So funktioniert der Rendite-Rechner: vom Bruttoertrag zur Nettorendite
Du gibst Startkapital, Einzahlungen, Laufzeit und die angenommene Bruttorendite ein. Der Rechner zieht dann drei Schichten ab – in dieser Reihenfolge, weil jede Schicht auf dem Ergebnis der vorherigen aufbaut.
Schicht 1: Kosten. Fondsmanager, Depot und Transaktionen kosten Geld, auch wenn du sie kaum spürst.
Die wichtigste Kennzahl ist die Kostenquote (TER) bei Fonds und ETFs. Die Verbraucherzentrale Hamburg rechnet in ihrem Renditevergleich mit Kosten von 0,5 % pro Jahr für Aktienanlagen – eine realistische Annahme für einen aktiv gemanagten Fonds oder ein Depot mit mehreren Positionen; ein einfacher ETF liegt meist deutlich darunter.
Kosten wirken wie eine dauerhafte Gegenrendite: Bei 7 % Brutto und 0,5 % Kosten bleiben 6,5 % – über zehn Jahre frisst das rund 900 € von 10.000 € Startkapital.
Schicht 2: Steuern. Auf Gewinne aus Kapitalvermögen greift die Abgeltungsteuer: 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer, also effektiv 26,375 % (Kirchensteuer würde noch dazukommen).
Zwei Hebel senken die Last: der Freistellungsauftrag – 1.000 € Kapitalerträge pro Jahr bleiben für Singles steuerfrei (2.000 € bei Zusammenveranlagten) – und die Teilfreistellung nach § 20 InvStG: Bei Aktienfonds bleiben 30 % der Erträge steuerfrei, weil der Fonds die Gewinne schon auf Unternehmensebene versteuert hat. Der Rechner wendet beide automatisch an, wenn du sie aktivierst.
Schicht 3: Inflation. Was nützen 5 % Nettorendite, wenn alles 3,3 % teurer wird?
Die Realrendite misst den Kaufkraftzuwachs. Näherungsweise gilt: Realrendite ≈ Nominalrendite minus Inflationsrate.
Exakt rechnet man mit der Fisher-Gleichung: Realrendite = (1 + Nominalrendite) / (1 + Inflationsrate) − 1. Bei kleinen Zahlen ist der Unterschied gering, bei hoher Inflation wird er spürbar.
Der IRR für unregelmäßige Zahlungen. Sparst du monatlich, kaufst zwischendurch nach oder entnimmst Geld, reicht die simple „Ertrag durch Kapital"-Formel nicht mehr.
Der interne Zinsfuß (IRR) ist dann der Zinssatz, bei dem der Barwert aller Ein- und Auszahlungen genau null ergibt – also die eine Jahresrendite, die deine komplette Zahlungsreihe zusammenfasst. Der Rechner löst das iterativ für dich. Für vertiefende Berechnungen können Sie direkt den Zinseszins-Rechner heranziehen.
Brutto, netto, real: die drei Renditen im Vergleich
Viele Anleger vergleichen Äpfel mit Birnen, weil sie nicht dieselbe Renditestufe meinen. Deshalb hier die saubere Abgrenzung:
- Bruttorendite: Ertrag vor allem. Nützlich für den Produktvergleich (Fonds A vs. Fonds B), sagt aber nichts über dein Konto aus.
- Nettorendite: nach Kosten und Steuern. Das ist die Zahl, die deinen Kontostand erklärt – und die einzige, die für deine Planung zählt.
- Realrendite: Nettorendite nach Inflation. Das ist die Zahl, die deinen Lebensstandard erklärt. Eine Nettorendite von 2 % bei 3,3 % Inflation bedeutet: Dein Geld wächst, deine Kaufkraft schrumpft.
Merksatz: Brutto ist Werbung, netto ist Konto, real ist Leben.
Was ändert sich 2026 – und was kommt 2027?
2026 gilt: Die Abgeltungsteuer bleibt bei 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag – effektiv 26,375 % auf den steuerpflichtigen Teil deiner Kapitalerträge. Der Freistellungsauftrag (Sparer-Pauschbetrag) liegt unverändert bei 1.000 € pro Person und Jahr bzw. 2.000 € bei zusammenveranlagten Paaren.
Die Teilfreistellung für Aktienfonds (30 %) gilt weiter nach § 20 InvStG. Auf der Inflationsseite: Die Verbraucherpreise lagen im September 2026 um 3,3 % über dem Vorjahresmonat (endgültige Destatis-Zahlen, veröffentlicht am 13. Oktober 2026) – deutlich über dem 2-%-Ziel der EZB.
Das heißt: Deine Realrendite fällt 2026 niedriger aus als in den Vorjahren, in denen die Inflation bei 2,2 % (2024 und 2025) lag.
2027 kommt (Stand Oktober 2026): Für die Abgeltungsteuer und den Freistellungsauftrag sind keine Änderungen beschlossen oder angekündigt – beide Werte bleiben nach aktuellem Stand stabil. Was sich ändern kann, ist das Zins- und Inflationsumfeld: Die EZB hält an ihrem mittelfristigen Inflationsziel von 2 % fest, und das ifo Institut prognostiziert für 2026 eine Teuerungsrate von 2,2 % und für 2027 von 2,3 %.
Diese Seite wird aktualisiert, sobald neue amtliche Werte vorliegen.
Beispielrechnung: 10.000 € über 10 Jahre
Anna legt 10.000 € für zehn Jahre in einen Fonds an. Wir rechnen mit einer angenommenen Bruttorendite von 7 % pro Jahr – das ist ein Beispielwert, keine Prognose.
