So funktioniert der nachtschicht-rechner
Vier Eingaben, ein ehrliches Ergebnis:
Schritt 1: Nachtstunden korrekt bestimmen. Der Rechner fragt Schichtbeginn und -ende ab und zählt nur die Stunden zwischen 23 und 6 Uhr — das ist die Nachtzeit nach § 2 ArbZG.
Eine Schicht von 22 bis 6 Uhr hat also 7 Nachtstunden, nicht 8: Die Stunde von 22 bis 23 Uhr ist keine Nachtarbeit im gesetzlichen Sinn (Ausnahme: Bäckereien und Konditoreien, dort gilt 22 bis 5 Uhr). Pausen werden abgezogen — wer von 22 bis 6 Uhr mit einer halben Stunde Pause arbeitet, hat 7,5 Arbeitsstunden, davon 6,5 Nachtstunden.
Schritt 2: Stundenlohn und Zuschlagssatz. Gib deinen Bruttostundenlohn ein (bei Monatsgehalt: Gehalt ÷ (Wochenstunden × 4,35)) und den für dich geltenden Zuschlagssatz aus Arbeits- oder Tarifvertrag.
Üblich sind 25 Prozent — einen gesetzlichen Satz gibt es nicht: § 6 Abs. 5 ArbZG verlangt nur einen "angemessenen" Ausgleich für Nachtarbeit, wahlweise als Freizeit oder Geld. Die 25 Prozent sind die Höhe, die das Bundesarbeitsgericht für üblich hält; bei Dauernachtschicht können es 30 Prozent sein.
Schritt 3: Die 40-Prozent-Staffel. Beginnt deine Nachtarbeit vor 0 Uhr, gilt für die Stunden von 0 bis 4 Uhr ein erhöhter steuerfreier Satz von 40 Prozent (§ 3b Abs. 3 EStG).
Der Rechner wendet die Staffel automatisch an: Beispiel 23–5 Uhr = 1 Stunde (23–0) mit 25 Prozent + 4 Stunden (0–4) mit 40 Prozent + 1 Stunde (4–5) mit 25 Prozent.
Schritt 4: Steuer- und SV-Check. Der Rechner prüft zwei Deckel: Steuerfrei ist der Zuschlag nach § 3b EStG nur, wenn dein Grundlohn 50 Euro pro Stunde nicht übersteigt; sozialversicherungsfrei nur bis 25 Euro Grundlohn (§ 1 Abs. 1 SvEV).
Liegt dein Stundenlohn darüber, weist der Rechner den Zuschlag als steuer- bzw. SV-pflichtig aus — statt ihn stillschweigend als "steuerfrei" zu verkaufen wie viele einfache Tools.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Der 50-Euro-Deckel ist die aktuelle Rechtslage. In der geltenden Fassung des § 3b EStG (Stand 29.06.2026) darf der steuerfreie Zuschlag auf Basis eines Grundlohns von höchstens 50 Euro je Stunde berechnet werden — zuvor lag die Grenze bei 25 Euro.
Praktisch heißt das: Auch Gutverdiener bis 50 Euro Stundenlohn behalten ihren 25-prozentigen Nachtzuschlag steuerfrei. Der SV-Deckel blieb dagegen bei 25 Euro: Zwischen 25 und 50 Euro Stundenlohn ist der Zuschlag steuerfrei, aber sozialversicherungspflichtig — diese Kombination ist neu für viele und der häufigste Irrtum in Online-Foren.
Mindestlohn steigt — dein Grundlohn auch. Zum 1. Januar 2026 stieg der Mindestlohn auf 13,90 Euro, zum 1. Januar 2027 auf 14,60 Euro brutto je Stunde.
Für Nachtarbeiter im Niedriglohnbereich erhöht das automatisch die Basis, auf die sich der Zuschlag berechnet: 25 Prozent von 14,60 sind 3,65 Euro pro Nachtstunde — ab 2027 die absolute Untergrenze. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den mehr-arbeiten-rechner heranziehen.
