So funktioniert die Berechnung im ueberstunden-rechner
Die Rechnung läuft in vier Schritten – jeder davon hat eine Stolperfalle:
Schritt 1: Dein Stundenlohn. Es gibt zwei anerkannte Methoden.
Die BAG-Formel: Monatsbrutto × 3 ÷ 13 ÷ Wochenstunden. Oder die Faktormethode: Monatsbrutto ÷ (Wochenstunden × 4,33).
Beide liefern fast identische Werte (bei 2.500 € und 40 h: 14,42 € vs. 14,43 €).
Der Rechner nutzt die BAG-Formel als Standard und zeigt die Faktormethode als Kontrolle – so siehst du sofort, wenn irgendwo ein Eingabefehler steckt.
Schritt 2: Der Überstunden-Stundenlohn. Stundenlohn × (1 + Zuschlag).
Der Zuschlag ist kein gesetzlicher Anspruch – er gilt nur, wenn Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung ihn vorsehen. Üblich sind 25 bis 50 % auf den Stundenlohn, erst ab Überschreitung deiner vertraglichen Regelstunden.
Schritt 3: Brutto-Auszahlung. Überstunden-Stundenlohn × Anzahl der Stunden. Das ist dein laufender Arbeitslohn für diesen Monat – mit einer Ausnahme (dazu unten mehr).
Schritt 4: Netto-Schätzung. Auf die Brutto-Auszahlung fallen Lohnsteuer (nach deiner Steuerklasse und deinem Grenzsteuersatz) und rund 21,5 % Sozialversicherungsbeiträge an.
Der Rechner schätzt das Netto transparent mit ausgewiesenen Annahmen – für die exakte Abrechnung bleibt die Lohnabrechnung deines Arbeitgebers maßgeblich. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Exaktes Netto vom Brutto berechnen heranziehen.
Die wichtigste Richtigstellung vorweg: Es gibt 2026 keine pauschal steuerfreien Überstunden. Die Grundvergütung jeder Überstunde ist steuer- und abgabenpflichtig wie dein normales Gehalt.
Steuerfrei sein können nur Zuschläge für besondere Arbeitszeiten nach § 3b EStG – siehe nächste Sektion.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Steuerlich 2026: An der Grundregel ändert sich nichts – Überstundenverdienst bleibt laufender Arbeitslohn. Die §-3b-Grenzen (siehe Tabelle unten) sind gesetzlich fixiert und wurden nicht angehoben. Wichtig zu wissen: Seit dem 1. Januar 2025 können Arbeitgeber die Fünftelregelung für nachgezahlte Überstunden nicht mehr im Lohnsteuerabzug anwenden – sie geht nur noch über deine Einkommensteuererklärung (Zeile 10 der Lohnsteuerbescheinigung beachten).
Mindestlohn-Effekt: Mit 13,90 € Mindestlohn steigt auch die Basis, aus der sich Überstunden-Stundenlöhne ableiten. Wer zum Mindestlohn arbeitet und Überstunden mit 25 % Zuschlag bekommt, liegt bei 17,38 € pro Überstunde brutto.
2027: Keine beschlossene Änderung speziell für Überstunden. Der Mindestlohn steigt auf 14,60 € – dadurch erhöht sich auch der Mindest-Überstundenlohn rechnerisch mit.
Beispielrechnung
Im ueberstunden-rechner gibst du dein Monatsbrutto, deine Wochenstunden, die Überstundenzahl, deinen Zuschlag und deine Steuerklasse ein. Hier das komplette Beispiel: 2.500 € brutto, 40 Stunden/Woche, 10 Überstunden, 25 % Zuschlag, Steuerklasse 1.
- Stundenlohn (BAG-Formel): 2.500 × 3 ÷ 13 ÷ 40 = 14,42 €
- Überstunden-Stundenlohn: 14,42 × 1,25 = 18,03 €
- Brutto-Auszahlung: 10 × 18,03 = 180,30 €
- Lohnsteuer (Annahme Grenzsteuersatz 25 %): −45,08 €
- Sozialabgaben (Annahme 21,5 %): −38,77 €
- Netto-Auszahlung: rund 96,45 €
Von 180,30 € brutto bleiben also gerade einmal 96,45 € übrig – 53 % werden von Steuern und Abgaben aufgefressen. Genau deshalb lohnt der Vergleich mit dem Freizeitausgleich: 10 Stunden Freizeit entsprechen 180,30 € Bruttowert, ganz ohne Abzüge.
Der Unterschied zwischen Auszahlung und Freizeit liegt je nach Grenzsteuersatz bei 35–45 % zugunsten der Freizeit.
Typische Fehler
- "Überstunden sind steuerfrei" geglaubt. Der häufigste Irrtum überhaupt. Steuerfrei ist nur der §-3b-Zuschlag für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit – die Grundvergütung der Überstunde ist immer steuerpflichtig.