Schritt 1 – Brutto: 10.000 € × 1,07¹⁰ = 19.671,51 €. Der Bruttoertrag beträgt 9.671,51 €.
Schritt 2 – Kosten: Bei 0,5 % Kosten pro Jahr (Annahme nach Verbraucherzentrale Hamburg) sinkt die Jahresrendite auf 6,5 %: 10.000 € × 1,065¹⁰ = 18.771,37 €. Die Kosten haben 900,14 € gekostet – fast ein Zehntel des Bruttoertrags. Zur optimalen Gesamtplanung empfiehlt sich ergänzend unser praktischer Aktien-Steuer-Rechner.
Schritt 3 – Steuern: Der Gewinn nach Kosten beträgt 8.771,37 €. Anna stellt einen Freistellungsauftrag über 1.000 €, also sind 7.771,37 € steuerpflichtig. Steuer: 7.771,37 € × 26,375 % = 2.049,70 €. Übrig: 10.000 € + 8.771,37 € − 2.049,70 € = 16.721,67 €.
Schritt 4 – Nettorendite: (16.721,67 € / 10.000 €)^(1/10) − 1 = 5,28 % pro Jahr. Von 7 % Brutto sind nach Kosten und Steuern 5,28 % übrig.
Schritt 5 – Realrendite: Bei 3,3 % Inflation (September 2026): (1,0528 / 1,033) − 1 = 1,91 % pro Jahr reale Kaufkraftsteigerung. Das ist die ehrliche Zahl.
IRR-Bonus: Zahlt Anna stattdessen fünfmal 2.500 € ein (insgesamt 12.500 €) und erhält am Ende 15.000 € zurück, ergibt sich ein interner Zinsfuß von knapp 8 % pro Jahr – die eine Kennzahl, die diese unregelmäßige Zahlungsreihe fair zusammenfasst.
Typische Fehler
- Nur Brutto vergleichen. Zwei Fonds mit 7 % und 6,5 % Brutto können nach Kosten und Steuern die Reihenfolge tauschen. Vergleiche immer netto.
- Freistellungsauftrag verschenken. Wer keinen Auftrag erteilt, zahlt Abgeltungsteuer auf die ersten 1.000 € Erträge – und holt sie sich erst über die Steuererklärung zurück. Erteile den Auftrag direkt bei deiner Bank oder deinem Broker.
- Teilfreistellung ignorieren. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG). Wer das nicht einrechnet, rechnet seine ETF-Rendite zu schlecht.
- Inflation vergessen. 5 % nominal klingen gut, sind bei 3,3 % Inflation aber nur rund 1,6 % real. Plane mit Realrenditen, nicht mit nominalen.
- IRR mit Durchschnittsrendite verwechseln. Bei unregelmäßigen Einzahlungen ist der einfache Durchschnitt falsch – nur der interne Zinsfuß gewichtet das Timing korrekt.
- Kosten als Kleinigkeit abtun. 0,5 % pro Jahr klingen nach nichts, kosten dich über zehn Jahre aber fast 1.000 € pro 10.000 € Anlage – der Zinseszins arbeitet auch gegen dich.
Sonderfälle / Ausnahmen
- Verlustverrechnung: Verluste aus Aktienverkäufen kannst du mit Gewinnen verrechnen – aber nur innerhalb bestimmter Verlustverrechnungstöpfe (Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen). Der Rechner berücksichtigt einen von dir eingegebenen Verlustvortrag.
- Kirchensteuer: Bist du kirchensteuerpflichtig, erhöht sie die Abgabenlast auf Kapitalerträge zusätzlich. Gib deinen Status im Rechner an.
- Ausländische Quellensteuer: Dividenden ausländischer Aktien sind oft schon im Ausland besteuert. Per Doppelbesteuerungsabkommen wird ein Teil angerechnet – der Rest mindert deine Nettorendite.
- Vorabpauschale: Bei thesaurierenden Fonds fällt jährlich eine Vorabpauschale an, die vorab versteuert wird. Sie senkt nicht deine Gesamtrendite, verschiebt aber Steuerzahlungen nach vorne.
- Immobilien-Sonderfall: Diese Seite rechnet Geldanlagen. Für vermietete Immobilien gelten andere Regeln (Abschreibung, Spekulationsfrist zehn Jahre) – dafür gibt es eigene Rechner.
Was bedeutet das Ergebnis für dich?
Deine Nettorendite ist dein Kompass für drei Entscheidungen – und genau dafür ist der Rendite-Rechner gebaut: Er zeigt dir alle drei Stufen, Brutto, Netto und Real, für deine eigenen Zahlen nebeneinander. Erstens: Lohnt sich das Produkt?
Eine Geldanlage mit 2 % Nettorendite bei 3,3 % Inflation vernichtet Kaufkraft – dann ist sie kein Vermögensaufbau, sondern Vermögensverzehr. Zweitens: Wo sind die größten Hebel?
Meist sind es nicht 0,2 % mehr Bruttorendite, sondern niedrigere Kosten, ein ausgeschöpfter Freistellungsauftrag und die Teilfreistellung. Drittens: Reicht es für dein Ziel?
Rechne rückwärts: Welches Endkapital brauchst du in zehn Jahren – und welche Nettorendite bringt dich dorthin? Wenn die Lücke zu groß ist, helfen nur höhere Sparraten oder mehr Zeit, nicht riskantere Produkte.