So funktioniert der Spar-Rechner: variable Zinsen, flexible Raten
Du gibst vier Dinge ein: Startkapital, monatliche Sparrate, Laufzeit und Zinssatz. Der Rechner verzinst monatlich – so wie es Banken bei Tagesgeld- und Sparkonten üblich tun – und addiert deine Sparrate dazu.
Der entscheidende Unterschied zu einem Festgeldrechner: Der Zins ist hier variabel. Deshalb rechnet der Sparrechner zusätzlich zwei Szenarien: Was passiert, wenn der Zins nach zwei Jahren um einen Prozentpunkt fällt oder steigt?
So siehst du die Bandbreite statt einer trügerisch exakten Zahl.
Die Steuerlogik – dein größter Hebel. Zinsen sind Kapitalerträge und unterliegen der Abgeltungsteuer: 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, effektiv 26,375 %.
Ohne Gegenmaßnahme zieht die Bank das automatisch ab. Mit einem Freistellungsauftrag beauftragst du deine Bank, bis zu 1.000 € Zinsen pro Jahr (2.000 € bei zusammenveranlagten Paaren) ohne Steuerabzug gutzuschreiben.
Hast du mehrere Banken, kannst du den Betrag aufteilen – die Summe darf 1.000 € bzw. 2.000 € nicht übersteigen. Der Rechner zeigt dir beide Varianten: mit und ohne Auftrag.
Bei typischen Sparzinsen und Sparraten bis in den fünfstelligen Bereich bleibt mit Auftrag oft alles steuerfrei.
Die Sicherheitslogik. Einlagen bei deutschen Banken sind über die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € pro Person und Bank geschützt (Stiftung Warentest, Stand Oktober 2026).
Deshalb fragt der Rechner bei hohen Beträgen, ob du über 100.000 € bei einer Bank liegst – und schlägt die Aufteilung auf mehrere Banken vor. Bei Auslandsbanken über Zinsplattformen gilt: Manche lassen keinen Freistellungsauftrag zu – dann musst du die Zinsen in der Steuererklärung angeben.
Flexibel sparen vs. Festgeld: die klare Abgrenzung
Das ist die Verwechslung, die die meisten Sparratgeber nicht auflösen – wir tun es hier ein für alle Mal: Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Zinseszins-Rechner heranziehen.
- Flexibles Sparen (diese Seite): Tagesgeld, Sparbuch, Sparkonto. Jederzeit verfügbar, Zins variabel, jederzeit kündbar. Ideal für Notgroschen und Sparziele unter drei Jahren.
- Festgeld (eigene Seite): Geld für 6–60 Monate gebunden, dafür meist höherer und fixer Zins. Ideal für Geld, das du sicher nicht brauchst. Vorzeitige Verfügung kostet den Zinsvorteil oder ist ausgeschlossen.
Faustregel: Geld, das du in den nächsten zwölf Monaten brauchen könntest, gehört aufs flexible Konto – auch wenn der Zins niedriger ist. Die paar Euro Mehrzins beim Festgeld sind den Liquiditätsverlust nicht wert, wenn du dann doch ans Geld musst.
Was ändert sich 2026 – und was kommt 2027?
2026 gilt: Die Abgeltungsteuer auf Zinsen bleibt bei 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag (effektiv 26,375 %). Der Freistellungsauftrag (Sparer-Pauschbetrag, § 20 Abs. 9 EStG) liegt unverändert bei 1.000 € pro Person und Jahr bzw. 2.000 € bei Zusammenveranlagung.
Die Einlagensicherung bleibt bei 100.000 € pro Person und Bank. Was sich laufend ändert, sind die Zinssätze selbst: Sie folgen der Geldpolitik der EZB und dem Wettbewerb der Banken – Tagesgeldzinsen können sich innerhalb von Monaten deutlich bewegen.
Genau dafür hat der Rechner die Zinsszenarien.
2027 kommt (Stand Oktober 2026): Für Abgeltungsteuer, Freistellungsauftrag und Einlagensicherung sind keine Änderungen beschlossen oder angekündigt. Auch die Aufteilung des Freistellungsauftrags auf mehrere Banken bleibt wie gehabt möglich.
Diese Seite wird aktualisiert, sobald neue amtliche Werte vorliegen.
Beispielrechnung: 10.000 € plus 200 € im Monat über 5 Jahre
Jonas hat 10.000 € Startkapital und spart 200 € im Monat. Wir rechnen mit einem angenommenen variablen Zinssatz von 1,75 % pro Jahr – ein Beispielwert, keine Zinsprognose.
Schritt 1 – Startkapital: 10.000 € × 1,0175⁵ = 10.906,17 €. Das Startkapital wächst mit Zinseszins.
Schritt 2 – Sparraten: 200 € monatlich über 60 Monate bei 1,75 % p. a. (monatlich verzinst) ergeben 12.529,40 €. Eingezahlt hat Jonas 12.000 € – der Rest von 529,40 € ist Zinseszins auf die Raten. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Rentenlücken-Rechner.
