So funktioniert die Berechnung im dwz-rechner
Die Berechnung folgt der Wertungsordnung des Deutschen Schachbunds in der Fassung von 2026. Sie besteht aus drei Bausteinen: deinen erzielten Punkten W, deinen erwarteten Punkten We und dem Entwicklungsfaktor K.
Deine erzielten Punkte W sind einfach die Summe deiner Partieergebnisse: Sieg zählt 1 Punkt, Remis 0,5 Punkte, Niederlage 0 Punkte. Bei 5 Partien mit 2 Siegen, 2 Remis und 1 Niederlage ist W = 3,0.
Deine erwarteten Punkte We sind die Summe der Gewinnerwartungen jeder einzelnen Partie. Die Gewinnerwartung hängt nur von der DWZ-Differenz zwischen dir und deinem Gegner ab und wird aus der Wahrscheinlichkeitstabelle im Anhang der Wertungsordnung abgelesen.
Sie basiert auf einer Normalverteilung: Bei gleicher Wertung liegt deine Erwartung bei 0,50 pro Partie, bei 100 Punkten Vorsprung bei etwa 0,64, bei 100 Punkten Rückstand bei etwa 0,36. Wichtig: Es zählen nur am Brett erzielte Resultate gegen Gegner mit einer DWZ – kampflose Punkte fließen nicht ein.
Der Faktor K bestimmt, wie stark die Differenz zwischen erzielten und erwarteten Punkten deine Zahl verändert. In der Wertungsordnung 2026 wird K direkt und neu definiert (WO 3.5.1 und Anhang 1.3) – abhängig von deiner Altersgruppe, deiner DWZ-Höhe und der Zahl deiner bisherigen Auswertungen (deinem Index).
Die alte Formel K = 800 ÷ (E + n) gilt seit der Reform nicht mehr. Praktisch bedeutet das: Junge Spieler und Spieler mit wenigen Auswertungen haben ein höheres K – ihre Zahl bewegt sich schneller; etablierte Spieler mit vielen Auswertungen haben ein niedrigeres K – ihre Zahl ist träger.
Die Formel lautet: Rn = R0 + K × (W − We). Hast du mehr Punkte geholt als erwartet, steigt deine DWZ; hast du weniger geholt, sinkt sie. Bei exakt der erwarteten Punktzahl bleibt sie gleich.
Was ändert sich 2026 / 2027?
2026 war das größte Reformjahr der DWZ seit Jahrzehnten – das musst du wissen, weil es deine Zahl direkt betrifft:
Neue Wertungsordnung seit 8. Juni 2026. Der Deutsche Schachbund hat die Wertungsordnung gründlich überarbeitet (bekannt gegeben von der Wertungskommission, Berthold Plischke, Mai 2026).
Kernänderung: Die Formel lautet jetzt Rn = R0 + K × (W − We) mit direkt definiertem K – die alte Abhängigkeit des K-Werts von der Partienzahl n (ein Relikt aus dem bis 1991 geltenden INGO-System) ist weg. Das DWZ-Gewicht einer Partie hängt nicht mehr davon ab, wie viele Partien du sonst noch im Turnier gespielt hast.
Auch die Jugendbeschleunigung und die Abbremsungsregelung bleiben in modifizierter Form erhalten.
Einmalige DWZ-Anhebung im Juli 2026. Weil die DWZ über Jahre deflationiert war und seit der Elo-Anhebung der FIDE vom 1. März 2024 immer weiter von den internationalen Zahlen abdriftete, wurden alle Wertungszahlen unterhalb von 2110 Punkten einmalig angehoben – je niedriger die alte Zahl, desto größer der Bonus (nach der kommunizierten Umstellungslogik: unter 1000 plus 400 Punkte, von 1000 bis 2109 nach der Formel DWZ_neu = DWZ_alt × 0,64 + 760, ab 2110 unverändert).
Gleichzeitig gilt eine neue Mindest-DWZ von 1100. Praktische Folge: Vergleiche deine aktuelle Zahl nur mit Zahlen ab Juli 2026 – ältere Zahlen stehen auf einer anderen Skala. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Punktausbeute in Prozent berechnen heranziehen.