Minijob-Grenze 2027: 633 Euro. Die Geringfügigkeitsgrenze steigt von 603 Euro (2026) auf 633 Euro monatlich.
Gute Nachricht für Minijobber mit Nachtdiensten: Erfüllt dein Nachtzuschlag die §-3b-Voraussetzungen (tatsächlich geleistete Nachtarbeit, Einzelaufzeichnungen, Grundlohn-Grenzen), zählt er nicht zum regelmäßigen Arbeitsentgelt — du kannst also mehr Zuschlag bekommen, ohne die Minijob-Grenze zu sprengen.
Beispielrechnung
Eine Pflegekraft arbeitet von 22:00 bis 06:00 Uhr (8 Stunden, keine Pause in diesem Beispiel), ihr Bruttostundenlohn beträgt 21 Euro, der tarifliche Nachtzuschlag 25 Prozent.
Schritt 1 — Nachtstunden: Nachtzeit nach ArbZG = 23–6 Uhr → 7 Nachtstunden (22–23 Uhr zählt nicht).
Schritt 2 — Zuschlag: 7 × 21,00 × 0,25 = 36,75 Euro.
Schritt 3 — Gesamtverdienst: Grundlohn 8 × 21,00 = 168,00 Euro + 36,75 Euro = 204,75 Euro brutto pro Schicht.
Schritt 4 — Steuer-Check: Grundlohn 21 Euro ≤ 50 Euro → der Zuschlag von 36,75 Euro ist vollständig steuerfrei. 21 Euro ≤ 25 Euro → auch sozialversicherungsfrei.
Netto-Effekt: Die vollen 36,75 Euro kommen an — bei 10 Nachtschichten im Monat sind das 367,50 Euro steuer- und SV-frei extra.
Zweitbeispiel 40-Prozent-Staffel: Ein Lagermitarbeiter (19 Euro Stundenlohn) arbeitet 23:00–05:00 Uhr, also 6 Nachtstunden, Arbeitsbeginn vor 0 Uhr. Staffel: 23–0 Uhr = 1 h × 19 × 0,25 = 4,75 Euro; 0–4 Uhr = 4 h × 19 × 0,40 = 30,40 Euro; 4–5 Uhr = 1 h × 19 × 0,25 = 4,75 Euro.
Gesamtzuschlag: 39,90 Euro — komplett steuerfrei (Grundlohn 19 ≤ 50 Euro).
Typische Fehler
- Nachtzeit ab 22 Uhr annehmen.
Das Arbeitszeitgesetz definiert die Nachtzeit als 23–6 Uhr (Bäcker: 22–5 Uhr). Wer die Stunde 22–23 Uhr mitzählt, rechnet eine Stunde zu viel — es sei denn, der Tarifvertrag ist großzügiger.
- 40 Prozent für die ganze Nacht.
Der erhöhte Satz gilt nur für 0–4 Uhr — und nur, wenn die Nachtarbeit vor 0 Uhr aufgenommen wurde. Wer um 2 Uhr anfängt, bekommt keine 40 Prozent.
- "Steuerfrei" mit "SV-frei" verwechseln.
Steuerfrei bis 50 Euro Grundlohn, SV-frei nur bis 25 Euro. Zwischen 25 und 50 Euro fallen auf den Zuschlag Sozialabgaben an — das übersehen die meisten Rechner.
- Einen festen gesetzlichen Satz voraussetzen.
Das Gesetz kennt keinen Prozentsatz — nur "angemessenen Ausgleich" (§ 6 Abs. 5 ArbZG). Ohne Tarifvertrag oder Arbeitsvertrags-Klausel hast du Anspruch auf Ausgleich, aber die Höhe ist Verhandlungssache (üblich: 25 Prozent).
- Pausen und Bereitschaft mitzählen.
