So liest du die vpi-tabelle richtig
Die Tabelle zeigt zwei Spalten pro Jahr: den Indexstand (2020 = 100) und die Jahresveränderungsrate. Der Indexstand sagt, wie viel teurer der Warenkorb gegenüber dem Basisjahr 2020 ist; die Jahresrate sagt, um wie viel Prozent die Preise gegenüber dem Vorjahr gestiegen sind.
| Jahr | VPI (2020 = 100) | Jahresrate |
|---|---|---|
| 2021 | 103,1 | 3,1 % |
| 2022 | 110,2 | 6,9 % |
| 2023 | 116,7 | 5,9 % |
| 2024 | 119,3 | 2,2 % |
| 2025 | 121,9 | 2,2 % |
Aktueller Monatswert: September 2026: 126,6 Punkte (+3,3 % gegenüber September 2025, endgültig) – veröffentlicht am 13. Oktober 2026.
Drei Lese-Regeln, die fast alle falsch machen: Erstens sind Indexpunkte keine Prozent – der Anstieg von 121,9 auf 126,6 sind 4,7 Punkte, aber 3,9 Prozent. Zweitens ist eine Monatsrate (September 2026: +3,3 % zum Vorjahresmonat) etwas anderes als eine Jahresdurchschnittsrate (2025: 2,2 %).
Drittens veröffentlicht Destatis jeden Monatswert zunächst vorläufig und rund zwei Wochen später endgültig – für Verträge zählt immer der endgültige Wert. Das Basisjahr 2020 ist per Definition 100,0; das Wägungsschema (welche Güter wie stark zählen) aktualisiert Destatis etwa alle fünf Jahre. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Kaufkraft deines Geldes interaktiv berechnen heranziehen.
Was ändert sich 2026 / 2027?
2026 bringt einen spürbaren Wiederanstieg: Nach zwei Jahren mit je 2,2 Prozent im Jahresdurchschnitt liegt die Teuerung im September 2026 bei 3,3 Prozent (endgültig). Treiber sind laut Destatis-Sondergliederungen vor allem Dienstleistungen und Nahrungsmittel, während Energie 2026 dämpfend wirkt – das siehst du auch an der Kerninflation (ohne Nahrungsmittel und Energie), die 2025 bei 2,8 Prozent lag und damit über der Gesamtjahresrate.
Für 2027 gilt: Der endgültige Jahresdurchschnitt 2026 steht erst Anfang 2027 fest (Veröffentlichung durch Destatis, Stand Oktober 2026: noch ausstehend). Das Basisjahr bleibt 2020; eine Umbasierung ist nicht angekündigt.
Diese Seite wird mit jedem neuen Destatis-Monatswert aktualisiert – schau bei Vertragsangelegenheiten immer auf das Veröffentlichungsdatum oben.
Beispielrechnung: Inflation zwischen zwei Jahren selbst berechnen
Du brauchst nur zwei Tabellenwerte und diese Formel:
Inflationsrate = (VPI Zieljahr / VPI Startjahr − 1) × 100
Beispiel 2021 → 2025: (121,9 / 103,1 − 1) × 100 = 18,2 Prozent. Das heißt: Was 2021 noch 1.000 Euro kostete, kostet 2025 rund 1.182 Euro – oder andersherum: 1.000 Euro aus dem Jahr 2021 haben 2025 nur noch eine Kaufkraft von etwa 846 Euro (1.000 / 1,182). Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Währungen zum aktuellen Kurs umrechnen.
Zweites Beispiel, 2022 → 2025: (121,9 / 110,2 − 1) × 100 = 10,6 Prozent. Diese Rechnung kannst du mit jeder Zeile der vpi-tabelle wiederholen – für Gehaltsverhandlungen ("Mein Lohn müsste seit 2021 um 18,2 Prozent gestiegen sein, um die Kaufkraft zu halten"), für Indexmieten oder einfach, um alte Preise ehrlich mit heutigen zu vergleichen.
Typische Fehler im Umgang mit dem Verbraucherpreisindex
- Monatsrate mit Jahresrate verwechseln.
