So funktioniert die Berechnung beim festgeld-rechner
Die Grundformel ist simpel: Zinsen = Anlagebetrag × Zinssatz × Laufzeit. Die Laufzeit wird als Jahresanteil ausgedrückt – 18 Monate sind 1,5 Jahre, 90 Tage sind 90/360 = 0,25 Jahre.
Dabei rechnen die meisten Banken nach der deutschen Zinsmethode 30/360: Jeder Monat zählt 30 Tage, das Jahr 360. Manche Banken rechnen taggenau nach Kalendertagen (act/365 oder act/360) – der Unterschied ist klein, aber messbar: 15.000 Euro zu 2,90 % über 92 Tage bringen taggenau 109,64 Euro statt 108,75 Euro nach 30/360.
Der spannende Teil beginnt bei Laufzeiten über zwölf Monaten: die Zinsgutschrift. Zahlt die Bank die Zinsen erst am Laufzeitende, gibt es keinen Zinseszins – die Formel bleibt linear.
Schreibt sie die Zinsen dagegen jährlich (oder vierteljährlich) gut und verzinst den neuen Saldo mit, wächst dein Geld exponentiell. Der Rechner fragt deshalb das Gutschrift-Intervall ab: Bei „jährlich" rechnet er mit Zinseszins, bei „endfällig" ohne.
Der Unterschied ist kein Kleingeld, wie die Beispielrechnung zeigt.
Dazu kommt die Laufzeit-Zinsstaffel: Banken zahlen nicht für jede Laufzeit denselben Satz. Aktuell (Oktober 2026) liegt die Spitze bei etwa 3,27 % für zwölf Monate, während längere Laufzeiten oft niedrigere Sätze bieten – die Zinskurve ist invers, weil die Banken mit sinkenden Leitzinsen rechnen.
Der Rechner zeigt dir deshalb den Effektivzins pro Laufzeit, damit du siehst, ob sich die Bindung über zwei oder drei Jahre wirklich lohnt. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Zinseszins-Rechner heranziehen.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Der steuerliche Rahmen bleibt 2026 stabil: Abgeltungsteuer 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (26,375 % effektiv), Sparerpauschbetrag 1.000 Euro bzw. 2.000 Euro für Paare – unverändert, auch für 2027 ist nach aktuellem Stand keine Änderung beschlossen. Was sich laufend ändert, sind die Marktzinsen: Die EZB-Zinspolitik bewegt die Festgeldkonditionen; die in Vergleichsportalen genannten Spitzenzinsen (Anfang Oktober 2026 z. B. 3,27 % für ein Jahr, Durchschnittszins über alle Banken rund 2,28 %) sind Momentaufnahmen.
Der Rechner arbeitet mit dem von dir eingegebenen Zinssatz – vergleiche vor Abschluss immer aktuelle Angebote. Neu geregelt ist nichts an der Einlagensicherung: 100.000 Euro pro Person und Bank (EU-weit) gelten weiter.
Beispielrechnung
Anlage: 25.000 Euro, 3,00 % p. a., 18 Monate Laufzeit, jährliche Zinsgutschrift (hier ohne praktische Wirkung, da unter zwei Jahren), Zinsmethode 30/360.
- Zinsertrag: 25.000 × 0,03 × 1,5 = 1.125 Euro
- Steuer ohne Freistellungsauftrag: 1.125 × 26,375 % = 296,72 Euro
- Netto-Zinsertrag: 1.125 − 296,72 = 828,28 Euro
- Mit Freistellungsauftrag (Pauschbetrag noch frei): 1.125 Euro bleiben vollständig steuerfrei
Jetzt der Zinseszins-Hebel über fünf Jahre: 20.000 Euro zu 3,2 % p. a.
- Mit jährlicher Gutschrift und Wiederverzinsung: 20.000 × 1,032^5 − 20.000 = 3.411,46 Euro
- Mit endfälliger Gutschrift (linear): 20.000 × 0,032 × 5 = 3.200 Euro
- Unterschied: 211,46 Euro – allein durch das Gutschrift-Timing
Der festgeld-rechner zeigt dir beide Varianten nebeneinander, damit du beim Angebotsvergleich auf die Gutschrift-Klausel achtest statt nur auf den Nominalzins. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Kapitalertragsteuer-Rechner.
Typische Fehler
- Nur auf den Nominalzins schauen.
