So funktioniert der luftfeuchtigkeit-rechner: Magnus-Formel Schritt für Schritt
Du gibst zwei Werte ein: die Lufttemperatur in Grad Celsius und die relative Luftfeuchte in Prozent – genau das, was dein Hygrometer anzeigt. Der Rechner berechnet zuerst den Sättigungsdampfdruck E(T), also den maximal möglichen Wasserdampfdruck bei deiner Temperatur, nach der Magnus-Tetens-Formel: E(T) = 6,112 hPa × e^((17,625 × T) / (243,04 + T)). Die Koeffizienten 17,625 und 243,04 stammen von Alduchov und Eskridge und gelten nach Lawrence (2005) für −40 °C bis +50 °C mit einer Unsicherheit von etwa 0,35 °C – das ist die in der Meteorologie übliche Variante. Eine zweite, fast gleichwertige Variante nutzt 17,62 und 243,12; die Ergebnisse unterscheiden sich nur in der zweiten Nachkommastelle. Aus dem Sättigungsdampfdruck folgt der tatsächliche Dampfdruck e = E(T) × RH / 100. Daraus berechnet der Rechner die absolute Feuchte x = 216,7 × e / (273,15 + T) in Gramm pro Kubikmeter – also die echte Wassermenge in deiner Raumluft. Und den Taupunkt Td = 243,04 × α / (17,625 − α) mit α = ln(RH/100) + (17,625 × T) / (243,04 + T). Zum Schluss vergleicht er deine relative Feuchte mit den UBA-Schwellen und zeigt dir, ob du im grünen Bereich bist oder lüften solltest.
Was ändert sich 2026 / 2027?
An der Physik ändert sich nichts: Die Magnus-Tetens-Formel und die Koeffizienten nach Alduchov und Eskridge sind seit Langem etabliert und gelten unverändert weiter. Auch die Empfehlungen des Umweltbundesamts (40–60 Prozent ideale Raumluftfeuchte, 65–70 Prozent als Dauergrenze, 80 Prozent an der Wand als Schwelle für Sofortmaßnahmen) sind mit Stand Oktober 2026 aktuell. Was sich 2026/2027 für dich ändern kann, ist das Heizen und Lüften selbst: Wer aus Energiespargründen Räume kühler hält, erhöht automatisch die relative Feuchte – bei 16 °C statt 20 °C enthält dieselbe Luftmenge prozentual deutlich mehr Wasser. Beobachte deshalb in wenig geheizten Räumen (Schlafzimmer, Gästezimmer) die Werte besonders. Für 2027 sind keine neuen Grenzwerte angekündigt; der Rechner rechnet mit den hier dokumentierten Konstanten weiter. Stand: Oktober 2026.
Beispielrechnung
Nehmen wir ein Wohnzimmer: Thermometer 20 °C, Hygrometer 60 % relative Feuchte. Schritt eins: Sättigungsdampfdruck E(20) = 6,112 × e^((17,625 × 20) / (243,04 + 20)) = 6,112 × e^(352,5 / 263,04) = 6,112 × 3,819 = 23,34 hPa. Schritt zwei: Dampfdruck e = 23,34 × 0,60 = 14,00 hPa. Schritt drei: absolute Feuchte x = 216,7 × 14,00 / 293,15 = 10,35 g/m³ – so viel Wasser steckt tatsächlich in jedem Kubikmeter deiner Raumluft. Schritt vier: α = ln(0,60) + 352,5 / 263,04 = −0,511 + 1,340 = 0,829. Taupunkt Td = 243,04 × 0,829 / (17,625 − 0,829) = 201,5 / 16,796 ≈ 12,0 °C. Interpretation: Solange alle Oberflächen wärmer als 12 °C sind, kondensiert nichts. Eine ungedämmte Außenwand hinter dem Schrank kann im Winter aber leicht 10–11 °C kalt sein – dann wird sie feucht, lange bevor du etwas siehst. Die relative Feuchte von 60 % liegt noch im UBA-Idealbereich (40–60 %), aber am oberen Rand: einmal täglich stoßlüften hält dich sicher im grünen Bereich. Der luftfeuchtigkeit-rechner speichert keine Daten – du kannst die Rechnung jederzeit mit neuen Messwerten wiederholen und so den Verlauf über Tage vergleichen.
