So funktioniert die Berechnung im promille-rechner
Der Rechner arbeitet in vier Schritten. Schritt 1: Alkoholmenge in Gramm.
Jedes Getränk wird einzeln umgerechnet: Volumen in ml × Alkoholgehalt in Prozent ÷ 100 × 0,789 (die Dichte von Ethanol in g/ml). Ein halber Liter Bier mit 4,8 % enthält also 500 × 0,048 × 0,789 = 37,9 g reinen Alkohol, ein 0,2-l-Glas Wein mit 11,5 % rund 18,1 g.
Schritt 2: Verteilung im Körper. Alkohol verteilt sich nur im Körperwasser, nicht im Fettgewebe.
Deshalb teilt die Widmark-Formel die Alkoholmenge durch (Körpergewicht × Verteilungsfaktor). Der Rechner verwendet 0,7 für Männer und 0,6 für Frauen – das ist eine bewährte Annahme (die Fachliteratur nennt Spannen von 0,68–0,7 bzw. 0,55–0,60), kein Messwert deines Körpers.
Weil Frauen im Schnitt weniger Körperwasser haben, liegt ihr Promillewert bei gleicher Trinkmenge rund 20–25 % höher.
Schritt 3: Resorptionsdefizit. Nicht der gesamte getrunkene Alkohol erreicht das Blut: 10–30 % werden bereits in Magen und Leber abgebaut.
Der Rechner zieht standardmäßig 10 % ab (Annahme); die Rechtsprechung arbeitet bei der Rückrechnung zugunsten der beschuldigten Person mit Abschlägen zwischen 10 und 30 %.
Schritt 4: Abbau über die Zeit. Die Leber baut Alkohol mit konstanter Rate ab: 0,1–0,2 ‰ pro Stunde (Annahme, in der forensischen Literatur meist 0,15 ‰).
Der Rechner zieht pro Stunde seit Trinkbeginn diesen Wert ab. Wichtig: Der Abbau lässt sich nicht beschleunigen – weder Kaffee, Sport, kalte Luft noch fettes Essen ändern die Rate.
Was ändert sich 2026 / 2027?
An den deutschen Promillegrenzen ändert sich nichts: Für 2027 ist keine Absenkung oder Reform beschlossen oder konkret geplant – es gelten weiter 0,0 ‰ in der Probezeit und unter 21 Jahren, 0,5 ‰ als Ordnungswidrigkeitengrenze, 1,1 ‰ als absolute Fahruntüchtigkeit und 1,6 ‰ als MPU-Schwelle. Auch die StVO-Änderungen für E-Scooter zum 1. März 2027 tasten die Alkoholgrenzen nicht an.
Der Blick über die Grenze zeigt allerdings Bewegung: Spanien berät seit September 2026 über eine Absenkung der allgemeinen Grenze von 0,5 auf 0,2 ‰ (parlamentarisches Verfahren läuft, Beschluss steht aus), Belgien hat für Fahranfänger ab 2027 eine 0,2-‰-Grenze angekündigt. Für Deutschland bleibt es beim Status quo – was nichts daran ändert, dass die einzig sichere Grenze 0,0 ist. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Bußgeld-Rechner heranziehen.
Beispielrechnung
Ein 80 kg schwerer Mann trinkt an einem Abend zwei Glas Bier à 0,5 l (4,8 %) und ein Glas Wein (0,2 l, 11,5 %). Schritt für Schritt:
- Bier: 2 × 500 ml × 0,048 × 0,789 g/ml = 37,9 g Alkohol
- Wein: 200 ml × 0,115 × 0,789 g/ml = 18,1 g Alkohol
- Summe: 37,9 + 18,1 = 56,0 g
- Abzüglich 10 % Resorptionsdefizit: 56,0 × 0,9 = 50,4 g
- Verteilungsmasse: 80 kg × 0,7 = 56 kg
- Höchstwert: 50,4 ÷ 56 = 0,90 ‰
Zwei Stunden nach dem letzten Glas sind rechnerisch 0,90 − 2 × 0,15 = 0,60 ‰ übrig – weiterhin über der 0,5-‰-Grenze des § 24a StVG. Bis 0,0 ‰ vergehen ab dem Höchstwert rund sechs Stunden (0,90 ÷ 0,15).
Und die Restalkohol-Falle: Wer um 2 Uhr nachts mit 0,90 ‰ ins Bett geht, hat um 8 Uhr morgens noch etwa 0,0 ‰ – rechnerisch. In der Praxis schwankt der Abbau individuell, sodass um 7 Uhr noch messbarer Restalkohol übrig sein kann.
Typische Fehler
Dem Gefühl vertrauen. Alkohol enthemmt und trübt die Selbstwahrnehmung – genau dann, wenn du deine Fahrtüchtigkeit einschätzen musst. „Ich fühle mich nüchtern" ist nachweislich kein Indikator für den Promillewert. Rechne, statt zu fühlen.