Die +3,3 % vom September 2026 beziehen sich auf den Vorjahresmonat – der Jahresdurchschnitt 2026 wird ein anderer Wert sein. 2.
Vorläufige Werte für Verträge nutzen. Destatis revidiert jeden Monatswert nach etwa zwei Wochen.
Für Wertsicherungsklauseln zählt ausschließlich der endgültige Wert. 3.
Indexpunkte mit Prozent gleichsetzen. 126,6 minus 121,9 sind 4,7 Punkte, aber (126,6 / 121,9 − 1) × 100 = 3,9 Prozent.
Nur die Formel zählt. 4.
Alte Basisjahre mischen. Werte auf Basis 2015 = 100 lassen sich nicht direkt mit der aktuellen 2020er-Tabelle vergleichen – sie wurden umbasiert.
- VPI mit HVPI verwechseln.
Das 2-Prozent-Ziel der EZB bezieht sich auf den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), nicht auf den nationalen VPI – die Werte unterscheiden sich leicht. 6.
Kerninflation ignorieren. Die Gesamtjahresrate 2025 (2,2 %) verdeckt, dass die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel bei 2,8 % lag – für deinen Alltag oft die ehrlichere Zahl.
Sonderfälle und Ausnahmen
- Deine persönliche Inflationsrate: Der amtliche Warenkorb spiegelt einen Durchschnittshaushalt. Wer viel Auto fährt oder wenig heizt, spürt eine andere Teuerung – deine gefühlte Inflation darf vom VPI abweichen.
- Regionale Unterschiede: Der VPI gilt bundesweit. Mieten in München entwickeln sich anders als in der Uckermark; regionale Preisindizes veröffentlicht Destatis nur für Länder.
- Indexierte Verträge: Indexmieten, manche Betriebsrenten und Unterhaltsvereinbarungen sind per Wertsicherungsklausel an den VPI gekoppelt – hier entscheidet der exakte Tabellenwert über reale Euro-Beträge.
- Negative Raten (Deflation): Einzelne Gütergruppen können fallen, während der Gesamtindex steigt – Energie lag 2024 bei −3,2 % und 2025 bei −2,4 %, der Gesamtindex trotzdem bei +2,2 %.
- Basisjahrwechsel: Bei der nächsten Umbasierung werden alle historischen Werte umgerechnet; alte Tabellen auf alter Basis verlieren dann ihre direkte Vergleichbarkeit.
- VPI vs. gefühlte Inflation: Häufig gekaufte Güter (Lebensmittel, Tanken) prägen das Gefühl stärker als seltene Käufe – die vpi-tabelle auf dieser Seite nutzt durchgehend die aktuelle Basis 2020 und die endgültigen Destatis-Werte, damit du mit belastbaren Zahlen arbeitest.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Rechne deine wichtigsten Zahlen gegen die Tabelle: Ist dein Bruttolohn seit 2021 um weniger als 18,2 Prozent gestiegen, hast du real Kaufkraft verloren – ein starkes Argument für die nächste Gehaltsverhandlung. Ein konkretes Beispiel: Verdienst du heute 3.500 Euro brutto und hast 2021 noch 3.200 Euro verdient, sieht das nach einem Plus von 9,4 Prozent aus.
Die Jahrestabelle zeigt aber, dass die Preise im selben Zeitraum um 18,2 Prozent gestiegen sind – real hast du also Kaufkraft verloren, obwohl die Zahl auf deiner Gehaltsabrechnung gewachsen ist. Genau für solche Ehrlichkeitschecks ist die Übersicht da: Sie verwandelt nominale Beträge in vergleichbare reale Größen und schützt dich davor, dich von steigenden Zahlen blenden zu lassen.
Prüfe bei Geldanlagen außerdem die reale Rendite: 3 Prozent Sparzins bei 3,3 Prozent Inflation bedeuten ein reales Minus. Und wenn dein Mietvertrag eine Indexklausel enthält, kontrolliere anhand des endgültigen Monatswerts, ob die geforderte Erhöhung stimmt.
Für die laufende Kaufkraft-Beobachtung deines Geldes nutze ergänzend unseren Inflationsrechner – die Tabelle hier liefert dir die amtlichen Grundlagen dafür.