So funktioniert der altersvorsorgedepot-rechner
Der Rechner arbeitet in vier Schritten – von der Förderfähigkeit bis zur Depotprojektion.
Schritt 1: Förderfähigkeit prüfen. Du gibst dein Alter, deinen geplanten Jahresbeitrag und die Zahl deiner Kinder an.
Liegt dein Beitrag unter 120 Euro im Jahr, weist der Rechner dich darauf hin, dass du die Mindestschwelle verfehlst – erst ab 120 Euro greift die volle Förderlogik.
Schritt 2: Zulage aus der Förderstaffel berechnen. Die Formel folgt der veröffentlichten Staffel: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Cent Zulage je Euro (also bis zu 180 Euro), auf die weiteren 1.440 Euro bis zum Maximalbeitrag von 1.800 Euro gibt es 25 Cent je Euro (bis zu 360 Euro).
Zusammen ergibt das die maximale Grundzulage von 540 Euro im Jahr – eine Förderquote von mindestens 30 Prozent. Dazu kommt die Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr.
Berufseinsteiger bis 25 erhalten einmalig 200 Euro Bonus.
Schritt 3: Depotwert projizieren. Eigenbeitrag plus Zulagen fließen als Jahresraten in die Projektion ein.
Der Rechner zeigt drei Renditeszenarien (zum Beispiel 4, 6 und 8 Prozent pro Jahr nach Kosten), damit du siehst, wie stark die Renditeannahme das Ergebnis über Jahrzehnte verändert. Die Kostenobergrenze von 1 Prozent für das Standarddepot ist dabei als Parameter hinterlegt – die bereits angekündigten Anbieterangebote (Deka 0,1 Prozent, Trade Republic 0 Euro Depotgebühr) liegen deutlich darunter, was der Rechner im Kostenvergleich sichtbar macht.
Schritt 4: Riester-Vergleich. Zum Schluss stellt der Rechner das Ergebnis dem klassischen Riester-Modell gegenüber: 175 Euro Grundzulage, 185 beziehungsweise 300 Euro Kinderzulage, aber dafür die 4-Prozent-Eigenbeitragsregel und die teure Beitragsgarantie im Versicherungsmantel.
So erkennst du auf einen Blick, wo das neue System mehr Förderung und wo es mehr Eigenverantwortung bedeutet.
Was ändert sich 2026 und 2027?
2026 ist das Entscheidungsjahr, 2027 das Startjahr. Das Altersvorsorgereformgesetz wurde im Frühjahr 2026 verabschiedet und ist bereits in Kraft – die neuen Produkte dürfen aber erst ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Das hat konkrete Folgen für dich:
Erstens: 2026 ist das letzte Jahr für Riester-Neuverträge. Wer noch einen klassischen Riester-Vertrag abschließen will – etwa wegen der vertrauten Mechanik –, muss das bis zum 31. Dezember 2026 tun. Ab 2027 gibt es für Neuverträge nur noch das Altersvorsorgedepot.
Zweitens: Dein bestehender Riester-Vertrag bleibt gültig. Es gibt Bestandsschutz, und der Wechsel ins neue System ist freiwillig. Kündige also nichts überstürzt – ein gut laufender Vertrag mit hohen Zulagen kann sich weiter lohnen. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Vergleiche die alte Förderung: Grundzulage 175 € und 4-Prozent-Regel heranziehen.
Drittens: Der Anbieter-Preiskampf läuft bereits. Obwohl die Produkte erst 2027 starten, haben mehrere Anbieter Konditionen angekündigt: Die Deka plant ein Standarddepot mit 0,1 Prozent Effektivkosten pro Jahr, die Deutsche Bank will in den ersten beiden Jahren ebenfalls 0,1 Prozent (danach 0,28 Prozent), Trade Republic und Scalable Capital haben gebührenfreie Depots angekündigt.
Die gesetzliche Obergrenze liegt bei 1 Prozent – der Wettbewerb drückt die Preise also schon vor dem Start deutlich darunter.
Viertens: Die Frühstart-Rente ergänzt das Bild. Rückwirkend zum 1. Januar 2026 erhalten Kinder ab dem 6.
Lebensjahr 10 Euro monatlich als staatliche Förderung für die eigene Altersvorsorge. Das ist ein separates Instrument – Details dazu findest du auf der Seite zum Frühstart-Rente-Rechner.
Beispielrechnung
Nehmen wir eine 32-jährige Angestellte, die ab 2027 monatlich 150 Euro einzahlt – also 1.800 Euro im Jahr, genau den Maximalbeitrag. (Eigene Modellrechnung, Annahmen transparent ausgewiesen.)
Zulage: Auf die ersten 360 Euro gibt es 50 Cent je Euro = 180 Euro; auf die restlichen 1.440 Euro gibt es 25 Cent je Euro = 360 Euro. Macht 540 Euro Grundzulage im Jahr – die volle Förderung, exakt so wie sie der altersvorsorgedepot-rechner aus deiner Sparrate ableitet.
Zusammen mit dem Eigenbeitrag fließen also 2.340 Euro pro Jahr ins Depot. Die Sofortrendite beträgt damit 30 Prozent, bevor ein einziger Euro Kursgewinn entstanden ist.
