So funktioniert die Berechnung
Der Rechner folgt der Physik und den anerkannten Richtwerten – „So berechnen wir":
Schritt 1: Tagesbedarf. Personenanzahl mal Bedarfsprofil: sparsam 30 l, normal 40 l, komfortabel 50 l pro Person und Tag (Spanne aus der Praxis für Wohngebäude, bezogen auf 60 °C warmes Wasser).
Eine vierköpfige Familie im Normalprofil braucht also 160 Liter am Tag. Wichtig: Das ist warmes Wasser bei Speichertemperatur – am Wasserhahn mischt du es mit kaltem Wasser, deshalb liegt dein gemessener Gesamtverbrauch höher.
Schritt 2: Speichergröße. Speicher = Tagesbedarf × 1,25 (Auslegungsannahme für Schichtung, Bereitschaftsverluste und Reserven).
Die Familie aus dem Beispiel landet bei 200 Litern Speichervolumen. Das exakte Normverfahren für die Bemessung beschreibt die DIN 1988-300 – der Rechner nutzt bewusst die transparente Näherung, damit du jede Zahl nachvollziehen kannst.
Schritt 3: Energiebedarf. Die Physik ist unbestechlich: Q = Volumen × 1,163 Wh/(l·K) × Temperaturdifferenz.
Von 10 °C Kaltwasser auf 60 °C Speicher sind das 50 Kelvin – also 58,15 Wh pro Liter. Die Beispielfamilie braucht 160 × 58,15 Wh = 9,3 kWh pro Tag, rund 3.400 kWh im Jahr.
Zum Vergleich: Das ist etwa ein Viertel bis ein Drittel des Heizwärmebedarfs eines sanierten Einfamilienhauses. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Solarthermie für Warmwasser heranziehen.
Schritt 4: Legionellen-Check. Warmwasser zwischen 25 und 55 °C ist ideales Legionellen-Wachstumsmilieu.
Deshalb schreibt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 für Großanlagen (Definition der Trinkwasserverordnung) mindestens 60 °C am Speicheraustritt vor. Der Rechner warnt, wenn deine eingestellte Speichertemperatur darunter liegt – bei Kleinanlagen im Einfamilienhaus ist das eine dringende Empfehlung, bei Großanlagen Pflicht.
Solarthermie: Wer Warmwasser solar unterstützt, dimensioniert den Speicher größer: als Faustwert etwa 50 Liter Speichervolumen je Quadratmeter Kollektorfläche – so puffert der Speicher auch sonnenarme Tage.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Trinkwasserverordnung (Novelle 2023, in Kraft seit 23.06.2023): Sie definiert die Untersuchungspflicht für Großanlagen: Warmwasserspeicher über 400 Liter oder Rohrleitungen mit mehr als 3 Litern Inhalt pro Strang müssen regelmäßig auf Legionellen untersucht werden – jährlich bei öffentlicher oder gewerblicher Abgabe (z. B. Sportstudios, Vermietung mit Vernebelung wie Duschen), alle drei Jahre bei Vermietung im Mehrfamilienhaus. Ein- und Zweifamilienhäuser sind von der Untersuchungspflicht grundsätzlich ausgenommen.
Technischer Maßnahmenwert: 100 KBE (koloniebildende Einheiten) Legionella spec. pro 100 ml – bei Überschreitung muss das Gesundheitsamt informiert werden.
Neu ab 2026: Die Untersuchungsstellen melden dem Umweltbundesamt jährlich aggregiert, in welchen Trinkwasserinstallationen der technische Maßnahmenwert erreicht oder überschritten wurde – das UBA erstellt daraus eine allgemeine Risikobewertung.
Für 2027 sind keine weiteren Änderungen angekündigt (Stand: Oktober 2026). An der Bedarfsrechnung in Litern pro Person und Tag ändert sich ohnehin nichts – sie folgt Physik und Gewohnheiten, nicht dem Gesetzblatt.
Beispielrechnung
Vier Personen, Profil „normal" (40 l), Speichertemperatur 60 °C, Kaltwasser 10 °C (Annahme):
Tagesbedarf: 4 × 40 l = 160 Liter warmes Wasser pro Tag.
Speichergröße: 160 × 1,25 = 200 Liter → gewählt wird das 200-l-Modell.
Energie pro Tag: 160 l × 1,163 Wh/(l·K) × 50 K = 9.304 Wh ≈ 9,3 kWh.
Energie pro Jahr: 9,3 × 365 = 3.395 kWh.
