So funktioniert der unternehmensbewertung-rechner
Der Rechner wendet alle drei Verfahren auf deine Zahlen an und zeigt die Spanne. Verfahren 1 — Multiplikator: Unternehmenswert = EBIT (oder EBITDA) × Branchen-Multiple.
Die Multiples stammen aus aktuellen Marktstudien 2026: Für KMU-Transaktionen in der DACH-Region liegt der durchschnittliche EBITDA-Multiple bei 5,4 (Dealsuite European M&A Monitor, H1-2026) — bei börsennotierten Vergleichsunternehmen deutlich höher, zum Beispiel 13,3x bei Software, 10,7x im Maschinenbau oder 7,3x bei Dienstleistungen (Grant Thornton Valuation Insights, 31.05.2026, Forward-Multiples). Der Rechner arbeitet mit KMU-Transaktionsmultiples als Basis und schlägt dir den passenden Branchenkorridor vor.
Verfahren 2 — Ertragswert (IDW S 1): Unternehmenswert = nachhaltiger Jahresertrag ÷ Kapitalisierungszinssatz. Das ist der in Deutschland anerkannte Standard für die Unternehmensbewertung; der Kapitalisierungszinssatz bildet Basiszins plus Risikozuschlag ab.
Verfahren 3 — DCF: Unternehmenswert = Summe der abgezinsten freien Cashflows + abgezinster Endwert (Terminal Value). Du gibst die geplanten Cashflows der nächsten Jahre, den Abzinsungssatz (typischerweise die Kapitalkosten, WACC) und die ewige Wachstumsrate ein.
Der entscheidende Schritt ist die Synthese: Die drei Verfahren liefern drei Werte, die selten identisch sind. Der Rechner zeigt dir die Spanne und markiert, welches Verfahren bei deinem Unternehmenstyp das meiste Gewicht verdient — bei stabilen Gewinnen der Ertragswert, bei starkem Wachstum der DCF, bei vergleichbaren Markttransaktionen der Multiplikator.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Die Bewertungsstandards sind stabil: IDW S 1 bleibt der Maßstab für das Ertragswertverfahren, und an den Formeln ändert sich nichts. Was sich ändert, sind die Marktpreise — und damit die Multiples.
Der europäische Durchschnitts-EBITDA-Multiple für KMU-Transaktionen liegt im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3, die DACH-Region bei 5,4 (Dealsuite, September 2026) — also praktisch stabil gegenüber dem Vorjahr. Die Branchenunterschiede bleiben groß: Software und Maschinenbau handeln deutlich über dem Durchschnitt, Handel und Gebrauchsgüter darunter. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Welche Rechtsform passt zu deinem Unternehmen? heranziehen.
Für 2027 gibt es keine angekündigten Änderungen an den Bewertungsstandards. Was du im Blick behalten solltest: Steigende oder fallende Kapitalmarktzinsen verschieben den Kapitalisierungszinssatz im Ertragswertverfahren und den WACC im DCF — bei höheren Zinsen sinkt der Unternehmenswert rechnerisch.
Der Rechner aktualisiert die Branchen-Multiples jährlich, sodass deine Bewertung nicht mit veralteten Faktoren arbeitet.
Beispielrechnung: Maschinenbau-Betrieb, 500.000 € EBITDA
Ein inhabergeführter Maschinenbauer, 3,2 Mio. € Umsatz, 500.000 € EBITDA, nachhaltiger Jahresertrag 400.000 €. Alle drei Verfahren am selben Unternehmen:
Multiplikatorverfahren: 500.000 € EBITDA × 7,0 (illustrativer KMU-Korridor für Industrie, zwischen DACH-Transaktionsdurchschnitt 5,4 und Börsenmedian 10,7) = 3.500.000 €.
Ertragswertverfahren (IDW S 1): 400.000 € nachhaltiger Ertrag ÷ 0,08 (Kapitalisierungszinssatz 8 %, beispielhafte Annahme) = 5.000.000 €.
DCF-Verfahren: Freier Cashflow 300.000 € pro Jahr über 5 Jahre, Abzinsung 10 %, ewiges Wachstum 1 %. Barwert der 5 Cashflows: 300.000 € × 3,7908 = 1.137.237 €. Endwert: 303.000 € ÷ 0,09 = 3.366.667 €, abgezinst 2.090.426 €. Summe: 3.227.663 €, also rund 3,23 Mio. €. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Steuerbelastung deines Unternehmens berechnen.