Depotprojektion: 35 Jahre Ansparzeit (32 bis 67) bei 6 Prozent Rendite pro Jahr nach Kosten ergeben einen Depotwert von rund 260.757 Euro. Davon sind 81.900 Euro eigene Beiträge und 18.900 Euro staatliche Zulagen – der Rest ist Zinseszins.
Bei 4 Prozent wären es rund 173.500 Euro, bei 8 Prozent rund 402.000 Euro: Zwei Prozentpunkte Renditedifferenz verändern das Ergebnis um über 140.000 Euro.
Riester-Vergleich: Dieselbe Sparerin hätte im alten System bei 45.000 Euro Jahreseinkommen einen Mindesteigenbeitrag von 4 Prozent (1.800 Euro) minus 175 Euro Zulage zahlen müssen – also 1.625 Euro Eigenbeitrag für 175 Euro Zulage. Bei einer vorsichtigen 3-Prozent-Rechnung (Versicherungsmantel mit Garantiekosten) ergäben 1.800 Euro Jahresgesamtbeitrag über 35 Jahre nur rund 108.800 Euro.
Der Unterschied zeigt den Kern der Reform: mehr Förderung, mehr Renditechance – aber auch mehr Marktrisiko, weil die Beitragsgarantie entfallen kann.
Typische Fehler
Bis 2027 warten und 2026 verschenken. Die Produkte starten erst 2027, aber wer noch einen Riester-Neuvertrag will, muss bis Ende 2026 handeln. Und wer 2027 starten will, sollte Anbieter und Sparrate jetzt schon vergleichen.
Den Maximalbeitrag mit einer Pflicht verwechseln. 1.800 Euro sind die Obergrenze für die volle Förderung, kein Muss. Auch mit 600 oder 1.200 Euro im Jahr bekommst du anteilig Zulagen – der Rechner zeigt dir die Förderquote für jede Sparrate.
Die Kinderzulage vergessen. Bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr sind viel Geld – sie müssen aber dem richtigen Vertrag zugeordnet werden. Prüfe, welcher Elternteil den Zulagenantrag stellt.
Nur auf die Zulage schauen, die Kosten ignorieren. Die gesetzliche Obergrenze von 1 Prozent Effektivkosten ist ein Deckel, kein Zielwert. Zwischen 1 Prozent und 0,1 Prozent liegen über 35 Jahre schnell fünfstellige Beträge.
Die Steuer auf die Auszahlung vergessen. Anders als oft angenommen ist das Depot in der Ansparphase steuerlich begünstigt – die Auszahlungen unterliegen später grundsätzlich der Einkommensteuer (nachgelagerte Besteuerung). Plane das bei der Rentenlücken-Rechnung ein.
Den Riester-Vertrag vorschnell kündigen. Bestandsschutz gilt, und die Zulagen bereits angesparter Verträge bleiben erhalten. Ein Wechsel ist freiwillig – rechne beide Varianten durch, bevor du kündigst. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer 10 € monatlich für Kinder ab 6 Jahren – die Förderung daneben.
Sonderfälle und Ausnahmen
Selbstständige: Anders als oft vermutet sind nicht nur Angestellte förderberechtigt. Auch Selbstständige, die über ein Versorgungswerk rentenversichert sind (zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte), können vom Altersvorsorgedepot profitieren – ein deutlicher Unterschied zum alten Riester-System.
Mittelbar Berechtigte: Wer nur über den Ehepartner zulagenberechtigt ist, sollte die Förderfähigkeit für das neue System gesondert prüfen – die Berechtigtenkreise folgen der Reformlogik, nicht automatisch der alten Riester-Logik.
Berufseinsteiger: Der einmalige Bonus von 200 Euro gilt nur bis zum 25. Lebensjahr. Wer 2026 noch 24 ist und 2027 startet, sollte prüfen, ob der Bonus noch greift.
Auszahlungsphase: Anders als bei Riester ist keine lebenslange Verrentung zwingend vorgesehen – auch Entnahmepläne sind möglich. Das erhöht die Flexibilität, verlagert aber das Langlebigkeitsrisiko auf dich.
Die genaue Ausgestaltung der Auszahlungsoptionen legen die Anbieter ab 2027 fest.
Depotwechsel: Ob und wie ein Wechsel des Anbieters während der Ansparphase möglich ist, regeln die Vertragsbedingungen der Anbieter – vergleiche vor Abschluss die Wechselkonditionen, nicht nur die Startkosten.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Dein Ergebnis besteht aus drei Zahlen: der voraussichtlichen Jahreszulage, dem projizierten Depotwert bei Rentenbeginn und der Förderquote (Zulagen geteilt durch Gesamtbeitrag). Daraus leitest du deine nächsten Schritte ab:
Liegt deine Förderquote unter 30 Prozent, zahlst du entweder zu wenig ein (unter 120 Euro) oder verschenkst Potenzial bis zum Maximalbeitrag. Prüfe, ob eine höhere Sparrate in dein Budget passt – der größte Hebel ist fast immer die Zeit: Jeder Monat früher Start schlägt jede Optimierung der Kosten.
Nutze 2026 als Vorbereitungsjahr: Vergleiche die angekündigten Anbieter, kläre die Kinderzulagen-Zuordnung und entscheide, ob ein Riester-Neuvertrag bis Jahresende für dich noch Sinn ergibt. Und wenn du für deine Kinder vorsorgen willst, wirf einen Blick auf die Frühstart-Rente – sie läuft parallel und unabhängig vom Depot.