So funktioniert der Stromkosten-Rechner
So berechnen wir: Du gibst deinen Jahresverbrauch, den Arbeitspreis und den Grundpreis deines Tarifs ein – der Rechner liefert Jahreskosten, Monatskosten und den effektiven Preis pro Kilowattstunde.
Die Formel. Jahreskosten = (Verbrauch_kWh × Arbeitspreis_Euro) + (Grundpreis_Monat × 12).
Der Arbeitspreis ist der variable Anteil: Jede verbrauchte Kilowattstunde kostet diesen Preis. Der Grundpreis ist fix: Er fällt jeden Monat an, egal ob du viel oder wenig verbrauchst – er deckt Netzentgelte, Messstellenbetrieb und Abrechnung ab.
Der Grundpreis-Effekt. Teile die Jahreskosten durch den Verbrauch, und du erhältst den effektiven Preis pro Kilowattstunde.
Beispiel: 2.000 kWh bei 30 Cent Arbeitspreis und 15 Euro Grundpreis im Monat → (2.000 × 0,30 + 180) ÷ 2.000 = 39 Cent effektiv. Derselbe Tarif bei 5.000 kWh → (5.000 × 0,30 + 180) ÷ 5.000 = 33,6 Cent effektiv.
Derselbe Vertrag, fast 5,4 Cent Unterschied pro Kilowattstunde – nur wegen des Verbrauchs. Genau deshalb sind Arbeitspreis-Vergleiche ohne Grundpreis irreführend, besonders für sparsame Haushalte.
Brutto oder netto? Haushaltsverträge nennen fast immer Bruttopreise – inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer und aller Umlagen.
Nettopreise (ohne Mehrwertsteuer) begegnen dir eher in der Grundversorgung oder bei Gewerbetarifen. Faustregel: Brutto ≈ Netto × 1,19.
Vergleiche niemals einen Netto-Arbeitspreis mit einem Brutto-Arbeitspreis – das sind bei 30 Cent netto satte 35,70 Cent brutto.
Boni richtig einpreisen. Viele Neukundentarife locken mit 50 bis 100 Euro Bonus – aber nur im ersten Jahr und oft nur bei ununterbrochener Belieferung.
Ein 60-Euro-Bonus entspricht bei 3.500 kWh gerade einmal 1,7 Cent pro Kilowattstunde, und nur im ersten Jahr. Ein Tarif mit 2 Cent niedrigerem Arbeitspreis spart dir dagegen jedes Jahr 70 Euro.
Rechne Boni immer auf die Vertragslaufzeit um, nicht auf den Werbeprospekt.
Faustzahl für den Alltag. Ein Cent Unterschied beim Arbeitspreis sind bei 3.500 kWh genau 35 Euro im Jahr. Mit dieser Zahl ordnest du jede Preisänderung in Sekunden ein: Steigt dein Arbeitspreis um 3 Cent, sind das 105 Euro mehr im Jahr – dann lohnt sich der Tarifvergleich.
Was ändert sich 2026 und 2027?
Der Strompreis 2026 liegt unter dem Krisenniveau von 2022/2023, aber deutlich über dem Vorkrisenniveau. Drei Snapshots mit Datum: Der BDEW weist für August 2026 einen Durchschnitt von 37,0 Cent pro kWh aus (3.500 kWh, inklusive anteiligem Grundpreis).
Das Finanztip-Strompreis-Barometer vom 13. Oktober 2026 meldet 35,60 Cent für Neukundentarife mit zwölf Monaten Preisgarantie (inklusive Grundpreis, ohne Boni). Die günstigsten verfügbaren Tarife liegen laut Verivox im Oktober 2026 je nach Bundesland zwischen 28,95 und 35,04 Cent (4.000 kWh).
Die Spanne zwischen Durchschnitt und günstigstem Tarif beträgt also rund 8 Cent – bei 3.500 kWh sind das 280 Euro im Jahr.
Zum Vergleich die Grundversorgung, die teuerste Option: Ein Beispielversorger (Gemeindewerke Grefrath, Preise ab 1.1.2026) verlangt 42,06 Cent Arbeitspreis plus 126,14 Euro Grundpreis im Jahr – bei 3.500 kWh also 1.598 Euro. Wer noch nie gewechselt hat, zahlt fast immer den höchsten Preis. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Mit Solarstrom Kosten senken heranziehen.
Für 2027 ist keine Strompreisbremse oder neue Umlage angekündigt, die du fest einplanen müsstest (Stand Oktober 2026). Was den Preis bewegt: Netzentgelte, Beschaffungskosten und dein eigener Verbrauch.
Die wichtigste Konstante für deine Rechnung bleibt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent auf nahezu alle Preisbestandteile.
Beispielrechnung
Familie Öztürk verbraucht 4.200 kWh im Jahr. Ihr aktueller Tarif: 34,5 Cent Arbeitspreis, 12,90 Euro Grundpreis im Monat.
Jahreskosten aktuell: 4.200 × 0,345 = 1.449 Euro + (12,90 × 12 = 154,80 Euro) = 1.603,80 Euro. Effektivpreis: 1.603,80 ÷ 4.200 = 38,19 Cent pro kWh. Monatlich: 133,65 Euro.
Ein Vergleichstarif: 29,8 Cent Arbeitspreis, 9,90 Euro Grundpreis im Monat, 80 Euro Neukundenbonus im ersten Jahr.
Jahreskosten neu: 4.200 × 0,298 = 1.251,60 + 118,80 = 1.370,40 Euro, minus 80 Euro Bonus = 1.290,40 Euro im ersten Jahr. Ersparnis: 313,40 Euro im ersten Jahr, danach 233,40 Euro pro Jahr. Effektivpreis neu: 32,63 Cent.
