So funktioniert die Berechnung
Der Rechner arbeitet in vier Schritten – „So berechnen wir":
Schritt 1: Auslegungsleistung in kW. Ausgangspunkt ist die Heizlast deines Gebäudes in Kilowatt.
Kennst du sie nicht, hilft dir der Heizlast-Rechner weiter; grob gilt: Ein saniertes Einfamilienhaus braucht oft 30–60 W/m², ein unsanierter Altbau deutlich mehr. Dazu addiert der Rechner den Warmwasser-Zuschlag: 2 W/m² Energiebezugsfläche im Einfamilienhaus, 3 W/m² im Mehrfamilienhaus (Richtwerte aus dem Schweizer WP-System-Modul für die Dimensionierung).
Die Summe ist die Leistung, die deine Wärmepumpe im Auslegungsfall liefern muss.
Schritt 2: Jahresarbeitszahl schätzen. Die JAZ ist das Verhältnis von gelieferter Wärmemenge zu verbrauchtem Strom über ein ganzes Jahr.
Sie hängt vor allem von zwei Dingen ab: der Wärmequelle und der Vorlauftemperatur. Typische Praxisspannen: Luft/Wasser-Wärmepumpen erreichen etwa 3,0, Erdwärmepumpen mit Sonde 3,5 bis 4,0 und Grundwasser-Wärmepumpen 4,0 bis 5,0 (Energieinstitut Vorarlberg).
Wichtig: Der COP aus dem Datenblatt ist ein Laborwert nach EN 14511 bei festen Prüfpunkten – die JAZ ist das, was in deinem Haus über das Jahr wirklich ankommt, und sie liegt fast immer unter dem Prospekt-COP.
Schritt 3: Strombedarf und Wärmepreis. Jahresstrombedarf = Jahreswärmebedarf geteilt durch JAZ.
Bei 14.000 kWh Wärmebedarf und einer JAZ von 3,5 sind das 4.000 kWh Strom. Dein effektiver Wärmepreis = Strompreis geteilt durch JAZ: Bei 32 Cent Strompreis und JAZ 3,5 zahlst du gut 9 Cent pro Kilowattstunde Wärme – das ist die Zahl, mit der du Gas oder Öl ehrlich vergleichen kannst. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Heizlast berechnen heranziehen.
Schritt 4: Bivalenzpunkt und Heizstabanteil. Unterhalb des Bivalenzpunkts schafft die Wärmepumpe die nötige Leistung oder Temperatur nicht mehr allein, dann heizt ein elektrischer Heizstab zu (Betriebsweise „monoenergetisch").
Je höher deine nötige Vorlauftemperatur, desto früher – also bei milderen Außentemperaturen – ist dieser Punkt erreicht. Der Rechner schätzt daraus den Heizstabanteil an der Jahresarbeit: Er ist der teuerste Strom im ganzen System, weil der Heizstab mit JAZ 1,0 arbeitet.
Was ändert sich 2026 / 2027?
BEG-Förderung seit 21. Juli 2026: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude wurde neu aufgestellt. Aktuell gelten: 30 % Grundförderung auf den Heizungstausch im Bestand, 16 % Klimageschwindigkeitsbonus für selbstnutzende Eigentümer beim Ersatz einer funktionstüchtigen Öl-, Kohle-, Gasetagen-, Nachtspeicher- oder mindestens 20 Jahre alten Gas- bzw. Biomasseheizung, dazu ein gestaffelter Einkommensbonus von bis zu 40 %.
Insgesamt sind maximal 80 % der förderfähigen Kosten drin, der Kostendeckel liegt bei 28.000 Euro für die erste Wohneinheit (KfW-Programm 458).
Ab 1. Februar 2027 sinkt die Förderung schrittweise: Der Klimageschwindigkeitsbonus fällt halbjährlich um 4 Prozentpunkte (12 % → 8 % → 4 % → 0 % ab 1. August 2028), und der Förderhöchstbetrag sinkt halbjährlich um 750 Euro (27.250 € → 26.500 € → 25.750 € → 25.000 €, bis 22.000 € Ende 2030). Ab dem ersten Quartal 2027 kommt ein Wertschöpfungsbonus von 15 % für in der EU gefertigte Wärmepumpen dazu – für Geräte von außerhalb der EU sinkt die Grundförderung gleichzeitig auf 15 %.
Grün-zu-Grün wird ab 2027 stark gekürzt: Wer eine bestehende Wärmepumpe-, Pellet- oder Stückholzheizung ersetzen will, bekommt ab 2027 nur noch Förderung, wenn die Altanlage vor dem 1. Januar 2008 eingebaut wurde – und dann werden nur 25 % der Gesamtkosten als förderfähige Ausgaben angesetzt. Seit dem 21. Juli 2026 entfallen außerdem der Effizienzbonus für Wärmepumpen und der Emissionsminderungszuschlag ersatzlos.
GEG bleibt: Die 65-%-EE-Pflicht des Gebäudeenergiegesetzes für neue Heizungen gilt weiter – umso wichtiger ist eine saubere Auslegung, weil die Wärmepumpe die Hauptlast tragen muss.
Beispielrechnung
Ein Einfamilienhaus, 140 m² Energiebezugsfläche, Luft/Wasser-Wärmepumpe, Vorlauftemperatur 35 °C (Fußbodenheizung):
Heizlast laut Heizlast-Rechner: 6,5 kW (Annahme).
