So funktioniert der Gehaltserhoehung-Rechner
Du gibst zwei Zahlen ein: dein Bruttogehalt vor und nach der Erhöhung. Der Rechner ermittelt daraus drei Dinge – und genau diese Dreiteilung verstehen die meisten falsch.
Das Brutto-Plus. Einfach die Differenz: neues Brutto minus altes Brutto. Bei 3.000 € → 4.000 € sind das 1.000 €. Diese Zahl steht im Arbeitsvertrag – und sie ist die einzige, über die die meisten verhandeln.
Der Sozialabgaben-Anteil am Plus.
Sozialabgaben sind proportional: Auf jeden zusätzlichen Euro fallen dieselben Prozentsätze an wie auf den Rest – solange du unter den Beitragsbemessungsgrenzen bleibst. Für einen kinderlosen 30-Jährigen mit durchschnittlichem Krankenkassen-Zusatzbeitrag (2,9 %) sind das: 9,3 % Rentenversicherung + 1,3 % Arbeitslosenversicherung + 8,75 % Krankenversicherung (7,3 % + 1,45 %) + 2,4 % Pflegeversicherung = 21,75 % auf das Plus.
Von 1.000 € Erhöhung gehen also 217,50 € direkt an die Sozialversicherung – unabhängig von Steuerklasse oder Familienstand.
- Das Lohnsteuer-Plus – hier schlägt die kalte Progression zu.
Die Lohnsteuer folgt dem progressiven Tarif nach § 32a EStG: Je höher dein Einkommen, desto höher der Steuersatz auf den nächsten Euro. Dein Durchschnittssteuersatz (Steuer geteilt durch Einkommen) ist deshalb immer niedriger als dein Grenzsteuersatz (Steuer auf den nächsten Euro).
Der Rechner wendet den BMF-Programmablaufplan 2026 auf beide Gehälter an und bildet die Differenz – das ist der Steueranteil deines Plus.
Ergebnis: Netto-Plus in Euro pro Monat und Jahr, dazu die Abgabenquote auf das Plus (Abzüge geteilt durch Brutto-Plus). Diese Quote ist die ehrlichste Zahl der ganzen Verhandlung.
Was ändert sich 2026?
Der Grundfreibetrag dämpft die Progression am unteren Ende. Mit 12.348 € im Jahr bleiben 2026 mehr Euro steuerfrei als je zuvor – das mildert die kalte Progression gerade bei kleinen Erhöhungen im unteren Einkommensbereich.
Eine Erhöhung von 2.000 € auf 2.300 € wird dadurch spürbar sanfter besteuert als noch vor einigen Jahren.
Die Beitragsbemessungsgrenzen steigen – Achtung an der Kante. Kranken- und Pflegeversicherung: Beiträge bis 69.750 € im Jahr (5.812,50 € im Monat).
Renten- und Arbeitslosenversicherung: bis 101.400 € im Jahr (8.450 € im Monat). Liegst du mit deinem alten Gehalt knapp unter einer Grenze und rutscht das Plus darüber, zahlst du auf den darüberliegenden Teil keine Sozialabgaben mehr – dein Netto-Plus fällt dann überproportional gut aus.
Umgekehrt: Wer schon über den Grenzen liegt, zahlt auf das gesamte Plus nur Lohnsteuer, keine SV – auch das verändert die Quote. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den brutto-netto-rechner heranziehen.
Mindestlohn und Midijob. Der Mindestlohn von 13,90 € pro Stunde und die Midijob-Obergrenze von 2.000 € im Monat (Geringfügigkeitsgrenze: 603 €) bestimmen, in welcher Abgabenwelt deine Erhöhung stattfindet.
Eine Erhöhung, die dich aus dem Midijob in die reguläre Versicherungspflicht hebt, verändert deine Abzüge sprunghaft – rechne diesen Fall unbedingt separat.