Die Rechnung zeigt zwei Dinge: Der Wechsel lohnt sich deutlich – und der Bonus macht nur rund ein Viertel der Ersparnis im ersten Jahr aus. Entscheidend ist der niedrigere Arbeitspreis, nicht das Werbegeschenk.
Hätte der Vergleichstarif stattdessen nur 1 Cent weniger Arbeitspreis bei gleichem Grundpreis, wären es gerade einmal 42 Euro Ersparnis im Jahr – dann lohnt der Wechselaufwand kaum.
Typische Fehler
Nur Arbeitspreise vergleichen. Der Klassiker: Tarif A hat 29 Cent, Tarif B hat 31 Cent – also ist A günstiger? Nicht unbedingt. Hat A einen Grundpreis von 18 Euro und B von 8 Euro, kippt die Rechnung bei kleinem Verbrauch. Vergleiche immer die Jahreskosten bei deinem Verbrauch.
Bonus mit Preis verwechseln. Ein 100-Euro-Bonus klingt nach viel, sind bei 4.000 kWh aber nur 2,5 Cent pro Kilowattstunde – und nur im ersten Jahr. Manche Boni werden außerdem erst nach zwölf Monaten ununterbrochener Belieferung ausgezahlt; kündigst du früher, verfallen sie.
Brutto und netto mischen. Besonders bei Grundversorgungstarifen und Vergleichsportalen schleichen sich Nettopreise ein. 19 Prozent Mehrwertsteuer machen aus 30 Cent netto 35,70 Cent brutto – ein "günstiger" Tarif kann so teurer sein als dein aktueller.
Verbrauch schätzen statt ablesen. Wer seinen Verbrauch um 1.000 kWh falsch schätzt, liegt bei der Jahreskostenprognose um 300 bis 370 Euro daneben. Nimm den Wert deiner letzten Jahresabrechnung – nicht die Schätzung des Anbieters.
Preisgarantie mit Vertragslaufzeit verwechseln. Eine Preisgarantie von zwölf Monaten bei 24 Monaten Laufzeit bedeutet: Im zweiten Jahr kann der Preis steigen. Prüfe, was nach der Garantie gilt, und notiere dir das Kündigungsdatum.
Grundversorgung als Dauerlösung. Wer noch nie einen Tarif gewählt hat, ist automatisch in der Grundversorgung – der teuersten Option. Der Wechsel zu einem Sondervertrag desselben oder eines anderen Anbieters ist der größte Einzelhebel überhaupt. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer CO₂-Steuer und Energiepreise.
Sonderfälle und Ausnahmen
Wärmepumpe. Wärmepumpenstrom wird oft über einen separaten Zähler mit günstigerem Tarif (Heizstrom) abgerechnet – dann gelten andere Arbeits- und Grundpreise als für den Haushaltsstrom.
Manche Tarife unterscheiden zusätzlich Hochtarif und Niedertarif. Rechne beide Zähler getrennt.
E-Auto zu Hause laden. Ein E-Auto mit 15.000 Kilometern im Jahr und 19 kWh Verbrauch pro 100 Kilometer zieht zusätzlich rund 2.850 kWh – fast eine Verdopplung für viele Haushalte.
Bei 37 Cent sind das über 1.050 Euro Ladekosten im Jahr; mit eigenem Solarstrom ein Bruchteil davon.
Nachtstrom und Doppeltarifzähler. Alte Nachtspeicherheizungen laufen über HT/NT-Zähler mit günstigerem Nachtstrom (z. B. um 40,5 Cent statt 43,5 Cent in der Grundversorgung).
Der höhere Grundpreis des Doppeltarifs frisst den Vorteil bei kleinem Nachtanteil wieder auf – rechne beide Tarife mit deiner tatsächlichen Aufteilung.
Zwei Wohnungen, ein Vertrag. Manche Anbieter erlauben keinen Sammelvertrag für zwei Zähler – dann zahlst du den Grundpreis doppelt. Bei Ferienwohnung oder Einliegerwohnung mit winzigem Verbrauch dominiert der Grundpreis die Rechnung.
Gewerbe und Homeoffice. Gewerbestromtarife nennen oft Nettopreise und haben andere Umlagestrukturen. Wer im Homeoffice viel Strom verbraucht, kann die Kosten anteilig steuerlich geltend machen – das ändert aber nichts an der Tarifrechnung.
Strompreisbremse war gestern. Die staatlichen Preisbremsen aus der Energiekrise sind ausgelaufen; 2026 gibt es keine Deckelung. Dein Schutz vor hohen Preisen ist der Tarifvergleich, nicht der Staat.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis besteht aus drei Zahlen: Jahreskosten, Monatskosten und Effektivpreis. Der Effektivpreis ist dein Vergleichsmaßstab – jeder Tarif, dessen Effektivpreis bei deinem Verbrauch darunterliegt, ist günstiger.
Liegt dein Effektivpreis über 38 Cent, zahlst du mit hoher Wahrscheinlichkeit zu viel: Entweder bist du in der Grundversorgung oder dein Tarif ist schlicht alt.
Der nächste Schritt: Nimm deine letzte Jahresabrechnung (echter Verbrauch!), gib die Werte in einen Stromkosten-Rechner oder ein Vergleichsportal ein und filtere nach Tarifen mit mindestens zwölf Monaten Preisgarantie. Ignoriere Boni bei der Vorauswahl und rechne sie erst am Ende als Sahnehäubchen dazu.
Und notiere dir das Vertragsende im Kalender – der günstigste Tarif nützt nichts, wenn er nach der Preisgarantie unbemerkt teurer wird.