So funktioniert der koerpergroesse-kind-rechner
Der Rechner braucht drei Angaben: die Körpergröße des Vaters, die Körpergröße der Mutter (jeweils in cm, morgens barfuß gemessen ist am genauesten) und das Geschlecht des Kindes. Daraus berechnet er in zwei Schritten die Prognose.
Schritt 1 – mittlere Elterngröße: (Vater + Mutter) ÷ 2. Das ist der genetische Mittelpunkt, von dem die Rechnung ausgeht.
Schritt 2 – Geschlechtskorrektur: Für einen Jungen werden 6,5 cm addiert, für ein Mädchen 6,5 cm subtrahiert. Der Unterschied von 13 cm entspricht dem durchschnittlichen Größenunterschied zwischen erwachsenen Männern und Frauen.
Diese Formel geht auf den britischen Kinderarzt James Tanner zurück und ist bis heute – bestätigt unter anderem durch eine Übersichtsarbeit von 2024 – die empfohlene Standardmethode der Kinderheilkunde zur Zielgrößenbestimmung.
Der entscheidende Teil, den die meisten Online-Rechner unterschlagen: der Zielgrößenbereich von ± 8,5 cm. Er bedeutet: Zwei Standardabweichungen umfassen rund 95 % aller Kinder – die Endgröße deines Kindes landet also mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit irgendwo in diesem 17-cm-Korridor.
Genau deshalb zeigt dir der koerpergroesse-kind-rechner nicht nur eine Zahl, sondern den Bereich: Zielgröße minus 8,5 cm bis Zielgröße plus 8,5 cm. Eine Punktprognose ohne Korridor wäre unseriös – niemand kann die Endgröße auf den Zentimeter vorhersagen.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Bei der Wachstumsprognose gibt es keine Gesetzeslage und keine Jahreswerte – die Tanner-Formel ist ein medizinischer Standard, kein Tarif. Sie gilt seit Jahrzehnten unverändert und wurde auch 2024 in der Fachliteratur erneut als empfohlene Praxis bestätigt.
Die deutsche Referenz für Wachstumsperzentilen – die KiGGS-Referenzperzentile des Robert Koch-Instituts von 2013 – ist weiterhin der Standard, mit dem Kinderärzte in Deutschland Wachstumskurven beurteilen. Bis Oktober 2026 ist weder eine neue Leitlinie zur Zielgrößenberechnung noch eine überarbeitete deutsche Wachstumsreferenz erschienen; das haben wir vor Veröffentlichung dieser Seite live geprüft.
Für 2027 ist keine Änderung angekündigt. Kurz: Die Methode ist stabil – diese Seite wird jährlich gegen den kinderärztlichen Standard geprüft, Stand: Oktober 2026.
Beispielrechnung
Familie Berger: Vater 182 cm, Mutter 168 cm, Sohn 6 Jahre alt.
Schritt 1: Mittlere Elterngröße = (182 + 168) ÷ 2 = 350 ÷ 2 = 175 cm.
Schritt 2: Junge → + 6,5 cm → Zielgröße = 181,5 cm.
Schritt 3: Zielgrößenbereich = 181,5 ± 8,5 → 173 cm bis 190 cm. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den BMI-Kinder-Rechner: Gewicht deines Kindes einordnen heranziehen.
Für eine Tochter derselben Eltern läge die Zielgröße bei 175 − 6,5 = 168,5 cm, der Bereich bei 160 bis 177 cm.
Was heißt das jetzt für den 6-jährigen Sohn? Seine aktuelle Größe trägt der Kinderarzt bei den U-Untersuchungen in die Wachstumskurve im gelben Heft ein – und diese Kurve sollte langfristig in Richtung des Zielgrößenkorridors zeigen.
Liegt der Junge mit 6 Jahren auf der 50. Perzentile (also genau im Durchschnitt Gleichaltriger), passt das zur Zielgröße 181,5 cm.
Wächst er dauerhaft deutlich ober- oder unterhalb seines Korridors, ist das ein Grund für den Kinderarzt, genauer hinzuschauen – nicht für Panik, aber für eine ärztliche Wachstumskontrolle.
Typische Fehler
Die Zielgröße als Garantie lesen. Die häufigste Fehldeutung: „Der Rechner sagt 181,5 cm, also wird er 181,5 cm." Nein – der Korridor von ± 8,5 cm ist die eigentliche Aussage. Alles zwischen 173 und 190 cm wäre bei unserem Beispiel völlig normal.