Beispielrechnung: 3.000 € → 4.000 € brutto (Steuerklasse I, 2026)
Annahmen: Steuerklasse I, keine Kirchensteuer, kinderlos, 30 Jahre, gesetzlich versichert mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag (2,9 %). Die Netto-Werte stammen aus PAP-basierten Brutto-Netto-Rechnern (3.000 € → 2.054,42 € netto; 4.000 € → 2.606 € netto); alle Differenzen sind daraus eigene Rechnung.
| Position | Vorher (3.000 €) | Nachher (4.000 €) | Plus |
|---|---|---|---|
| Bruttogehalt/Monat | 3.000,00 € | 4.000,00 € | +1.000,00 € |
| Sozialabgaben (AN) | −652,50 € | −870,00 € | −217,50 € |
| Lohnsteuer (PAP 2026) | −293,08 € | −524,00 € | −230,92 € |
| Nettogehalt/Monat | 2.054,42 € | 2.606,00 € | +551,58 € |
Die kalte Progression in Zahlen: Dein Durchschnittssteuersatz (nur Lohnsteuer) bei 3.000 € beträgt 293,08 ÷ 3.000 = 9,8 %. Aber auf die zusätzlichen 1.000 € zahlst du 230,92 € Lohnsteuer – das ist ein Grenzsteuersatz von 23,1 %.
Der zusätzlich verdiente Euro wird also mehr als doppelt so hart besteuert wie dein Durchschnittseuro. Zusammen mit den 21,75 % Sozialabgaben ergibt das eine Abgabenquote von 44,8 % auf das Plus.
Pro Jahr bedeutet die Erhöhung 12.000 € mehr brutto – und 6.618,96 € mehr netto. Das ist die Zahl, mit der du verhandeln solltest, nicht die 12.000 €.
Faustregel zum Mitnehmen: Von einer Gehaltserhöhung bleiben je nach Einkommen und Steuerklasse etwa 50–60 % netto übrig – bei höheren Einkommen eher weniger, bei kleinen Erhöhungen im unteren Bereich eher mehr. Die oft zitierten 30–45 % Abzüge auf das Plus treffen es ziemlich genau: In unserem Beispiel sind es 44,8 %.
Typische Fehler bei der Gehaltserhöhung
- Brutto-Plus mit Netto-Plus verwechseln.
„1.000 € mehr" klingt nach viel – 551,58 € mehr netto ist die Realität. Gib immer beide Zahlen in den Gehaltserhoehung-Rechner ein und vergleiche, bevor du jubelst oder ablehnst.
- In Prozent statt in Euro verhandeln.
5 % mehr klingt gut – bei 2.400 € sind das 120 € brutto, also vielleicht 65 € netto. Bei 6.000 € sind 3 % (180 € brutto) mehr wert als 5 % bei 2.400 €.
Verhandle immer auch die Euro-Zahl. 3.
Einmalzahlung und dauerhafte Erhöhung vermischen. Ein Bonus von 3.000 € ist nett, aber nächstes Jahr wieder weg.
Eine dauerhafte Erhöhung um 250 € im Monat bringt dasselbe – und steigt mit jeder künftigen prozentualen Erhöhung mit. Rechne Boni immer aufs Jahr um.
- Die Steuerklasse vergessen.
In Steuerklasse V bleibt von derselben Erhöhung deutlich weniger netto übrig als in III. Paare sollten Erhöhungen immer mit ihrer tatsächlichen Steuerklassen-Kombination durchrechnen, nicht mit Klasse I.
- Wechselwirkungen mit Leistungen ignorieren.
Manche staatliche Leistungen und Zuschüsse haben Einkommensgrenzen – eine kleine Erhöhung kann dort Kürzungen auslösen, die das Netto-Plus auffressen. Prüfe das vor der Unterschrift, nicht danach.
- Nur aufs Gehalt schauen.
Manchmal bringt eine Alternative mehr als das Brutto-Plus: ein Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge (senkt dein steuerpflichtiges Einkommen), steuerfreie Sachbezüge, zwei zusätzliche Urlaubstage oder ein Fahrtkostenzuschuss. Diese Bausteine werden oft schwächer besteuert als bares Gehalt – oder gar nicht.
Sonderfälle: Wenn die Erhöhung anders wirkt als gedacht
Sprung über die Beitragsbemessungsgrenze. Verdienst du 8.300 € und die Erhöhung bringt dich über 8.450 € (RV/AV-Grenze 2026), zahlst du auf den Teil über der Grenze keine Renten- und Arbeitslosenbeiträge mehr.