Neues Wertungsportal statt DeWIS. Das alte Auswertungssystem DeWIS wurde im Sommer 2026 nach 14 Jahren abgeschaltet und durch ein neues Wertungsportal auf nuLiga-Basis ersetzt. Deine aktuelle DWZ findest du dort in der DWZ-Datenbank des DSB.
Und 2027? Stand Oktober 2026 ist keine weitere Reform der Wertungsordnung angekündigt.
Die Umstellung von 2026 war als einmalige Korrektur konzipiert; die laufende Berechnung folgt seitdem stabil der neuen Ordnung. Falls der DSB weitere Änderungen beschließt, aktualisieren wir diese Seite – prüfe bei Zweifeln die Wertungsordnung auf schachbund.de.
Beispielrechnung
Ein Spieler mit DWZ 1700 (Index 25, Erwachsener) spielt ein Turnier mit 5 Partien:
| Gegner-DWZ | Differenz | Ergebnis | Gewinnerwartung |
|---|---|---|---|
| 1600 | +100 | Sieg (1) | ca. 0,64 |
| 1650 | +50 | Remis (0,5) | ca. 0,57 |
| 1750 | −50 | Remis (0,5) | ca. 0,43 |
| 1800 | −100 | Niederlage (0) | ca. 0,36 |
| 1550 | +150 | Sieg (1) | ca. 0,70 |
Die Gewinnerwartungen stammen aus der Wahrscheinlichkeitstabelle der Wertungsordnung (hier als Näherung über die logistische Funktion dargestellt, die auch in der Elo-Berechnung verwendet wird).
Schritt 1: Erzielte Punkte W = 1 + 0,5 + 0,5 + 0 + 1 = 3,0. Schritt 2: Erwartete Punkte We = 0,64 + 0,57 + 0,43 + 0,36 + 0,70 = 2,70.
Schritt 3: Differenz W − We = 3,0 − 2,70 = +0,30. Der Spieler hat etwas besser abgeschnitten als erwartet.
Schritt 4: Mit einem angenommenen K von 24 (reiner Beispielwert – der echte K-Wert folgt aus Anhang 1.3 der Wertungsordnung je nach Alter, DWZ-Höhe und Index): Änderung = 24 × 0,30 = 7,2. Schritt 5: Neue DWZ Rn = 1700 + 7,2 = 1707,2 → gerundet 1707.
Der Spieler gewinnt also etwa 7 DWZ-Punkte. Hätte er nur die erwarteten 2,7 Punkte geholt, wäre seine Zahl unverändert geblieben – unabhängig davon, ob er dabei „gut" oder „schlecht" gespielt hat.
Genau das ist der Sinn des Erwartungswerts: Er misst deine Leistung relativ zur Stärke deiner Gegner.
Typische Fehler
- Elo-Zahl als DWZ eingetragen.
DWZ und Elo sind verschiedene Systeme mit verschiedenen Datenbasen. Wer seine FIDE-Elo hier in den Rechner tippt, bekommt eine falsche Schätzung.
Ausnahme: Gegner mit Elo, aber ohne DWZ werden in der offiziellen Auswertung mit Index 6 als DWZ übernommen – das ist aber Sache der Auswertung, nicht deiner Eingabe.
Den Index vergessen oder verwechselt. Der Index (die Zahl nach dem Bindestrich, z. B. 1500-20) steht für die Zahl deiner bisherigen Auswertungen und beeinflusst den K-Faktor. Ohne Index schätzt der Rechner den Faktor – mit Index wird die Schätzung genauer.
Kampflose Partien mitgezählt. Freilose, kampflose Siege und nicht am Brett entschiedene Partien fließen nicht in die DWZ-Auswertung ein. Zähle nur Partien, die tatsächlich gespielt wurden.