BAK mit Atemalkohol verwechseln. Die Polizei misst meist Atemalkohol (mg/l), das Gesetz kennt beide Werte: 0,25 mg/l Atemalkohol entsprechen 0,5 ‰ Blutalkohol (§ 24a StVG). Es sind verschiedene Messgrößen für denselben Grenzwert – kein doppeltes Limit.
Den Abbau beschleunigen wollen. Kaffee macht wach, nicht nüchtern. Sport, kalte Duschen, fettes Essen, frische Luft – nichts davon beschleunigt den Leberabbau von 0,1–0,2 ‰ pro Stunde. Die einzige Strategie ist Zeit.
„Ein Bier geht immer". Ein halber Liter Bier (4,8 %) liefert rund 19 g Alkohol – bei einem 70-kg-Mann sind das allein schon etwa 0,34 ‰ nach der Formel, bei einer 60-kg-Frau etwa 0,47 ‰. Zwei „harmlose" Bier knacken die 0,5-‰-Grenze je nach Körper locker.
Den Restalkohol am Morgen unterschätzen. Der häufigste Fehler überhaupt: Nach einer langen Nacht rechnet niemand mehr nach.
Bei 1,5 ‰ um Mitternacht sind um 8 Uhr morgens noch rund 0,3 ‰ übrig – plus die individuell schwankende Abbaurate. Wer früh los muss, lässt das Auto stehen.
Frauen und Männer gleichsetzen. Bei gleichem Gewicht und gleicher Trinkmenge liegt der Promillewert von Frauen rund 20–25 % höher – wegen des geringeren Körperwasseranteils (Faktor 0,6 statt 0,7). Paare, die „gleich viel" trinken, sind rechtlich nicht gleich dran.
Sonderfälle / Ausnahmen
Fahranfänger und unter 21-Jährige: 0,0 ‰. Für sie gilt absolutes Alkoholverbot am Steuer (§ 24c StVG) – in der Probezeit und bis zum 21.
Geburtstag. Schon geringe Mengen sind eine Ordnungswidrigkeit.
Die Widmark-Rechnung ist hier nur zur Einordnung interessant: Erlaubt ist nichts. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Punkte-Flensburg-Rechner.
0,3–0,5 ‰: die relative Fahruntüchtigkeit. Unter 0,5 ‰ ohne Auffälligkeit bleibt es folgenlos – aber: Ab 0,3 ‰ kann bei Unfall oder Fahrfehlern eine Straftat wegen relativer Fahruntüchtigkeit vorliegen. Die 0,5-Grenze ist also kein Freifahrtschein bis 0,49.
Medikamente und Vorerkrankungen. Viele Medikamente verstärken die Alkoholwirkung oder belasten die Leber zusätzlich; Lebererkrankungen verlangsamen den Abbau. Die Formel kennt deinen Gesundheitszustand nicht – bei Medikamenteneinnahme gilt erst recht: Finger weg vom Steuer.
Verjährung. Ordnungswidrigkeiten nach § 24a StVG verjähren in sechs Monaten (§ 26 Abs. 3 StVG, seit 1. Juli 2026). Das ist keine Einladung zum Pokern, sondern eine Verfahrensfrage – ändert aber nichts an Punkten und Fahrverbot im Verfahren.
Atemalkoholmessung vs. Blutprobe. Das Vortestgerät misst Atemalkohol zur Orientierung; beweissicher ist die Blutprobe (oder das geeichte Atemalkoholmessgerät). Verweigerst du den Atemtest, ordnet die Polizei in der Regel die Blutentnahme an – verweigern hilft nicht.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis ist eine Schätzung mit eingebauter Unsicherheit – und genau das musst du ernst nehmen. Der promille-rechner zeigt dir deshalb nicht nur den Höchstwert, sondern auch den Abbau über die Stunden: Wann unterschreitest du 0,5 ‰, wann 0,3 ‰, wann bist du rechnerisch bei null.
Plane großzügig: Rechne mit der langsameren Abbaurate (0,1 ‰/h), wenn du auf Nummer sicher gehen willst, und gib dem Körper lieber eine Stunde mehr als eine zu wenig.
Die wichtigste Zahl ist aber keine aus der Formel: 0,0. Schon ab 0,3 ‰ drohen bei einem Unfall strafrechtliche Konsequenzen, ab 0,5 ‰ wird es teuer und punkte-trächtig – die genauen Bußgelder und Punkte rechnet der Bußgeld-Rechner für dich durch, und was Punkte in Flensburg bedeuten, erklärt der Punkte-Rechner.
Wenn dein Ergebnis auch nur in die Nähe einer Grenze kommt, ist die Entscheidung einfach: Auto stehen lassen, Taxi nehmen, nüchtern schlafen. Kein Termin der Welt ist einen Führerschein wert.