So arbeitet der mietrendite-rechner: Brutto- und Nettorendite
Du gibst den Kaufpreis und die monatliche Nettokaltmiete ein – also die Miete ohne Betriebs- und Heizkosten, denn nur sie gehört dir als Ertrag. Daraus bildet der Rechner die Jahresnettokaltmiete (Monatsmiete × 12) und die Bruttomietrendite: Jahresnettokaltmiete ÷ Kaufpreis × 100. Das ist deine Schnellkennzahl für den Angebotsvergleich. Für die Nettomietrendite trägst du zusätzlich ein: die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer 3,5 bis 6,5 Prozent je Bundesland, Notar und Grundbuch rund 1,5 bis 2 Prozent, Makler bis 3,57 Prozent – zusammen schnell 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises) sowie die laufenden nicht umlagefähigen Kosten pro Jahr: Verwaltung, Instandhaltungsrücklage und ein Mietausfallwagnis. Die Formel: (Jahresnettokaltmiete − laufende Kosten) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100. Der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Rechnern: Die Kaufnebenkosten stehen bei uns im Nenner – denn sie sind Teil deines tatsächlich eingesetzten Kapitals. Wer sie weglässt, schönt seine Rendite um rund einen Prozentpunkt.
Was ändert sich 2026 / 2027?
Die Kennzahlen selbst sind zeitlos – was sich ändert, sind die Marktwerte, die du einträgst: Kaufpreise und Mieten bewegen sich, die Formeln nicht. Auf der Kostenseite bleiben die Rahmenwerte 2026 stabil: Grunderwerbsteuer 3,5 bis 6,5 Prozent je Bundesland, Notar- und Grundbuchkosten rund 1,5 bis 2 Prozent, Maklerprovision maximal 3,57 Prozent je Seite nach § 656c BGB. Für 2027 sind mit Stand Oktober 2026 keine Änderungen an diesen Sätzen angekündigt. Steuerlich bleiben Mieteinnahmen als Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zu versteuern – die Abgeltungsteuer von 26,375 Prozent und der Freistellungsauftrag von 1.000 bzw. 2.000 Euro betreffen Kapitalerträge, nicht Mieteinnahmen. Trage deshalb immer aktuelle Angebotsdaten ein, statt dich auf Vorjahreswerte zu verlassen. Stand: Oktober 2026.
Beispielrechnung
Eine Eigentumswohnung kostet 250.000 Euro, die monatliche Nettokaltmiete beträgt 850 Euro. Schritt eins: Jahresnettokaltmiete = 850 × 12 = 10.200 Euro. Schritt zwei: Bruttomietrendite = 10.200 ÷ 250.000 × 100 = 4,08 Prozent – auf den ersten Blick ein solides Angebot im "guten" Bereich. Schritt drei: Kaufnebenkosten – angenommen 10 Prozent = 25.000 Euro – also Kapitaleinsatz 275.000 Euro. Schritt vier: laufende Kosten pro Jahr – Verwaltung 300 Euro, Instandhaltungsrücklage 1.200 Euro, Mietausfallwagnis 2 Prozent der Jahresmiete = 204 Euro – zusammen 1.704 Euro. Schritt fünf: Nettomietrendite = (10.200 − 1.704) ÷ 275.000 × 100 = 3,09 Prozent. Die ehrliche Rendite liegt also fast einen vollen Prozentpunkt unter der Bruttozahl und rutscht in den "akzeptablen" Bereich. Genau deshalb zeigt der mietrendite-rechner beide Kennzahlen nebeneinander: Die Bruttorendite filtert Angebote in Sekunden, aber erst die Nettorendite sagt dir, ob sich der Kauf wirklich rechnet.
