× 0,85). Das ist die ältere Schätzung in ml/min, die das Körpergewicht einbezieht und früher Standard für Medikamentendosierungen war.
Liegt dein Kreatinin in µmol/l vor (auf vielen deutschen Befunden), teilt der Rechner zuerst durch 88,4 — denn die Formeln brauchen mg/dl. Umgekehrt ergibt mg/dl mal 88,4 den Wert in µmol/l. Die eGFR wird auf ganze Zahlen gerundet und einer KDIGO-Kategorie zugeordnet.
Warum zeigt der Rechner zwei CKD-EPI-Gleichungen?
Die Gleichung von 2009 enthielt einen Korrekturfaktor für schwarze Hautfarbe. 2021 hat die CKD-EPI-Forschungsgruppe die Formel ohne diesen Faktor neu berechnet, und die KDIGO-Leitlinie von 2024 rät ausdrücklich, die Ethnie bei der eGFR nicht mehr zu verwenden. Bei Menschen ohne schwarze Hautfarbe führt die 2021er-Fassung zu einer leichten Überschätzung, die 2009er ist in dieser Gruppe etwas genauer — der Unterschied ist aber klein. Entscheidend für dich: Am Rand einer Kategorie kann die Fassung den Unterschied machen. Ein 70-jähriger Mann mit 1,25 mg/dl Kreatinin liegt nach 2021 bei 62 (G2), nach 2009 bei 58 (G3a). Wenn auf deinem Befund keine Jahreszahl steht, frag in der Praxis oder im Labor nach, welche Gleichung verwendet wurde.
Was ändert sich 2026 und 2027?
An den Formeln selbst ändert sich 2026 nichts — die CKD-EPI-Gleichungen sind medizinische Standards, keine Jahreswerte. Was sich ändert, ist die Praxis: Immer mehr Labore stellen auf die rassenfreie CKD-EPI-2021-Gleichung um (Vorgabe der KDIGO-Leitlinie 2024), sodass Befunde aus verschiedenen Jahren nicht immer direkt vergleichbar sind. Für 2027 ist mit der Fortsetzung dieser Umstellung zu rechnen. Dein Rechner bleibt aktuell, weil er beide Fassungen nebeneinander zeigt — so kannst du alte und neue Befunde trotzdem einordnen.
Beispielrechnung: Mann, 70 Jahre, Kreatinin 1,25 mg/dl
Ein 70-jähriger Mann (80 kg) hat laut Befund ein Kreatinin von 1,25 mg/dl (das sind 110,5 µmol/l). So rechnet der GFR-Rechner Schritt für Schritt:
CKD-EPI 2021: Kreatinin/κ = 1,25/0,9 = 1,389. min(1,389; 1) = 1 → fällt weg. max(1,389; 1)^−1,200 = 0,674. 0,9938^70 = 0,647. eGFR = 142 × 0,674 × 0,647 = 62 ml/min/1,73 m² → Kategorie G2 (leicht vermindert). Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Blutdruck-Rechner heranziehen.
CKD-EPI 2009: 1,389^−1,209 = 0,672; 0,993^70 = 0,612. eGFR = 141 × 0,672 × 0,612 = 58 ml/min/1,73 m² → Kategorie G3a (leicht bis mäßig vermindert).
Cockcroft-Gault: (140 − 70) × 80 ÷ (72 × 1,25) = 70 × 80 ÷ 90 = 62 ml/min.
Das Beispiel zeigt zweierlei: Die drei Verfahren liegen eng beieinander — und die Wahl der CKD-EPI-Fassung kann am Kategoriengrenze den Unterschied zwischen G2 und G3a ausmachen. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer BMI-Rechner.
Typische Fehler bei der GFR-Berechnung
- mg/dl und µmol/l verwechselt: Der häufigste Fehler überhaupt. 97 µmol/l sind 1,1 mg/dl — als mg/dl gelesen wäre derselbe Wert 88,4-mal so hoch. Prüfe immer zuerst die Einheit auf deinem Befund.