Mit der alten Formel gerechnet. Viele Online-Tools und alte Merkblätter verwenden noch Zn = Z0 + 800/(E+n) × (W − We). Seit der Wertungsordnung 2026 gilt Rn = R0 + K × (W − We) mit direkt definiertem K. Achte darauf, dass dein Tool die neue Ordnung kennt.
Zahlen von vor und nach Juli 2026 vermischt. Durch die einmalige Anhebung stehen alte Zahlen auf einer anderen Skala. „Ich hatte 2025 DWZ 1450 und jetzt 1650, bin ich 200 Punkte stärker geworden?" – nicht unbedingt; ein guter Teil davon ist die Umstellung.
Erst-DWZ mit der Grundformel versucht. Für Spieler ohne bisherige DWZ funktioniert die normale Formel nicht – dafür gibt es das Erst-DWZ-Verfahren (siehe Sonderfälle). Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Punktausbeute in Prozent berechnen.
Sonderfälle / Ausnahmen
Erst-DWZ: Wer noch keine DWZ hat, bekommt sie über ein eigenes Verfahren: Aus der prozentualen Punktausbeute wird mit der Wahrscheinlichkeitstabelle eine DWZ-Differenz bestimmt, die zum DWZ-Durchschnitt der Gegner addiert wird. Voraussetzungen: mindestens 5 Partien gegen Gegner mit DWZ – und weder alle gewonnen noch alle verloren (bei 0 % oder 100 % lässt sich keine Differenz bestimmen).
Bei den ersten Turnieren schwankt die Zahl stark; erst nach einigen Auswertungen stabilisiert sie sich auf deinem Niveau.
Gegner ohne DWZ: Gegner, die keine DWZ, aber eine FIDE-Elo haben, werden mit Index 6 als DWZ übernommen. Gegner ganz ohne Wertungszahl (und ohne Elo) fließen nicht in deine Auswertung ein – die Partie ist für deine DWZ so, als wäre sie nicht gespielt worden.
Turnierwertungszahl (TWZ): Für Startranglisten im Turnier (z. B. Schweizer System) wird die TWZ verwendet – in Deutschland üblicherweise die höhere der beiden Zahlen aus DWZ und Elo. Die TWZ ist eine Turniergröße und keine neue Wertung.
Sonderwertung: In bestimmten Fällen (z. B. für Nicht-DSB-Mitglieder) weist die Auswertung eine Turnierleistung als Sonderwertung aus. Details regelt die Wertungsordnung.
Datenschutz: Für ehemalige Mitglieder werden DWZ-Daten nur noch 5 Jahre vorgehalten; Spieler, die nie DSB-Mitglieder waren, erscheinen nur noch als textuelle Teilnehmer in Auswertungen (DSGVO-Anpassung der WO 2026).
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Das Ergebnis des Rechners ist eine Schätzung, keine offizielle Auswertung. Die verbindliche neue Zahl berechnet die Wertungszentrale des DSB nach dem Turnier – sie erscheint im neuen Wertungsportal, wo du auch deine Turnierhistorie einsehen kannst.
Nutze den dwz-rechner deshalb als Orientierung direkt nach dem Turnier: Er sagt dir, ob du eher mit einem Plus oder einem Minus rechnen musst und in welcher Größenordnung.
Wichtig ist der richtige Vergleichsmaßstab: Seit der einmaligen Anhebung im Juli 2026 stehen alle Zahlen unterhalb von 2110 höher als früher. Wenn deine Zahl gegenüber dem Frühjahr 2026 gestiegen ist, prüfe zuerst, ob du überhaupt gespielt hast – ein Teil des Anstiegs kann schlicht die Umstellung sein.
Vergleiche deine Leistung über die Zeit am besten anhand der Differenz zu deinen Gegnern (deine Turnierleistung), nicht anhand der absoluten Zahl.
Und falls du gerade erst anfängst: Der schnellste Weg zu einer aussagekräftigen DWZ führt über DWZ-gewertete Turniere deines Vereins oder Bezirks. Nach 5 gewerteten Partien erhältst du deine Erst-DWZ – danach zeigt dir der dwz-rechner nach jedem Turnier, wohin die Reise geht.