3,27 % mit endfälliger Gutschrift können weniger bringen als 3,20 % mit jährlicher Gutschrift über mehrere Jahre. Vergleiche den Effektivzins, nicht den Werbezins.
- Längste Laufzeit = bester Zins glauben.
Bei inverser Zinskurve zahlen Banken für 24 oder 36 Monate weniger als für 12. Prüfe die Staffel und überlege, ob du nach einem Jahr nicht besser neu anlegst.
- Freistellungsauftrag vergessen.
Ohne Freistellungsauftrag zieht die Bank automatisch 26,375 % ab – auch wenn dein Pauschbetrag noch frei wäre. Verteile deine 1.000 Euro (2.000 Euro für Paare) per Freistellungsauftrag auf deine Banken.
- Einlagensicherung ignorieren.
Über 100.000 Euro pro Bank und Person ist im Ernstfall nicht EU-gesichert. Größere Beträge auf mehrere Institute verteilen.
- Vorzeitige Verfügbarkeit annehmen.
Festgeld ist während der Laufzeit grundsätzlich nicht verfügbar – wer doch kündigt, zahlt meist empfindliche Zinsabschläge oder verliert den Zinsanspruch ganz. Lege nur Geld fest an, das du sicher nicht brauchst.
- Automatische Verlängerung übersehen.
Viele Banken prolongieren zum dann aktuellen (oft schlechteren) Zins, wenn du nicht kündigst. Notiere das Laufzeitende und vergleiche neu.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Treppenstrategie (Laddering): Statt 60.000 Euro auf einmal für drei Jahre anzulegen, staffelst du z. B. je 20.000 Euro auf 1, 2 und 3 Jahre. Der festgeld-rechner bildet jede Tranche als eigene Anlage ab, sodass du die Staffel vergleichen kannst. Jedes Jahr wird eine Tranche frei – du bleibst flexibel und nimmst steigende Zinsen mit.
- Ausländische Banken: EU-Banken bieten oft höhere Zinsen; die Einlagensicherung des jeweiligen Landes (EU-weit mindestens 100.000 Euro) gilt. Die Zinsen sind in Deutschland steuerpflichtig und müssen in der Steuererklärung angegeben werden, wenn keine deutsche Abgeltungsteuer einbehalten wurde.
- Festgeld für Kinder: Auch Minderjährige haben einen eigenen Sparerpauschbetrag – ein Freistellungsauftrag für das Kinderdepot spart Steuern. Rechtlich gehört das Geld dem Kind.
- Kündigung aus wichtigem Grund: In Härtefällen (z. B. schwere Krankheit) lassen manche Banken eine vorzeitige Auflösung zu – meist gegen Zinsabschlag. Einen Rechtsanspruch gibt es nicht.
- Festgeld vs. Tagesgeld: Tagesgeld ist täglich verfügbar, zahlt aber meist weniger und der Zins ist variabel. Faustregel: Notgroschen aufs Tagesgeld, planbares Geld mit festem Horizont aufs Festgeld.
- Zinszahlung und Steuerjahr: Werden Zinsen erst am Laufzeitende gutgeschrieben, fallen sie steuerlich in dieses Jahr – bei mehrjährigen Laufzeiten kann das den Pauschbetrag eines Jahres sprengen. Jährliche Gutschrift verteilt die Steuerlast.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis besteht aus Zinsertrag, Effektivzins und Nettoertrag nach Steuern. Der Effektivzins ist deine Vergleichszahl zwischen Angeboten – er berücksichtigt Laufzeit, Gutschrift-Timing und Zinseszins.
Der Nettoertrag sagt dir, was wirklich auf deinem Konto landet. Nutze das Ergebnis so: Liegt der Effektivzins einer 24-Monats-Anlage unter dem einer 12-Monats-Anlage, nimm die kürzere und lege neu an.
Und prüfe vor Abschluss drei Dinge: Ist die Einlagensicherung ausreichend (Betrag ≤ 100.000 Euro pro Bank)? Ist dein Freistellungsauftrag verteilt?
Brauchst du das Geld während der Laufzeit wirklich nicht? Wenn alle drei Fragen mit Ja beantwortet sind, ist das Angebot solide.
Die Rechnung ist eine Modellrechnung vor individuellen Steuerbesonderheiten – sie ersetzt keine Anlageberatung.