Typische Fehler
Erstens: nur auf die Prozentzahl starren. 60 % bei 20 °C sind harmlos, 60 % bei 15 °C bedeuten deutlich mehr absolute Feuchte und einen höheren Taupunkt – die Temperatur gehört immer dazu. Zweitens: das Hygrometer an die falsche Stelle hängen. Direkt über der Heizung oder am offenen Fenster misst du Fantasiewerte; hänge es in Raummitte auf etwa 1,50 m Höhe, fern von Wärmequellen. Drittens: den Taupunkt mit der Raumtemperatur verwechseln. Der Taupunkt ist immer niedriger als die Lufttemperatur (außer bei 100 % Feuchte) – er beschreibt die kalte Oberfläche, nicht die Luft. Viertens: Dauer-Kipp statt Stoßlüften. Gekippte Fenster kühlen die Wandlaibung aus und heben den Taupunkt an der Wand – mehrmals täglich 5–10 Minuten stoßlüften tauscht die Luft aus, ohne die Wände auszukühlen. Fünftens: die Näherungsformel Td ≈ T − (100 − RH)/5 für bare Münze nehmen. Sie ist eine Schätzung für RH über 50 % und kann um mehrere Grad danebenliegen – für echte Aussagen nutze die Magnus-Formel. Sechstens: Schimmel erst bekämpfen, wenn er sichtbar ist. Schimmel wächst schon bei dauerhaft hoher Feuchte hinter Möbeln und in Ecken, bevor du Flecken siehst – messe lieber früh.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Bad und Küche nach dem Duschen/Kochen: Kurzfristig 80–90 % sind normal – entscheidend ist, dass die Feuchte innerhalb einer Stunde wieder unter 60 % fällt (Tür zu, Fenster auf oder Lüfter an).
- Schlafzimmer: Zwei Personen geben über Nacht rund 0,5–1 Liter Wasser an die Luft ab – morgens stoßlüften ist hier Pflicht, nicht Kür.
- Keller: Im Sommer ist Kellerluft oft kühler als die Außenluft – warmfeuchte Außenluft hereinlüften erhöht die Kellerfeuchte, statt sie zu senken. Lüfte Keller im Sommer nur nachts oder früh morgens.
- Neubau und Sanierung: Baufeuchte treibt die Werte monatelang hoch – hier sind dauerhaft laufende Bautrockner sinnvoller als ständiges Lüften.
- RH = 100 %: Dann ist der Taupunkt exakt gleich der Lufttemperatur – jede noch so kleine Abkühlung erzeugt Kondensat (beschlagene Scheiben morgens).
- Sehr trockene Luft unter 30 %: Reizt Schleimhäute und Holz (Parkett, Möbel) – hier hilft gezieltes, kurzes Lüften weniger, eher ein Luftbefeuchter.
- Höhenlage und Luftdruck: Der Rechner nutzt den Standarddruck; in normalen Wohnlagen (bis ca. 1.000 m) ist der Fehler vernachlässigbar.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Der Rechner gibt dir drei Zahlen und eine Ampel: Taupunkt, absolute Feuchte und die UBA-Bewertung deiner relativen Feuchte. Miss am besten morgens und abends und trage die Werte in den luftfeuchtigkeit-rechner ein – so erkennst du Trends, bevor die Ampel auf Rot springt. Liegt dein Taupunkt nur 2–3 Grad unter der kältesten Wandtemperatur, bist du in der Gefahrenzone – rücke Möbel 8–10 cm von Außenwänden ab, damit Luft zirkulieren kann, und lüfte mehrmals täglich stoß. Zeigt die Ampel dauerhaft über 65–70 %, prüfe zusätzlich die Wandoberflächentemperatur mit einem Infrarotthermometer: Unterschreitet sie den Taupunkt, kondensiert dort Wasser, auch wenn die Raumluft noch "okay" wirkt. Sinkt die Feuchte nach dem Lüften nicht, liegt oft ein baulicher Mangel vor (Wärmebrücke, fehlende Dämmung) – dann hilft kein Lüftungsplan, sondern eine Fachperson. Die Berechnung ist eine physikalische Näherung und ersetzt keine bauphysikalische Beratung bei konkretem Schimmelverdacht. Nutze das Ergebnis als Frühwarnsystem: regelmäßig messen, bei Warnung handeln, bei Dauerwarnung Fachhilfe holen.