- Zuschlag mit §-3b-Zuschlag verwechselt. Der Überstundenzuschlag (z. B. 25 % für Mehrarbeit) und der Nacht-/Sonntagszuschlag nach § 3b können nebeneinander bestehen – in der Lohnabrechnung müssen sie getrennt ausgewiesen werden.
- Mit 4 Wochen statt 4,33 gerechnet. Wer den Stundenlohn mit Monatsbrutto ÷ (Stunden × 4) ermittelt, liegt rund 8 % daneben – und damit auch jede Überstundenvergütung.
- Abgeltungsklausel für wirksam gehalten. Pauschale Formulierungen wie "anfallende Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten" sind unwirksam (BAG, Urteil vom 16.05.2012 – 5 AZR 347/11). Ohne wirksame Regelung hast du Anspruch auf Vergütung.
- Fünftelregelung für normale Überstunden erwartet. Die ermäßigte Besteuerung nach § 34 EStG greift nur bei Nachzahlungen für mehr als zwölf Monate über mehrere Veranlagungszeiträume hinweg – nicht für deine laufenden Monatsüberstunden.
- 50-€-Deckel bei § 3b übersehen. Die Steuerfreiheit der Zuschläge gilt nur, wenn dein Grundlohn höchstens 50 € pro Stunde beträgt. Darüber ist auch der Zuschlag steuerpflichtig.
Sonderfälle / Ausnahmen
Steuerfreie Zuschläge nach § 3b EStG. Nur der Zuschlag – zusätzlich zum Grundlohn gezahlt – ist steuerfrei, und nur bis zu diesen Grenzen:
| Arbeitszeit | Max. steuerfreier Zuschlag | Zeitraum |
|---|---|---|
| Nachtarbeit | 25 % (20–24 Uhr und 4–6 Uhr: 20 %) | 20:00–06:00 Uhr |
| Sonntagsarbeit | 50 % | Sonntag 0–24 Uhr |
| Gesetzliche Feiertage | 125 % | Feiertag 0–24 Uhr |
| 24.12. und 31.12. ab 14 Uhr | 125 % | ab 14:00 Uhr |
| 25.12., 26.12., 1. Mai | 150 % | ganzer Tag |
Voraussetzungen: Der Zuschlag muss zusätzlich zum Grundlohn gezahlt werden, und der Grundlohn darf 50 € pro Stunde nicht übersteigen. Sozialversicherungsfrei sind diese Zuschläge innerhalb der Grenzen ebenfalls.
Freizeitausgleich statt Auszahlung. Die oft bessere Alternative: Überstunden werden als Freizeit genommen – "Brutto für Brutto", ohne Steuern und Abgaben.
Für beide Seiten planbar über ein Arbeitszeitkonto; Salden monatlich prüfen. Faustregel: Freizeit ist 35–45 % mehr wert als die Auszahlung. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Stunden reduzieren statt Überstunden sammeln?.
Zeitversetzte Abrechnung. Kann der Arbeitgeber Überstunden nicht im Erarbeitungsmonat abrechnen (z. B. wegen frühem Abrechnungsschluss), darf er sie regelmäßig im Folge- oder Übernächsten Monat abrechnen – die Verbeitragung erfolgt dann im Auszahlungsmonat (Vereinfachungsregelung, einmalig mit der Einzugsstelle abzustimmen).
Fünftelregelung (§ 34 EStG). Nur relevant, wenn Überstundenvergütungen für mehr als zwölf Monate nachträglich über mehrere Kalenderjahre nachgezahlt werden.
Dann wird die Progressionsmilderung ausschließlich über die Einkommensteuererklärung beantragt – der Arbeitgeber weist die Nachzahlung in Zeile 10 der Lohnsteuerbescheinigung gesondert aus.
Jahresarbeitsentgeltgrenze. Überstundenvergütungen zählen bei der Prüfung der Versicherungspflichtgrenze in der Krankenversicherung nicht mit – sie können dich also nicht aus der gesetzlichen Krankenversicherung katapultieren.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Der ueberstunden-rechner zeigt dir deinen echten Überstunden-Stundenlohn, die geschätzte Netto-Auszahlung und den Freizeit-Gegenwert derselben Stunden. Nutze das so: Liegt dein Zuschlag nur bei 25 % und dein Grenzsteuersatz hoch, ist Freizeitausgleich fast immer die bessere Wahl – du bekommst 100 % des Bruttowerts als Zeit statt 55 % als Geld. Prüfe außerdem deine Lohnabrechnung: Sind Grundvergütung und §-3b-Zuschläge sauber getrennt ausgewiesen? Steht in deinem Vertrag wirklich ein Zuschlag, oder arbeitest du ihn "ehrenamtlich"? Und wenn du regelmäßig Überstunden machst, vereinbare schriftlich, ob sie ausgezahlt oder in Freizeit umgewandelt werden – bevor das Arbeitszeitkonto überläuft.