Mit Wärmepumpe (JAZ 3,0 für Warmwasser, Annahme): 9,3 / 3,0 = 3,1 kWh Strom pro Tag.
Legionellen-Check: 60 °C Speichertemperatur – in Ordnung, keine Warnung. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Heizlast berechnen.
Ergebnis: 160 l Tagesbedarf, 200 l Speicher, 9,3 kWh Wärme pro Tag. Einmal die Woche kurz auf 70 °C aufheizen (Legionellenschaltung) frisst davon nur einen Bruchteil – der Rechner zeigt dir den Mehrverbrauch an.
Typische Fehler
- Warm- und Gesamtwasser verwechseln.
120 Liter Trinkwasser pro Person und Tag (Richtwert) sind nicht 120 Liter warmes Wasser – nur etwa ein Drittel davon wird erwärmt. Wer mit dem Gesamtwert rechnet, kauft den dreifachen Speicher.
- Speichertemperatur unter 60 °C bei Großanlagen.
Spart auf dem Papier Energie, züchtet aber Legionellen – und verstößt bei Großanlagen gegen die anerkannten Regeln der Technik (DVGW W 551). 3.
Speicher zu groß wählen. „Viel hilft viel" gilt hier nicht: Jeder ungenutzte Liter wird täglich warm gehalten und verliert Bereitschaftswärme.
25 % Reserve reichen. 4.
Gleichzeitigkeit ignorieren. Vier Personen, die alle um 7 Uhr duschen, brauchen mehr gleichzeitig verfügbares Volumen als dieselben vier über den Tag verteilt – der Speicher muss die Morgenspitze abdecken, nicht nur den Tagesdurchschnitt.
- Zirkulationsverluste vergessen.
Eine ständig laufende Zirkulationsleitung kann den Warmwasser-Energiebedarf spürbar erhöhen – mit Zeitschaltuhr oder Bedarfstaster dagegenhalten. 6.
Badewanne unterschlagen. Ein Vollbad braucht rund 120–150 Liter warmes Wasser (Annahme) – eine einzige Wannenfüllung am Abend sprengt das „Duschprofil" einer Person.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Badewanne vs. Dusche: Eine Dusche (5–8 Minuten) braucht etwa 30–50 Liter warmes Wasser, ein Vollbad 120–150 Liter (Annahmen). Badehaushalte wählen das komfortable Profil oder addieren einen Wannen-Zuschlag.
- Teenager-Haushalt: Lange Duschen sind real – nimm ehrlich das obere Profil, sonst ist der Streit vorprogrammiert.
- Ferienwohnung: Unregelmäßige Belegung spricht für kleinere Speicher oder Durchlauferhitzer – Bereitschaftsverluste über leere Wochen sind reine Verschwendung.
- Durchlauferhitzer statt Speicher: Hier rechnest du nicht in Litern, sondern in Kilowatt Leistung (18–27 kW fürs Bad sind üblich, Herstellerwert) – dafür entfallen Speicherverluste komplett.
- Solarthermie: Größerer Speicher (Faustwert ~50 l/m² Kollektor) puffert die solare Ernte; im Sommer heizt die Sonne, im Winter der Kessel oder die Wärmepumpe nach.
- Wärmepumpe: Warmwasser mit 60 °C drückt die Jahresarbeitszahl – viele Anlagen fahren deshalb getrennte WW-Programme oder Frischwasserstationen. Der Mehrverbrauch gegenüber der Heizung ist im Rechner über die JAZ abbildbar.
Was der warmwasserbedarf-rechner dir sagt – und was nicht
Der Rechner sagt dir drei Dinge: deinen Tagesbedarf in Litern aus Personen und Gewohnheiten, die dazu passende Speichergröße mit Reserve und den Tages-Energiebedarf in Kilowattstunden – plus die Legionellen-Einordnung deiner Speichertemperatur. Damit kaufst du weder einen zu kleinen Speicher (kalte Duschen) noch einen zu großen (teure Bereitschaftsverluste) und du siehst, welchen Anteil Warmwasser an deiner gesamten Wärmerechnung hat.
Was er nicht ersetzt: die Fachplanung bei Großanlagen. Ab den TrinkwV-Schwellen (400 l Speicher, 3 l Leitungsinhalt) gelten Untersuchungs- und Meldepflichten, und die Dimensionierung folgt dann der DIN 1988-300 durch den Fachbetrieb.
Auch die Kostenrechnung – Strom, Gas oder Solar – ist bewusst nicht Teil dieses Rechners; dafür gibt es den Heizkosten-Rechner.