Pausen sind keine Arbeitszeit; Bereitschaftsdienst ohne tatsächliche Arbeitsleistung ist keine Nachtarbeit und erzeugt keinen Zuschlag. 6.
Gelegentliche Nachtschicht = Nachtarbeitnehmer. Wer nur ausnahmsweise einspringt, gilt nicht als Nachtarbeitnehmer (mindestens 2 Stunden in der Nachtzeit plus 48 Tage im Jahr oder regelmäßige Wechselschicht) — tarifliche Zuschläge können trotzdem greifen, prüfe deinen Vertrag.
Sonderfälle / Ausnahmen
Bäckereien und Konditoreien. Hier beginnt die Nachtzeit schon um 22 Uhr und endet um 5 Uhr (§ 2 ArbZG). Eine Bäcker-Schicht 22–5 Uhr hat damit 7 Nachtstunden statt 6 — ein Unterschied von einer vollen Zuschlagsstunde pro Schicht. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer brutto-netto-rechner.
Dauernachtschicht. Bei ständiger Nachtarbeit ohne Wechselschicht hält die Rechtsprechung wegen der höheren Belastung bis zu 30 Prozent für angemessen. Sprich deinen Arbeitgeber an, wenn du dauerhaft nachts arbeitest und nur 25 Prozent bekommst.
Sonntagnacht-Überschneidung. Fällt Nachtarbeit auf Sonntag 0–4 Uhr (bei Arbeitsbeginn vor 0 Uhr), wäre sowohl der Nacht- als auch der Sonntagszuschlag denkbar — steuerfrei ist aber nur der jeweils höhere Satz (R 3b Abs. 4 LStR). Doppelt kassieren geht steuerlich nicht.
Minijobber. Erfüllt der Zuschlag die §-3b-Voraussetzungen, zählt er nicht zur 633-Euro-Grenze (2027) — dokumentiere deshalb jede Nachtstunde einzeln. Fehlt die Einzelaufzeichnung, entfällt die Steuerfreiheit und der Zuschlag zählt voll zum Verdienst.
Leitende Angestellte. Sie sind vom ArbZG ausgenommen und haben keinen gesetzlichen Nachtzuschlags-Anspruch — was einzelvertraglich vereinbart ist, gilt.
Teilzeit unter 2 Nachtstunden. Wer weniger als 2 Stunden in der Nachtzeit arbeitet, ist kein Nachtarbeitnehmer im gesetzlichen Sinn — viele Tarifverträge zahlen den Zuschlag trotzdem pro Nachtstunde; prüfe deinen.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis ist erst der Anfang — jetzt geht es ums Durchsetzen und Dokumentieren. Erstens: Prüfe deine Lohnabrechnung.
Vergleiche Nachtstunden, Satz und Steuer-Kennzeichnung mit dem Ergebnis des nachtschicht-rechner; falsch zugeordnete Stunden (etwa 22–23 Uhr als Nachtstunde) sind der klassische Abrechnungsfehler. Zweitens: Dokumentiere selbst. § 3b EStG verlangt für die Steuerfreiheit fortlaufende Einzelaufzeichnungen je Mitarbeiter — führe deine Nachtschichten mit Datum, Beginn, Ende und Pausen selbst mit; im Zweifel schützt dich deine Liste.
Drittens: Verhandle den Satz. 25 Prozent sind üblich, nicht garantiert — bei Dauernachtschicht oder besonders belastenden Schichten sind 30 Prozent begründbar.
Viertens: Entscheide Freizeit vs. Geld.
Manche Arbeitgeber bieten statt Zuschlag Freizeitausgleich — bei steuerfreiem Zuschlag ist das Geld meist mehr wert, bei steuerpflichtigem (hoher Grundlohn) kann Freizeit attraktiver sein. Fünftens: Wende dich bei systematischen Fehlern an den Betriebsrat — Nachtarbeit und ihre Vergütung sind mitbestimmungspflichtig.