Warmwasser-Zuschlag: 140 m² × 2 W/m² = 280 W ≈ 0,3 kW.
Auslegungsleistung: 6,5 + 0,3 = 6,8 kW → gewählt wird das nächstgrößere Modell, also 7 kW.
Jahreswärmebedarf (Heizung + Warmwasser): 13.000 kWh (Annahme).
JAZ: 3,5 (Annahme, Mitte der Praxisspanne für Luft/Wasser bei niedriger Vorlauftemperatur).
Strombedarf: 13.000 / 3,5 = 3.714 kWh pro Jahr.
Stromkosten bei 32 ct/kWh (Annahme): 3.714 × 0,32 € = 1.189 € pro Jahr.
Effektiver Wärmepreis: 0,32 / 3,5 = 9,1 ct/kWh. 8.
Bivalenzpunkt −5 °C (Annahme): Heizstabanteil grob 4 % der Jahresarbeit ≈ 520 kWh Direktstrom. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Heizkosten vergleichen.
Ergebnis: 7 kW Geräteleistung, rund 3.700 kWh Strom im Jahr, knapp 1.190 € Stromkosten – vor Förderung und ohne Wartung.
Typische Fehler
- COP mit JAZ verwechseln.
Der Prospekt-COP gilt für einen Prüfpunkt im Labor (EN 14511). Was deine Stromrechnung bestimmt, ist die JAZ über das ganze Jahr – inklusive Abtauzyklen, Warmwasser und Heizstab.
- Vorlauftemperatur zu hoch ansetzen.
Jede unnötig hohe Vorlauftemperatur drückt die JAZ. 55 °C statt 35 °C können aus einer guten Anlage eine mittelmäßige machen – der Temperaturhub zwischen Quelle und Heizkreis ist der größte Effizienzhebel überhaupt.
- Überdimensionieren („lieber zu groß").
Eine zu große Wärmepumpe taktet – sie schaltet ständig ein und aus, das verschleißt den Verdichter und senkt die JAZ. Richtig ist: knapp über der Auslegungsleistung bleiben.
- Warmwasser vergessen.
Warmwasser macht je nach Haushalt 10–20 % des Wärmebedarfs aus. Wer nur die Heizlast rechnet, dimensioniert zu klein.
- Bivalenzpunkt zu hoch einstellen.
Ein zu früh einsetzender Heizstab frisst mit JAZ 1,0 den Effizienzvorteil auf. Der Punkt gehört so tief wie möglich – so hoch wie nötig.
- Förderung zu spät beantragen.
Bei der KfW muss der Antrag vor Vorhabenbeginn gestellt werden – also vor der Beauftragung. Wer erst unterschreibt und dann beantragt, geht leer aus.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Altbau mit Heizkörpern: Bei nötigen Vorlauftemperaturen von 55–65 °C sinkt die JAZ einer Luft/Wasser-Pumpe deutlich. Optionen: größere Heizkörper oder Gebläsekonvektoren für niedrigere Vorlauftemperaturen, bivalente Lösung oder Erdwärme als Quelle.
- Reine Brauchwasser-Wärmepumpe: Wird separat ausgelegt – hier zählen nur Personenanzahl und Zapfprofil, nicht die Heizlast. Dafür gibt es eigene Rechnerlogik.
- Hybridanlage (Wärmepumpe + Gas): Der Bivalenzpunkt wird zum Umschaltpunkt zwischen den Erzeugern. Die Auslegung folgt dann wirtschaftlichen statt rein technischen Kriterien.
- Sehr kalte Regionen: Die Norm-Außentemperatur deines Standorts bestimmt den Auslegungsfall. Moderne Luft/Wasser-Geräte arbeiten monoenergetisch bis etwa −10 °C, darunter hilft nur der Heizstab oder ein zweiter Erzeuger.
- Mehrfamilienhaus: Warmwasser-Zuschlag 3 W/m², oft Kaskaden aus mehreren Geräten und getrennte Betrachtung von Heizung und Warmwasser.
- PV-Anlage auf dem Dach: Eigenverbrauch verbessert die Wirtschaftlichkeit spürbar, ändert aber nichts an der kW-Auslegung – die richtet sich nach dem kältesten Tag, nicht nach der Sonne.
Was der waermepumpe-rechner dir sagt – und was nicht
Der Rechner liefert dir eine belastbare Planungsgröße: die Auslegungsleistung in kW, den geschätzten Jahresstrombedarf, den effektiven Wärmepreis und eine Einordnung des Heizstabanteils. Damit kannst du Angebote vergleichen, die Förderhöhe abschätzen und erkennst sofort, ob ein angebotenes Gerät grob über- oder unterdimensioniert ist.
Was er nicht ersetzt: die finale Auslegung durch den Fachbetrieb. Dazu gehören die raumweise Heizlast nach DIN EN 12831, der hydraulische Abgleich, die Prüfung der Schallimmissionen beim Außengerät und die Dimensionierung von Pufferspeicher und Warmwasserbereitung.
Nutze das Ergebnis als Gesprächsgrundlage – und stelle den KfW-Förderantrag, bevor du einen Auftrag unterschreibst. Für die Gebäudeseite der Rechnung hilft dir der Heizlast-Rechner, für den Kostenvergleich der Heizkosten-Rechner.