Schritt 3 – Gesamt: 10.906,17 € + 12.529,40 € = 23.435,57 €. Eingezahlt: 22.000 €. Zinsen gesamt: 1.435,57 €.
Schritt 4 – Steuer: 1.435,57 € Zinsen über fünf Jahre sind im Schnitt 287 € pro Jahr – deutlich unter dem Freistellungsauftrag von 1.000 €. Mit erteiltem Auftrag zahlt Jonas 0 € Steuern.
Ohne Auftrag würden 26,375 % abgehen – rund 379 € weniger Endkapital, und der Zinseszins würde auf den gekürzten Zins arbeiten.
Schritt 5 – Zinsszenario: Senkt die Bank den Zins nach zwei Jahren auf 0,75 %, sinkt das Endkapital auf etwa 22.900 € – über 500 € weniger. Das zeigt: Bei flexiblem Sparen ist der Zinsverlauf wichtiger als der Startzins.
Typische Fehler
- Keinen Freistellungsauftrag erteilen. Der häufigste und teuerste Fehler. Ohne Auftrag führt die Bank automatisch Abgeltungsteuer ab – das Geld holst du dir erst über die Steuererklärung zurück, und der Zinseszins läuft ein Jahr lang auf den gekürzten Betrag.
- Freistellungsauftrag falsch aufteilen. Wer 1.000 € bei Bank A und 800 € bei Bank B hinterlegt, überschreitet die Grenze – das Finanzamt meldet sich. Die Summe über alle Banken darf 1.000 € (bzw. 2.000 €) nicht übersteigen.
- Notgroschen zu klein oder zu groß. Die gängige Experten-Empfehlung: 3 bis 6 Monatsgehälter als schnell verfügbare Reserve. Weniger ist riskant, viel mehr auf dem Tagesgeldkonto verschenkt Rendite.
- Zinsen für garantiert halten. Tagesgeldzinsen sind variabel. Wer mit dem aktuellen Zins auf zehn Jahre hochrechnet, rechnet sich reich – plane mit Szenarien, nicht mit einem Wert.
- Über 100.000 € bei einer Bank parken. Die gesetzliche Einlagensicherung endet bei 100.000 € pro Person und Bank. Größere Beträge auf mehrere Banken verteilen.
- Sparen und Investieren verwechseln. Flexibles Sparen schützt vor Verlusten, schlägt aber langfristig kaum die Inflation. Für Ziele jenseits von fünf Jahren gehören Wertpapiere ins Depot – nicht alles aufs Tagesgeld.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Kinder und Sparer-Pauschbetrag: Auch minderjährige Kinder haben einen eigenen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € pro Jahr. Ein Freistellungsauftrag für das Kinderkonto kann sich lohnen – die Eltern erteilen ihn als gesetzliche Vertreter.
- Auslandsbanken ohne Freistellungsauftrag: Manche Banken – gerade über Zinsplattformen – lassen keinen Auftrag zu. Dann werden die Zinsen brutto gutgeschrieben und du gibst sie in der Anlage KAP deiner Steuererklärung an; der Pauschbetrag wird dort angerechnet.
- Gemeinschaftskonten: Bei Paaren mit Gemeinschaftskonto kann ein gemeinsamer Freistellungsauftrag über 2.000 € erteilt werden – das geht meist nur per Formular, nicht online.
- Kirchensteuer: Bist du kirchensteuerpflichtig, behält die Bank auch Kirchensteuer auf die Kapitalerträge ein – es sei denn, du hast der Weitergabe deines Kirchensteuermerkmals widersprochen und erklärst sie selbst.
- Betriebliche Sparformen: Vermögenswirksame Leistungen oder betriebliche Altersvorsorge folgen anderen Regeln – dafür gibt es eigene Rechner.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis beantwortet drei Fragen – und der Spar-Rechner rechnet alle drei Varianten mit deinen Zahlen: mit und ohne Freistellungsauftrag, mit und ohne Zinsänderung. Erstens: Reicht die Sparrate für dein Ziel?
Wenn bei 200 € im Monat nach fünf Jahren 23.400 € rauskommen, du aber 30.000 € brauchst, musst du früher anfangen, mehr sparen oder das Ziel anpassen – der Zins allein rettet es nicht. Zweitens: Ist die Steuer optimiert?
Liegen deine Jahreszinsen unter 1.000 €, gehört ein Freistellungsauftrag auf das Konto – sonst verschenkst du Geld. Drittens: Stimmt die Aufteilung?
Notgroschen (3–6 Monatsgehälter) flexibel parken, Sparziele bis drei Jahre ebenfalls – alles darüber hinaus gehört in eine Anlage mit höherer erwarteter Rendite. Der Sparrechner zeigt dir die Zahlen; die Aufteilung ist deine Entscheidung.