Dein Netto-Plus fällt dann besser aus als die Faustregel vermuten lässt – ein seltener Fall, in dem sich Rechnen doppelt lohnt.
Vom Midijob in die reguläre Beschäftigung. Steigt dein Gehalt von 1.900 € auf 2.100 €, verlässt du den Übergangsbereich (bis 2.000 €) mit seinen reduzierten Arbeitnehmerbeiträgen.
Die Abzüge springen überproportional – rechne diesen Übergang separat durch, damit dich die erste Abrechnung nicht überrascht.
Erhöhung plus Steuerklassenwechsel. Heiratest du oder ändert sich eure Steuerklassen-Kombination (etwa von IV/IV auf III/V), überlagern sich zwei Effekte. Rechne erst die Erhöhung mit der alten Klasse, dann mit der neuen – sonst weißt du nie, welcher Effekt was bewirkt hat.
Rückwirkende Erhöhung. Wird die Erhöhung rückwirkend gezahlt, kommt die Nachzahlung als Einmalbetrag – und wird lohnsteuerlich anders behandelt als laufender Lohn. Im Auszahlungsmonat wirken die Abzüge höher; die endgültige Abrechnung erfolgt mit der Steuererklärung.
Bonus statt Festgehalt. Tantiemen und Boni gelten als sonstige Bezüge und werden nach besonderen Regeln abgerechnet.
Faustregel: Vom Bonus bleibt prozentual etwas weniger netto übrig als von einer gleich hohen dauerhaften Gehaltserhöhung – dafür ist er flexibel und gefährdet keine Gehaltsstruktur. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer gehaltsvergleich-rechner.
Erhöhung während Elternzeit oder Teilzeit. Hier zählen nicht nur Steuern und Abgaben, sondern auch die Bemessung einkommensabhängiger Leistungen.
Eine Erhöhung kurz vor oder während der Elternzeit kann sich auf die Leistungshöhe auswirken – informiere dich vorher, statt hinterher zu rechnen.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Das Netto-Plus ist deine Verhandlungswährung. Wenn dir der Gehaltserhoehung-Rechner zeigt, dass von 500 € mehr brutto nur etwa 275 € netto übrig bleiben, dann verhandle nicht um „500 € mehr Gehalt", sondern formuliere dein Ziel netto: „Ich brauche 300 € mehr im Monat auf dem Konto." Das zwingt beide Seiten, ehrlich zu rechnen – und oft stellt sich heraus, dass der Arbeitgeber beim Brutto weiter gehen muss, als er dachte.
Drei Strategien, wenn das Brutto-Plus nicht reicht:
- Steuer- und abgabenfreie Bausteine fordern.
Arbeitgeberzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge, steuerfreie Sachbezüge, Fahrtkostenzuschuss oder Jobticket: Diese Leistungen kosten den Arbeitgeber oft weniger als ein gleichwertiges Brutto-Plus – und bei dir kommt mehr an, weil sie schwächer oder gar nicht besteuert werden.
Zeit statt Geld. Zwei zusätzliche Urlaubstage, ein Homeoffice-Tag pro Woche oder eine Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt: Rechne den Wert aus (ein Urlaubstag ≈ Monatsbrutto ÷ 21,75) und vergleiche ihn mit dem Netto-Plus. Oft ist Zeit die bessere Erhöhung.
Den Zeitpunkt nutzen.
Erhöhungen zum Jahresanfang wirken zwölf Monate, Erhöhungen im Juli nur sechs. Und: Eine moderate Erhöhung jetzt plus eine schriftlich zugesagte Überprüfung in sechs Monaten schlägt oft eine einzelne größere Erhöhung, die dann drei Jahre festgeschrieben ist.
Alles schriftlich. Mündliche Zusagen („nächstes Jahr schauen wir nochmal") sind keine Gehaltserhöhung. Lass Betrag, Wirksamkeitsdatum und eventuelle Folgeüberprüfung schriftlich festhalten – am besten als Nachtrag zum Arbeitsvertrag.