- Kreatinin mit Nierenfunktion gleichsetzen: Kreatinin entsteht im Muskel. Bei viel Muskelmasse, Kreatin-Präparaten oder sehr eiweißreicher Kost ist es höher, bei Muskelschwund oder Essstörungen niedriger — ohne dass sich die Nierenfunktion ändert. In solchen Fällen rät KDIGO zu Cystatin C oder einer gemessenen GFR.
- Bei akutem Nierenversagen rechnen: Alle Formeln setzen ein stabiles Kreatinin voraus. Steigt oder fällt der Wert gerade schnell, liefert die Schätzung keinen verlässlichen Wert.
- Cockcroft-Gault bei Übergewicht unkritisch übernehmen: Die Formel rechnet mit dem Körpergewicht — Ödeme oder Adipositas verfälschen das Ergebnis.
- G2 mit Nierenerkrankung verwechseln: 60–89 ml/min/1,73 m² (G2) ist bei älteren Menschen oft altersentsprechend. Eine chronische Nierenerkrankung liegt erst vor, wenn die GFR mindestens drei Monate unter 60 liegt oder Zeichen einer Nierenschädigung bestehen (z. B. Albumin im Urin ab 30 mg/g Kreatinin).
- Absolute und bezogene eGFR verwechseln: Die eGFR bezieht sich auf 1,73 m² Körperoberfläche. Für Medikamentendosierungen zählt oft die absolute Filterleistung des ganzen Körpers (EMA-Leitlinie): eGFR × eigene Körperoberfläche ÷ 1,73.
Sonderfälle und Ausnahmen
- Kinder und Jugendliche: Die CKD-EPI-Gleichungen wurden an Erwachsenen ab 18 Jahren entwickelt. Für unter 18-Jährige gelten eigene Gleichungen (z. B. Schwartz-Formel) — der Rechner ist für sie nicht geeignet.
- Schwangerschaft: Das Kreatinin sinkt durch die höhere Filtration der Nieren, und die Körperoberfläche verändert sich. Die Formeln geben die Nierenfunktion dann nicht zuverlässig wieder.
- Dialysepatienten: Bei Dialysepflicht ist die eGFR-Schätzung sinnlos — die Nierenfunktion ist praktisch aufgehoben (G5).
- Albuminurie als zweite Achse: Zur vollständigen KDIGO-Einteilung gehört neben der G-Kategorie die Albuminurie-Kategorie A1 bis A3. Der Rechner erfasst sie nicht — dein Arzt bezieht sie in die Diagnose ein.
- Sportler und Bodybuilder: Hohe Muskelmasse treibt das Kreatinin nach oben und lässt die eGFR zu niedrig erscheinen. Sprich mit deinem Arzt über eine Cystatin-C-Bestimmung.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Das Ergebnis ist eine Schätzung, keine Diagnose. So ordnest du es ein:
- G1 (≥90) oder G2 (60–89): In der Regel unauffällig — G2 allein ist ohne weitere Befunde keine Nierenerkrankung.
Behalte Risikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes) im Blick. 2.
G3a (45–59) oder niedriger: Sprich mit deinem Arzt. Entscheidend ist, ob der Wert stabil ist, wie er sich über Monate entwickelt und ob Albumin im Urin nachweisbar ist.
Verlauf statt Einzelwert: Ein einzelner eGFR-Wert sagt weniger als die Entwicklung über mehrere Messungen mit derselben Labor-Gleichung.
Medikamente prüfen: Viele Medikamente werden über die Niere ausgeschieden — bei eingeschränkter eGFR muss die Dosis oft angepasst werden.
Die Fachinformation deines Medikaments nennt die Grenze.
Dieser Rechner ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei auffälligen oder sich verschlechternden Werten wende dich an deine Hausarztpraxis oder einen Nephrologen.