Typische Fehler
Erstens: Brutto für Netto halten. Die Bruttomietrendite ignoriert sämtliche Kosten – wer Kaufentscheidungen darauf stützt, kauft systematisch zu teuer ein. Zweitens: Kaufnebenkosten aus dem Nenner streichen. 25.000 Euro Nebenkosten bei 250.000 Euro Kaufpreis sind 10 Prozent mehr Kapitaleinsatz, die ebenfalls Rendite bringen müssen. Drittens: mit der Warmmiete rechnen. Betriebs- und Heizkosten leitest du nur durch – sie sind kein Ertrag und blähen die Rendite künstlich auf. Viertens: Leerstand vergessen. Ein Monat Leerstand pro Jahr frisst über 8 Prozent deiner Jahresmiete – plane ein Mietausfallwagnis von mindestens 2 Prozent ein. Fünftens: Instandhaltung unterschätzen. Auch vermietete Wohnungen altern; ohne Rücklage frisst die erste größere Reparatur mehrere Jahresrenditen. Sechstens: Finanzierungskosten in die Objektrendite mischen. Zinsen gehören in die Eigenkapitalrendite, nicht in die Objektrendite – sonst vergleichst du Angebote mit unterschiedlicher Finanzierung falsch.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Fremdkapital-Hebel: Finanzierst du, zählt die Eigenkapitalrendite: (Jahresüberschuss nach Kosten und Zinsen) ÷ eingesetztes Eigenkapital × 100. Beispiel mit Annahmen: 200.000 Euro Darlehen zu 3,5 Prozent = 7.000 Euro Zinsen pro Jahr; Überschuss = 10.200 − 1.704 − 7.000 = 1.496 Euro; bei 75.000 Euro Eigenkapital sind das 1,99 Prozent. Der Hebel wirkt nur positiv, wenn der Darlehenszins unter der Nettomietrendite liegt – hier (3,5 % > 3,09 %) frisst er Rendite statt sie zu hebeln.
- Möblierte Vermietung oder WG-Vermietung: höhere Mieten, aber auch höherer Verschleiß, mehr Verwaltung und Leerstandsrisiko – rechne mit erhöhten Kostenansätzen.
- Denkmal- oder Sanierungsobjekte: Sonderabschreibungen können die Nachsteuerrendite deutlich verbessern; die Bruttorendite allein erzählt dann nur die halbe Geschichte.
- Teilselbstnutzung: Wird ein Teil der Immobilie selbst bewohnt, rechne die Rendite nur auf den vermieteten Anteil – Mieteinnahmen und Kosten sauber aufteilen.
- Erbpachtgrundstücke: Der Erbbauzins ist ein laufender Kostenblock, der die Nettorendite dauerhaft drückt – unbedingt einrechnen.
- Hohe Rendite in strukturschwacher Lage: 7 Prozent Rendite nützen wenig, wenn Mieter ausbleiben oder die Kaufpreise fallen – Rendite ohne Lage- und Leerstandsrisiko zu lesen ist der häufigste Anlegerfehler.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Bevor du den mietrendite-rechner mit einem konkreten Angebot fütterst, lege deine Zielrendite fest: Was muss die Immobilie nach allen Kosten mindestens bringen, damit sie gegenüber anderen Anlagen besteht? Liegt die Nettorendite darunter, verhandle den Kaufpreis nach – jeder Prozentpunkt weniger Kaufpreis hebt die Rendite spürbar – oder lege das Angebot beiseite. Liegt sie darüber, prüfe als Nächstes Lage, Mieterstruktur und Substanz: Eine gute Rendite auf dem Papier wird erst mit einem vermietbaren Objekt in stabiler Lage eine gute Anlage. Vergleiche außerdem immer Nettorenditen miteinander, nie brutto mit netto. Und ein letzter Realitätscheck: Diese Rechnung ist vor Steuern – wie viel von den Mieteinnahmen nach Versteuerung übrig bleibt, hängt von deinem persönlichen Steuersatz ab. Diese Informationen ersetzen keine Steuer- oder Anlageberatung, aber sie geben dir die Fragen an die Hand, die du deinem Berater stellen solltest.