Nur eine Elterngröße kennen und raten. Die Formel braucht beide Eltern. Schätzungen („er ist ungefähr 1,80") verzerren das Ergebnis um genau die Zentimeter, die du falsch schätzt – miss im Zweifel nach, am besten morgens.
Die Pubertät vergessen. Der Zeitpunkt der Pubertät verschiebt das Wachstum um Jahre: Frühentwickler sind mit 12 die Größten und mit 18 Durchschnitt, Spätentwickler umgekehrt. Die Tanner-Formel kennt nur die Endgröße, nicht den Weg dorthin.
Perzentilen als Schulnoten missverstehen. Die 25. Perzentile ist kein „Mangelhaft" – sie heißt nur: 25 % der Gleichaltrigen sind kleiner, 75 % größer. Entscheidend ist nicht die einzelne Perzentile, sondern ob dein Kind seiner Kurve treu bleibt.
Babys mit der gleichen Sicherheit beurteilen wie Schulkinder.
Die Formel funktioniert in jedem Alter gleich – aber je jünger das Kind, desto länger der Weg und desto größer der Einfluss von Ernährung, Gesundheit und Pubertätszeitpunkt. Bei Babys ist die Prognose am unsichersten.
Sonderfälle / Ausnahmen
Sehr unterschiedliche Elterngrößen: Bei großem Größenunterschied der Eltern (z. B. Vater 195 cm, Mutter 160 cm) wird der Korridor in der Praxis eher breiter gelebt – die Genetik „mischt" sich nicht immer exakt in der Mitte. Die Formel bleibt der beste Schätzer, aber nimm den Bereich besonders ernst.
Adoptiv- und Pflegekinder: Ohne Kenntnis der leiblichen Elterngrößen ist die Tanner-Formel nicht anwendbar. Hier zählt allein die individuelle Wachstumskurve beim Kinderarzt – und die ist für die Beurteilung sogar wichtiger als jede Formel. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Alter-Rechner: exaktes Alter deines Kindes.
Chronische Erkrankungen oder Medikamente: Bestimmte Erkrankungen (z. B. der Schilddrüse, Darmerkrankungen) und Medikamente (z. B. Kortison über lange Zeit) können das Wachstum bremsen. Dann gehört die Prognose in ärztliche Hände – der Rechner kann das nicht berücksichtigen.
Frühgeborene: In den ersten zwei bis drei Lebensjahren werden Frühgeborene nach dem korrigierten Alter (errechneter statt tatsächlicher Geburtstermin) beurteilt. Erst danach gleicht sich die Kurve meist an.
Der ärztliche Weg – Knochenalter: Will es der Kinderarzt genau wissen, bestimmt er das Knochenalter per Röntgen der linken Hand (Greulich-Pyle-Methode) und rechnet daraus die prospektive Endgröße. Das ist die präziseste Methode überhaupt – aber eine ärztliche Untersuchung, kein Online-Tool.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis besteht aus zwei Zahlen: der Zielgröße und dem Zielgrößenbereich. Der koerpergroesse-kind-rechner gibt dir beide an die Hand – nutze sie so: Die Zielgröße ist dein Orientierungspunkt („in diese Richtung geht es vermutlich"), der Bereich ist dein Beruhigungskorridor („alles hier drin ist normal").
Vergleiche die aktuelle Größe deines Kindes nicht mit der Zielgröße direkt, sondern mit den Perzentilenkurven – in Deutschland sind das die KiGGS-Referenzperzentile des Robert Koch-Instituts, die dein Kinderarzt im gelben Heft verwendet.
Handlungsbedarf besteht, wenn dein Kind seine Perzentile deutlich verlässt – also über längere Zeit mehr als zwei Perzentilenlinien nach oben oder unten kreuzt –, wenn es unterhalb der 3. oder oberhalb der 97. Perzentile liegt, oder wenn das Wachstum plötzlich stagniert.
Das sind die klassischen kinderärztlichen Warnzeichen, keine Rechner-Alarme. In allen anderen Fällen heißt das Ergebnis schlicht: weiter beobachten, bei den U-Untersuchungen eintragen lassen – und sich an der Kurve freuen statt an einer einzelnen Zahl zu zweifeln.
Und wenn dich das Ergebnis beunruhigt, ist der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner, nicht das Internet.