Ergebnisspanne: 3,23 bis 5,0 Mio. €. Der unternehmensbewertung-rechner markiert die Schnittmenge: Multiplikator und DCF liegen nah beieinander (3,2–3,5 Mio. €) — ein starkes Signal, dass der faire Transaktionspreis eher in diesem Bereich liegt als beim theoretischen Ertragswert.
Typische Fehler
- Börsen-Multiples auf KMU anwenden. 13,3x EBITDA bei börsennotierter Software heißt nicht 13,3x für deinen Betrieb — der Small-Firm-Premium zieht bei kleinen Transaktionen deutlich ab (DACH-KMU-Schnitt: 5,4x).
- Nur ein Verfahren rechnen. Jede Methode hat blinde Flecken; erst die Spanne aus zwei bis drei Verfahren ist verhandlungsfest.
- Einmalige Sondereffekte im Ertrag mischen. Corona-Nachholeffekte, Einmalaufträge oder Inhaber-Sonderkosten verzerren den "nachhaltigen" Ertrag — bereinige sie.
- Wachstum doppelt zählen. Wer im DCF hohes Wachstum und gleichzeitig einen hohen Multiple ansetzt, bewertet dasselbe Wachstum zweimal.
- Schulden und Kasse vergessen. Multiplikatorwerte beziehen sich auf den Unternehmensgesamtwert (Enterprise Value) — Bankschulden abziehen, Kasse dazurechnen, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
- Steuern ignorieren. Der Käufer zahlt den Preis aus versteuertem Geld; die Nachsteuer-Betrachtung gehört in jede Verkaufsplanung.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Verlustunternehmen: Negative EBITs machen Multiplikatoren sinnlos — hier zählen Umsatz-Multiples oder der Substanzwert (Vermögen minus Schulden) als Untergrenze.
- Personenabhängige Betriebe: Ist der Wert an den Inhaber gebunden (Berater, Arztpraxis), zieht der Markt einen deutlichen Abschlag ab — der Käufer kauft das Risiko des Weggangs gleich mit.
- Start-ups ohne Gewinne: Klassische Verfahren versagen; üblich sind Umsatz-Multiples, Meilenstein-Bewertungen oder die Venture-Capital-Methode — der Rechner weist in diesem Fall auf die Grenzen hin.
- Immobilien im Betriebsvermögen: Betriebsnotwendige Immobilien werden mitbewertet, nicht betriebsnotwendige separat — sonst verzerrt der Immobilienwert die operative Bewertung.
- Minderheitsanteile: Für Anteile unter 50 % gelten Abschläge (Fungibilitäts- und Minderheitenabschlag) von oft 20–30 % gegenüber dem anteiligen Gesamtwert.
- Saisonale Schwankungen: Bei stark saisonalen Geschäften rechnet der Rechner mit dem Zwölf-Monats-Durchschnitt statt mit dem besten Quartal.
- Konzernverflechtungen: Verrechnungspreise mit verbundenen Unternehmen müssen auf Fremdvergleichsniveau bereinigt werden, sonst ist der Ertrag nicht nachhaltig.
- Nachfolge in der Familie: Hier spielen neben dem Marktwert auch Schenkungsteuer-Freibeträge und Verschonungsregeln eine Rolle — der steuerlich optimale Preis weicht oft vom Marktpreis ab.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Die Wertspanne ist deine Verhandlungsbasis: Der untere Rand ist dein Schmerzpunkt, der obere Rand dein Wunschpreis — dazwischen liegt der realistische Deal, wie ihn der unternehmensbewertung-rechner ausweist. Nutze die Spanne, um Kaufinteressenten zu filtern: Wer deutlich unter dem unteren Rand bietet, verhandelt nicht ernsthaft.
Bereite außerdem die Unterlagen vor, die jeder Käufer sehen will: drei Jahre Bilanzen und BWA, Kundenstruktur, Verträge mit Schlüsselmitarbeitern, Auftragsbestand.
Und ein ehrlicher Hinweis: Dieser Rechner ersetzt keine professionelle Unternehmensbewertung — er gibt dir die Größenordnung und die Argumente. Für den tatsächlichen Verkauf brauchst du einen Wirtschaftsprüfer oder M&A-Berater mit IDW-S-1-Gutachten, gerade wenn es um Nachfolge, Scheidung oder Erbauseinandersetzung geht.
Die Kosten dafür (oft 5.000–25.000 € je nach Unternehmensgröße) sind im Verhältnis zum Transaktionsvolumen gut investiert.